Verpflichtende Werte- und Orientierungskurse?

Anfang 2022 verlängerte Österreich seine sogennanten „Werte- und Orientierungskurse„, die für Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte verpflichtend zu absolvieren sind. Die österreichische Regierung hatte die Kurse zunächst 2015 in Reaktion auf die sogenannte Flüchtlingskrise eingeführt und später ausgeweitet. Neben Deutschkenntnissen werden den Asylberechtigten Informationen zu Bildungschancen und dem österreichischen Arbeitsmarkt, aber auch zu kulturellen Aspekten des Zusammenlebens mit einem besonderen Fokus auf eine Sensibilisierung für Formen des Antisemitismus, sowie für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Gleichberechtigung und Frauenrechten vermittelt. Können solche verpflichtenden Kurse bei einer erfolgreichen Integration helfen? Findest Du, dass das auch eine Option für Deutschland sein könnte?

Dänische Anti-Ghetto Gesetze in der Kritik

Vor ein paar Jahren war das sonst als liberal geltende Dänemark für seine Integrationspolitik, besonders seine sogenannten „Anti-Ghetto“-Gesetze in die Kritik geraten. Die Gesetze sehen eine Reihe von Maßnahmen vor, um gegen „Problemviertel“ vorzugehen, u.a. durch Umsiedlungen der dorts bereits ansässigen Zuwanderer. Eine Maßnahme sieht vor, dass Kinder, die in diesen Gegenden leben (die sonst mit einem Elternteil oder einer Pflegeperson zu Hause bleiben könnten, bis sie alt genug sind, um in die Schule zu gehen), mindestens 30 Stunden pro Woche nach ihrem ersten Geburtstag Kinderbetreuung besuchen müssen. Kritiker sagen, die „Anti-Ghetto“- Gesetze sind diskriminierend und gefährden die Integrationsbemühungen mehr als dass sie helfen. Wie seht ihr das?

Was sagen unsere Leserinnen und Leser?

Ihr habt uns EURE Fragen und Kommentare zugeschickt und wir haben sie an ein Politiker und einen dänischen Ökonomen weitergeleitet! Ihre Antworten findet ihr im Video oben!

  • Lars Castellucci ist Mitglied des Deutschen Bundestages in der Fraktion der Sozialdemokraten und der geschäftsführende Vorsitzende des Innenausschusses. Zudem wurde er zur Professur für Nachhaltiges Management, insbesondere Integrations- und Diversity Management an der Hochschule der Wirtschaft für Management (HdWM) berufen.
  • Martin Ågerup ist der Präsident des Zentrums für politische Studien (CEPOS), einem dänischen Think Tank, die eine liberale, freie Marktphilosophie vertritt.

Unser Leser Hans ist nicht von verpflichtender Integration nicht besonders überzeugt. Er schreibt uns:

Was bitteschön soll ‚Integration‘ konkret bedeuten? Bayerische Bierseeligkeit, Liebe zu Vorgartenzwergen? Meiner Meinung nach reicht es, wenn jeder in diesem Lande auf dem Boden der Verfassung steht.

Was bedeutet Integration? Wie sieht der Bundestagsabgeordnete und Integrationsexperte Lars Castellucci das? Seine Antwort findet Ihr oben im Video!

Ähnlich sieht es auch Leser Thorsten. Er hat einen alternativen Vorschlag:

Ich finde Integrationszwänge überzogen. Was ich aber grundsätzlich gut fände, sind leicht zu erreichende Mindestleistungen, die ein/e Migrant/in erbringen sollte, um dafür Leistungen erwarten zu können. Kostenlose Sprachkurse zum Beispiel

Wie kann ein solcher Ansatz von Fordern und Fördern umgesetzt werden? Das haben wir den SPD-Politker Lars Castellucci gefragt. Seine Antwort findet Ihr oben im Video!

Leser Παυλος (Paulos) auf der anderen Seite hält verpflichtende Integrationskurse für eine gute Idee. Er schreibt:

Kinder aus Einwandererfamilien sollten verpflichtenden Unterricht über die westliche Kultur erhalten. Auf diese Weise können wir die Kinder „umprogrammieren“, so wie es besser zu uns passt.

Wäre ein solcher Ansatz ein guter Weg zur Integration und zur Bekämpfung sozialer Probleme? Oder wäre das diskriminierend und würde zu mehr Problemen führen? Das haben wir den SPD-Politker Lars Castellucci gefragt. Seine Antwort findet Ihr oben im Video!

Das haben wir auch Martin Ågerup gefragt, Präsident des Zentrums für politische Studien (CEPOS), einer dänischen Denkfabrik, die eine liberale, freie Marktphilosophie vertritt. Was sagt er diesbezüglich zu dem Anti-Ghetto Gesetz in Dänemark?

Lassen Sie mich zunächst darauf hinweisen, was dieses neue Gesetz in diesem Bereich bedeutet: Eltern, die ihre Kinder nicht im Alter von einem Jahr erst in die Kita und dann in den Kindergarten schicken, verlieren bestimmte Transferzahlungen. Es ist also kein direkter, sondern indirekter Zwang, ich finde es aus mehreren Gründen immer noch problematisch. Kinder gehören nicht dem Staat. Eltern sind für ihre Kinder verantwortlich, es sei denn, sie erweisen sich als unfähig, dieser Verantwortung nachzukommen. Hinzu kommt, dass dieser indirekte Zwang nur für Bürger in bestimmten Bereichen gilt, die als eher problematisch eingestuft werden, den sogenannten „Ghettos“. So gilt das Gesetz des Landes für verschiedene Bürger unterschiedlich auf der Grundlage ihrer Heimatadresse.

Was ich grundsätzlich unterstütze, ist das Ziel, Kinder von Einwanderern, deren Kulturen sich sehr von unseren eigenen unterscheiden, sollten in gewisser Weise assimiliert werden, einschließlich Dänisch fließend lernen, sich an die Gesetze des Landes halten und die dänische Kultur verstehen. Es ist jedoch paradox und wahrscheinlich kontraproduktiv, dies durch einen Top-Down-Prozess zu erreichen, bei dem einige der Prinzipien der liberalen Demokratie in Frage gestellt werden.

Schließlich erinnert Leser Giacomo daran, dass zur erfolgreichen Integration mehrere Seiten dazu gehören. Er schreibt:

Die Debatte wird zu einseitig geführt. Nicht nur Integration muss gelernt werden, sondern auch Toleranz.

Ist Deutschland nicht tolerant genug? Wie sieht der Bundestagsabgeordnete Lars Castellucci das? Seine Antwort findet Ihr oben im Video!

Sollten Zuwanderer verpflichtet werden sich zu integrieren?

Sind verpflichtende Integrationskurse föderlich für eine erfolgreiche Integration? Oder sind sie diskriminierend? Was denkst Du? Schreib uns einen Kommentar und wir leiten ihn an Politiker:innen und Expert:innen weiter!

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6 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst Du?

  1. avatar
    Lina

    wenn die kurse darum gehen, zu lernen was deutsch ist (Bratwurst, gartenzwerg und spießigkeit) dann bin ich dagegen. aber etwas über grundrechte und das deutsche sozialsystem zu lernen kann bestimmt nicht schaden. dann ist nur die frage warum nur zuwanderer so kurse belegen sollten? Warum nicht alle?

  2. avatar
    Michael

    ja, absolut. Ist in anderen Länder auch so. In Kanada wird auch noch ein ehrenamtlich Integrationspate engagiert.

  3. avatar
    René

    Ja, natürlich und auch die Regierung muss da in die Pflicht genommen werden, das das klappt bzw. die Landesregierungen.

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