Der Hamburger Hafen ist der drittgrößte in Europa

Ist Freihandel der beste Weg zu Wohlstand?

Bis zur Mitte des 19. Jahrhundert war in Europa die Überzeugung verbreitet, dass Staaten, um reich zu werden so viele Waren wie möglich ins Ausland verkaufen und gleichzeitig so wenige Waren wie möglich aus dem Ausland einkaufen sollten. Deswegen führten Regierungen hohe Zölle auf ausländische Waren ein, was zur Folge hatte, dass jedes Land alle benötigten Produkte in selbst herstellen musste, was auch durch die Ausbeutung der Kolonien geschah. Doch ist das ein effizientes System? Nein, fand der Ökonom Adam Smith. Stattdessen sollten Staaten ihre Zölle abschaffen und sich auf die Produktion von Gütern spezialisieren, die sie besonders gut herstellen können. So würde der zollfreie Handel mit Waren, sprich Freihandel, letztendlich zu mehr Wohlstand für alle Handelspartner führen.

Sollte die EU mehr Freihandelsabkommen eingehen?

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs legten das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen und später die Welthandelsorganisation Freihandel als Prinzip der internationalen Handels- und Wirtschaftsbeziehungen fest. Dennoch waren in der Praxis immer noch viele Hürden in Stelle. Doch genau das wollten einige Staaten in Westeuropa ändern und mit der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft wurde eine Freihandelszone mit gemeinsamer Handelspolitik gegenüber Drittstaaten geschaffen, in die mehr und mehr Staaten eintraten und die schließlich in der Europäischen Union mündete. Die EU hat Freihandelsabkommen mit einigen Partnern geschlossen, doch die Verhandlungen über die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) mit den USA lösten europaweit große Proteste aus, u.a. aus Sorge um gesundheitliche und arbeitsrechtliche Standards und sogar um die Demokratie. Hat der Freihandel zu viele negative Effekte?

Was denken unsere Leserinnen und Leser?

Ihr habt uns EURE Fragen und Kommentare zugeschickt und wir haben sie an einen Politiker und eine Aktivistin weitergeleitet!

Unser Leser Christian schreibt uns, dass er gegen Freihandelsabkommen ist, denn er sieht nur Nachteile. In seinem Kommentar zählt er einige auf:

Nachteile für Verbraucher, Übervorteilung der Wirtschaftslobby und vereinfachte Privatisierung, Ausfallklagen und damit abwälzen d. Unternehmerischen Risikos auf die Steuerzahler, extrallegale, ausserjuristische Schattengerichte (ISDS), Absicherung des expotentiellen Wachstums statt Wachstum durch Innovation, Arbeitsplatzverlust und Billiglöhne (siehe NAFTA in Mexico)…

Hat er mit seiner Einschätzung recht? Wir haben uns an den luxemburgischen Europaabgeordneten Christophe Hansen gewendet und ihn gefragt, ob er für oder gegen Freihandel ist. Was ist seine Antwort?

Die bessere Frage wäre: sind sie für einen Handel mit Regeln oder für einen Handel ohne Regeln. Denn der Begriff „freier Handel“ ist manchmal irreführend: ein Freihandelsabkommen bedeutet, dass beide Parteien die gemeinsamen Regeln aushandeln, die dann für ihre Waren gelten. Ich bin dafür, dass sie verhandeln und Regeln haben, dass beide Seiten, sowohl derjenige, der etwas kauft und derjenige, der etwas verkauft, sich auf die Bedingungen einigen und dass beide damit zufrieden sind. Genau das bedeutet Freihandel.

Also ich bin dafür, denn das gibt uns eine gewisse Sicherheit für den Einkauf und auch für die Lieferung der Waren. Es ist also für unsere Wirtschaft sehr wichtig, dass wir die Waren zu einem vernünftigen Preis bekommen und auch, dass unsere Unternehmen ohne große Handelsbarrieren verkaufen können. Genau das regelt ein Freihandelsabkommen. Wir bauen die unnötigen Barrieren ab, so dass unsere beiden Wirtschaften wirklich aus einer solchen Situation gewinnen können.

Für eine weitere Perspektive haben wir auch Nadia Magnin von Attac Schweiz kontaktiert. Ist sie für oder gegen Freihandel?

In der Vergangenheit hat der Freihandel es den Industrieländern ermöglicht, ihre Vorherrschaft über Länder mit niedrigerem Einkommen zu stärken. Darüber hinaus werden durch Freihandelsabkommen öffentliche Dienstleistungen, Verbraucherschutz, Umweltstandards und sogar unsere Demokratien ausverkauft. Mit Freihandelsabkommen wie TAFTA oder CETA haben Handelsrechte Vorrang vor Gesundheits-, Verbraucher- und Umweltschutz. Weltweit ermöglichen Freihandelsabkommen, dass bilaterale Handelsabkommen zu einer Abschreckungswaffe für die Senkung von Sozial-, Umwelt- und Arbeitsstandards werden. Dies war beispielsweise in Europa bei dem Versuch der Ratifizierung von TAFTA der Fall.

Diese Verträge sind Ziel zahlreicher Anfechtungen, insbesondere im Hinblick auf die Beilegung von Streitigkeiten, die die Einrichtung von Schiedsgerichten erzwingen, die Staaten dazu verurteilen können, hohe Entschädigungen an private Akteure zu zahlen und bestimmte Sozial- und Umweltstandards zu ändern, um den Anforderungen dieser Verträge zu entsprechen. Die mangelnde Transparenz bei der Aushandlung solcher Abkommen wurde ebenfalls angeprangert oder kritisiert. Die Globalisierung hat zu einer Ausbreitung von Freihandelsabkommen auf weltweiter Ebene geführt. Der Freihandel dient vor allem den Interessen großer Wirtschaftsgruppen und ist keineswegs auf soziales Wohlergehen ausgerichtet. Er führt zu unlauterem Wettbewerb, indem er die nationale Produktion einer unregulierten Konkurrenz aussetzt.

Der freie Handel ist die Ursache vieler sozialer und ökologischer Probleme. Deshalb müssen wir neue Wege für den internationalen Handel finden, die mit einer Verlagerung aller oder eines teils unserer Volkswirtschaften einhergehen. Der internationale Handel muss besser reguliert werden, und wir können ihn nicht weiter auf diese Weise deregulieren. Im Gegenteil, die großen Handelsabkommen sollten soziale und ökologische Maßnahmen, die Einführung von Umwelt- und Sozialkriterien, Kontrollmechanismen für das Steuersystem und Sektionen enthalten. Ihre Aushandlung muss öffentlich und transparent sein. Die Logik des freien Handels, die darin besteht, unsere Produkte in Asien herzustellen, sie in Europa zu verkaufen und den Abfall dann in Afrika zu verarbeiten, muss aufhören, denn sie ist absurd.

Bist Du für oder gegen Freihandel?

Glaubst Du, dass mehr Freihandelsabkommen der EU dabei helfen können, wirtschaftlich besser da zu stehen? Oder denkst Du, dass Freihandelsabkommen sich schlecht auf Arbeitsbedingungen und auf die Umwelt auswirken? Schreib uns einen Kommentar und wir leiten ihn an Politiker:innen und Expert:innen weiter!

Foto:Jonas Tebbe. Portrait: © European Union 2022 – Source : EP

Gefördert von der Europäischen Union. Die geäußerten Ansichten und Meinungen sind jedoch ausschließlich die des Autors/der Autoren und spiegeln nicht unbedingt die der Europäischen Union oder der Europäischen Kommission wider. Weder die Europäische Union noch die Bewilligungsbehörde können für sie verantwortlich gemacht werden.
This image has an empty alt attribute; its file name is DE-Kofinanziert-von-der-Europaischen-Union_POS_3-800x168.jpg



2 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst Du?

  1. avatar
    Maren

    Das ist doch eine viel zu vereinfachende Frage. Ich bin für ein gewisses Level an Freihandel zum Beispiel innerhalb von Europa. Auf so einer regionalen Ebene mit kurzen Strecken macht das SInn. Allerdings bin ich sehr gegen das System: Ware wird in Europa designt, Bestandteil A wird in Bangladesh gefertigt, Bestandteil B in China, dann wird es in Osteuropa zusammen gebaut, in China verpackt und schließlich an die ganze Welt geschippt…

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Notify me of new comments. You can also subscribe without commenting.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

By continuing to use this website, you consent to the use of cookies on your device as described in our Privacy Policy unless you have disabled them. You can change your cookie settings at any time but parts of our site will not function correctly without them.