DAFÜR

DAGEGEN

1. Wir behandeln 16-Jährige bereits wie Erwachsene

18 Jahre bedeutet in unseren Köpfen die Volljährigkeit. Allerdings behandeln wir unsere 16-Jährigen bereits wie Erwachsene. Mit 16 kann man in der EU einen Vollzeitjob annehmen, was bedeutet, dass man Steuern auf sein Einkommen zahlen muss. Doch es je nach Wahlzyklus kann es sein, dass man erst mit 22 zum ersten Mal sein demokratisches Stimmrecht ausüben kann, um zu entscheiden, was mit seinen Steuergeldern geschehen soll, da über manche Parlamente nur alle 5 Jahre abgestimmt wird. Mit 16 Jahren darf man in einigen Ländern heiraten und in allen EU-Mitgliedsstaaten dürfen man Sex haben. Also hält der Staat 16-Jährige dafür bereit, Eltern zu werden. Wenn man ein neues Leben schaffen darf, warum sollte man dann nicht auch über die eigene Zukunft und die Zukunft seines Landes abstimmen können?

1. Ausnahmen bestätigen die Regel

Mit 16 ist man einfach noch nicht erwachsen. Irgendwo müssen wir die Grenze ziehen, und nur weil es einige Ausnahmen gibt, sollten wir nicht die ganze Idee der Volljährigkeit mit 18 verwerfen. In der EU muss man 18 Jahre alt sein, um dem Militär beizutreten, eine Hypothek zu unterschreiben oder eine Kreditkarte zu bekommen. Unsere Gehirne sind im wahrsten Sinne des Wortes noch nicht voll entwickelt, weshalb wir in den meisten Staaten den Alkoholkonsum unter 18 Jahren verbieten. Alle Ausnahmen, einschließlich Heiraten, bedürfen der elterlichen Zustimmung oder eines Emanzipationsantrags vor einem Gericht. Wenn man mit 16 einen Richter braucht, um über seine Reife zu entscheiden, warum sollte man dann einfach wählen dürfen?

2. Wählen ist ein Recht

Jeder Versuch, die Stimme der Jugend zu unterdrücken, läuft gegen unsere demokratischen Ideale, denn Wählen ist ein Recht und der Zugang zum Wählen muss auf Menschen am Rande der Gesellschaft ausgeweitet werden. Niemand plädiert dafür, älteren Menschen aufgrund des Verdachts auf Verschlechterung der kognitiven Leistungsfähigkeit das Wahlrecht zu entziehen. Da viele Menschen bis zu ihrem Tod bei vollem Bewusstsein und geistiger Schärfe sein werden, ist es ungerecht und unpraktisch, einer ganzen Bevölkerungsgruppe das Wahlrecht zu entziehen. Wählen hat einen dauerhaften Einfluss. Die politischen Entscheidungen, die heute getroffen werden, werden einen 16-Jährigen wahrscheinlich länger beeinflussen als einen 60-Jährigen. Und im Hinblick auf den Klimawandel könnten die Auswirkungen der heutigen Entscheidungen in einigen Jahren unumkehrbar sein. Wenn ein junger Mensch sich für Politik interessiert und bei einer Wahl seine Stimme abgeben will, sollte das gefeiert werden.

2. Wählen ist ein Privileg

Das Wählen ist der wichtigste Akt in einer Demokratie. Bei Wahlen entscheiden wir über die Zukunft ganzer Nationen oder Bündnisse, oft mit weniger als einem Prozentpunkt Vorsprung. Ein Akt von solcher Tragweite verlangt von den Wählern Ruhe und Gelassenheit. Eigenschaften, die Heranwachsende statistisch gesehen weniger besitzen. Jugendliche neigen zu riskanterem Verhalten und denken seltener über die Konsequenzen ihres Handelns nach. Wählen erfordert Voraussicht und Erfahrung, die Fähigkeit, die Absichten und Motive anderer Menschen zu verstehen, sowie zwischenmenschliche Kompetenzen, die nicht selbstverständlich sind. Wählen ist ein Privileg, das nur von mündigen Menschen ausgeübt werden sollte.

3. Junge Menschen sind gebildet genug

Junge Menschen können politisch sein. Junge Menschen können Reden halten, Kundgebungen abhalten und sich sogar politischen Debatten mit älteren Menschen stellen. Mit 16 Jahren liegen die prägenden Jahre der Persönlichkeitsbildung im Wesentlichen hinter einem. 16-Jährige haben Meinungen und Ideale und werden routinemäßig bei Protesten gesehen, am prominentesten zum Beispiel bei „Fridays for Future“-Demonstrationen. Die Schulpflicht endet in den meisten EU-Ländern mit 16 Jahren. Das heißt also, dass wir damit rechnen, dass unsere Jugend mit 16 Jahren mit genügend Wissen ausgestattet ist, um an der Gesellschaft und dem Arbeitsmarkt teilzuhaben. Deshalb sollten wir sie auch wählen lassen.

3. Jungen Menschen mangelt es an Lebenserfahrung

Eine uninformierte Wahl kann schlimme Folgen für die Gesellschaft haben, ähnlich wie ein unerfahrener Autofahrer. Lebenserfahrung wird und kann nicht in Schulen gelehrt werden, sie kommt bei uns allen mit der Zeit von selbst. Ohne genügend Zeit, um Lebenserfahrung zu sammeln, fehlt einem 16-Jährigen eine wichtige Voraussetzung, um an unserer Gesellschaft teilzunehmen. Wir sollten unsere Jugend behutsam an die Demokratie heranführen. Wir sollten sie protestieren lassen, sie ihren politischen Willen demonstrieren lassen und sie eine Zeit lang an die Politik gewöhnen, bevor wir sie einfach mit dem Privileg ausstatten, wählen zu dürfen.

IMAGE CREDITS: CC / Flickr – Theresa Thompson