Neoliberalism

DAFÜR

DAGEGEN

Der freie Markt ist effizienter als der Staat

Warum sind Behörden eigentlich so langsam? Neoliberale glauben, dass Behörden ineffizient arbeiten, weil sie vom Staat geführt werden. Beamte haben kein Interesse daran, ihre Arbeit zu beschleunigen, weil sie nicht durch mögliche Gewinn(verluste) motiviert sind. Deswegen verfolgen Neoliberale eine Politik der Privatisierung verschiedener staatlicher Betriebe, wie Bahn, Strom- und Gaslieferanten oder Postdienstleistern. Neoliberale Marktwirtschaften wurden in den 1980er Jahren vor allem von Politikern in den USA und Großbritannien beworben und wurden schließlich in den meisten westlichen Staaten umgesetzt. Die meisten Wirtschaftswissenschaftler sind sich einig, dass funktionierende Märkte gut für Verbraucher sind,  da Wettbewerb effiziente, günstige und innovative Produkte hervorbringt. Deswegen werben Neoliberale dafür, alle Teile der Gesellschaft und Regierung so zu führen wie einen Betrieb.

Ein komplett freier Markt schafft mehr Probleme als er löst

Der freie Markt kann nicht alles regeln. In einer nach puren neoliberalen Marktwirtschaft könnte es dazu kommen, dass Krankenversicherungen nur junge und gesunde Menschen versichern, da alle anderen Bevölkerungsgruppen schlicht zu riskant sind und die Versicherung am Ende Geld kosten würden. Neoliberale Bildungspolitik würde Schulen dazu anhalten, Lehrern weniger Gehalt zu zahlen sowie Geld an Ausstattung und Ausflügen einsparen. Private Unternehmen sind immer daran interessiert, ihre Ausgaben zu senken, um ihren Profit zu erhöhen. Wenn öffentliche Projekte komplett von privaten Unternehmen durchgeführt und beaufsichtigt werden, wird es nahezu unmöglich, Verantwortliche zu finden, wenn etwas aus dem Ruder läuft. Ein Beispiel hierfür ist der Flughafen BER. Nahezu jeder Schritt im Bau war an ein anderes Unternehmen ausgesourct. Der Bau verzögerte sich um nahezu zehn Jahre, und die Kosten stiegen von 2 auf fast 8 Milliarden Euro. Bis heute ist unklar, wer hierfür die Verantwortung trägt.

Neoliberalismus ist realistisch

Der Mensch ist von Natur her egoistisch. Natürlich wäre es schön, wenn die gesamte Menschheit den Wohlstand der Entwicklung und die Ressourcen der Erde gerecht teilen könnte, jedoch ist es schlicht unrealistisch zu erwarten, dass Menschen ihren instinktuellen Egoismus überkommen können. Neoliberalimus (einfach erklärt), besagt, dass sich jeder Mensch zuerst um sich selbst und seine Familie kümmert. Jeder Versuch, eine Gesellschaft entgegen dieses Bedürfnisses zu entwickeln, wäre naiv und zum Scheitern verurteilt. Eine neoliberale Gesellschaft ist natürlich auch nicht perfekt, aber Neoliberale sehen sich durch den immensen Wohlstandswachstum der letzten 50 Jahre bestätigt. Außerdem ist es einfacher für Firmen und Bürger, in einer profitgetriebenen Gesellschaft, komplexe Entscheidungen zu treffen.

Der Fokus auf Profit schadet der Umwelt und der Gesellschaft

Es mag einfach erscheinen, eine Gesellschaft entlang strikter Profitmotivation aufzubauen, jedoch führt eine reine Kosten-Nutzen Rechnung häufig zu katastrophale Konsequenzen. Das wahrscheinlich größte Versagen des freien Markts ist der Schaden, den wir der Umwelt zugefügt haben. Eine Firma, die nur an Profitmaximierung interessiert ist, hat keinen Grund, sich um Treibhausgase, Luftverschmutzung, oder saubere Flüsse zu kümmern. Die Kosten des Klimawandels finden sich in keiner einzelnen Profitrechnung. Stattdessen muss die Gesellschaft als Ganzes für die Kosten des Klimawandels aufkommen. Unkontrollierte Märkte führen ausßerdem zu Monopolen, der Akkumulation von Kapital unter wenigen Personen, Ausnutzung von Arbeitern und wachsenden Ungleichheiten.

Neoliberalismus belohnt Ehrgeiz

Neoliberalismus per Definition befürwortet Deregulierung, also den Abbau von Gesetzen und Vorschriften für Firmen. Er reduziert Bürokratie und macht es einfacher für BürgerInnen, eine Firma zu starten. Außerdem sieht eine neoliberale Marktwirtschaft auch eine Senkung der Steuern vor, damit man die Früchte seines Erfolgs in der Form von Wohlstand auskosten kann. Gleichzeitig motiviert neoliberale Politik die Menschen, die noch nicht erfolgreich sind, sich selbst am sprichwörtlichen Riemen zu reißen und ihre finanzielle Stellung durch Fleiß zu verbessern. Neoliberale argumentieren: Mit der richtigen Idee und genug Ehrgeiz kann jeder MilliardärIn werden. Elon Musk, zum Beispiel, hat sich sein Studium durch Nebenjobs und Kredite finanziert und wurde 2021 zum reichsten Menschen der Erde.

Der Mythos des selbstgemachten Milliardärs

Die Geschichten von  Tellerwäschern, die es zum Milliardär schaffen, sind irreführend. Die überwiegende Mehrheit des Wohlstands auf der Welt wurde geerbt und nicht erarbeitet. Jeff Bezos ist einer der reichsten Männer der Welt, auch er hat seine Firma, Amazon, selbst gegründet. Tatsächlich aber erhielt er in seinen ersten Jahren großzügige finanzielle Unterstützung von seiner Familie. Das gleiche trifft auf die meisten erfolgreichen Gründer zu. Eine Geschichte, wie die von Elon Musk ist die absolute Ausnahme. Statistisch gesehen liegen die Chancen zum Milliardär zu werden bei 1 zu 90 000. Und selbst dann kann man so ein riesiges Vermögen nur aufbauen, indem man seine ArbeiterInnen durch geringe Löhne ausbeutet, um Kosten gering zu halten und den eigenen Profit zu steigern.

Foto: Flickr (CC BY-2.0) – R Barraez D´Lucca