Schafft das 9-Euro-Ticket finanzielle Entlastung oder eine „Gratismentatlität“?

Seit Juni kann man für nur 9 Euro einen Monat lang in ganz Deutschland den öffentlichen Personennahverkehr nutzen. Das Sonderangebot der Ampelregierung war eigentlich nur als kurzfristige Entlastung aufgrund der gestiegenen Energiekosten gedacht, doch laut Umfragen wünschen sich 55 Prozent der Deutschen eine Fortsetzung des Angebots. Das unterstützen auch einige Grünen-Politiker und schlagen als Nachfolger für das 9-Euro-Ticket ein Regionalticket für 29 Euro und ein bundesweit gültiges Ticket für 49 Euro im Monat vor. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen wiederum schlug ein bundesweit gültiges ÖPNV-Klimaticket für 69 Euro im Monat als dauerhaftes Angebot vor. Bist Du für die Einführung solcher Tickets?

Doch diesen Vorschlägen erteilte Finanzminister Christian Lindner eine klare Absage. Er sei von einer „Gratismentalität“ im öffentlichen Nahverkehr nicht überzeugt und argumentierte, dass auch die Menschen, die keinen Bahnhof in der Nähe haben, den günstigen Nahverkehr subventionieren würden. Das halte er für nicht fair. Für seine Äußerung erntete Lindner, der als Minister sowohl einen Dienstwagen als auch eine Bahncard 100 gestellt bekommt, viel Kritik. Aber wie seht ihr das? Ist an Lindners Kritik was dran?

Können mit einem 9-Euro-Ticket die notwendigen Infrastrukturinvestitionen gedeckt werden?

Jeder, der diesen Sommer mit der Bahn gefahren ist und unter Zugausfällen und stundenlangen Verspätungen gelitten hat, weiß: Die Infrastruktur der Bahn muss dringend gründlich verbessert werden. Doch das erfordert natürlich Geld. Neben den Investitionszuschüsse des Bundes (in Höhe von 7.850 Mio. €) ist die Bahn dafür auch auf Ticketeinnahmen angewiesen. Doch die fielen durch ein permanentes 9-Euro-Ticket natürlich weitaus geringer aus, wie auch Finanzminister Lindner unterstreicht. Ist ein verlängertes oder permanentes 9-Euro-Ticket also einfach nicht bezahlbar? Wie sähe es bei den Alternativvorschlägen aus? Befürworter des Tickets weisen außerdem darauf hin, dass der Staat Autofahrer und Fluggäste durch Subventionen auf fossile Brennstoffe, Steuervergünstigungen und Angebote wie Pendlerpauschale mit weitaus mehr Geld – genauergesagt 40,5 Milliarden Euro – unterstützt.

Was denken unsere Leserinnen und Leser?

Ihr habt uns EURE Fragen und Kommentare zugeschickt und wir haben sie an ein Politiker und einen Bahn-Experten weitergeleitet! Ihre Antworten findet ihr im Video oben!

  • Ralph Lenkert ist ein Mitglied des Bundestags der Fraktion die Linke. Er ist für die Fraktion die Linke Mitglied im Beirat der Bundesnetzagentur und stellvertretendes Mitglied dem Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur
  • Jon Worth ist ein britischer Blogger über EU-Politik und Transport-Fragen und ein European Young Leader. Diesen Sommer führt er das Projekt #CrossBorderRail durch, bei dem er jede Grenze in der EU mit dem Zug überquerte, um auf die Probleme beim grenzüberschreitenden Bahnverkehr hinzuweisen

Bei einer Debatte zum Thema Inflation hat uns Leserin Sarah erzählt:

Ich bin echt froh, dass es das 9-Euro-Ticket gerade gibt. so spare ich mir wenigstens fast alle fahrtkosten. aber mir grauts schon vor dem herbst… dann kommen ja auch wieder die Heizkosten dazu!

Sollte man überlegen, dass 9-Euro Ticket zu verlängern bzw permanent anzubieten? Wie sieht der MdB Ralph Lenkert von der Linkspartei das? Und wie der Bahn-Blogger Jon Worth?

Auch Leser Petr ist dafür den Öffentlichen Nahverkehr deutlich erschwinglicher zu machen. Er schlägt vor:

Ich bin für eine Flatrate mit der man mit jedem Bus und Zug in ganz Deutschland verreisen kann.

Was halten MdB Ralph Lenkert und Bahn-Blogger Jon Worth von Petrs Voschlag einer Flatrate?

Leserin Pauline sieht allerdings auch ein paar Schwierigkeiten, die ein verlängertes 9-Euro-Ticket mit sich bringen könnte:

Ob 9-Euro-Ticket, 365 Euro Jahresticket etc. – wichtig ist doch, dass Nahverkehr bezahlbar bleibt. Allerdings frage ich mich, ob dann wirklich langfristig mehr Leute Bus und Bahn fahren, wenn es im Dorf keine Anbindung gibt, kann man halt nur das Auto nehmen. Wie will die Politik sichrstellen, dass es auf der einen Seite weniger Ticketeinnahmen und gleichzeitig aber mehr Investitionen in Infrastruktur gibt?

Wie sieht der MdB Ralph Lenkert von der Linkspartei das? Und wie der Bahn-Blogger Jon Worth?

Sollte das 9-Euro-Ticket verlängert werden?

Welche Vor- und Nachteile hat das 9-Euro-Ticket? Ist eine Verlängerung des 9-Euro-Tickets finanziell machbar? Und wir stellen wir sicher, dass trotz geringerer Ticketeinnahmen notwendige Infraststrukturmaßnahmen durchgeführt werden? Schreib uns einen Kommentar und wir leiten ihn an Politiker:innen und Expert:innen weiter!

Foto: Paha_L on Bigstock

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4 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst DU?

  1. avatar
    Mirko

    So ein No-Brainer: Ja natürlich!!!

  2. avatar
    Gregor

    überfüllte und verspätete züge, dafür riesiege staatsausgaben auf steuerzahlerkosten. nein danke

  3. avatar
    Clara

    Es muss ein Übergangskonzept geben a la 29€ Ticket, das schafft eine echte erleichterung für die haushalte und das ist genau das was jetzt gebraucht wird. Übergewinnsteuer machts möglich, und sollte deswegen schnellstmöglichst eingeführt werden!

  4. avatar
    Michael

    Ja ich bin für eine Verlängerung des 9 Euro Tickets, aber nur für Schüler, Studenten, Rentner, alleinerziehende Elternteile und für Personen mit Behinderung.

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