Sollte sich die EU auf einen europäischen Mindestlohn einigen? 

Experten argumentieren, dass Europas Wirtschaft – und vor allem Deutschland – von osteuropäischen Arbeitnehmern profitiert hat. Doch nicht jeder ist mit der Zuwanderung aus den osteuropäischen Ländern einverstanden, das zeigt zum Beispiel die Kritik der AfD. Sie meinen, dass Zuwanderer für niedrige Löhne in Deutschland verantwortlich seien, weil Zuwanderer geringere Bezahlungen als Einheimische akzeptierten. Das hielte die Löhne auch für alle anderen niedrig. Würde sich daran etwas ändern, wenn es in allen EU-Ländern den gleichen Mindestlohn gäbe?

Welche Unterschiede gibt es zwischen den EU-Ländern?

Aktuell variieren die nationalen Mindestlöhne innerhalb Europas enorm. Bulgarien ist das Schlusslicht, hier erhalten Arbeitnehmer:innen ungefähr ca. 2 Euro pro Stunde, in Deutschland dagegen hat die Ampelregierung den Mindestlohn zuletzt auf 12 Euro angehoben. Nur Luxemburg hat in der EU einen noch höheren Mindestlohn mit 13,05 Euro. In Schweden und Dänemark gibt es wiederum keinen einheitlichen Mindestlohn, da Gewerkschaften und Arbeitgeber branchenspezifische Tarife aushandeln. Welche Folgen hätte eine Vereinheitlichung der Mindestlöhne?

Was denken unsere Leserinnen und Leser?

Ihr habt uns EURE Fragen und Kommentare rund um das Thema europäischer Mindestlohn zugeschickt und wir haben sie an eine Europaabgeordnete und einen Gewerkschafter weitergeleitet! Ihre Antworten findet ihr im Video oben!

  • Monica Semedo ist eine luxemburgische Europaabgeordnete in der der liberalen Fraktion Renew Europe und ist eine European Young Leader. Sie ist Mitglied im Ausschuss für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten, sowie stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Währung.
  • Luca Visentini ist der Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbundes und Dichter. Der Europäische Gewerkschaftbund arbeitet in einer beratenden Funktion mit der Europäischen Kommission und verhandelt Vereinbarungen und Arbeitsprogrammen mit europäischen Arbeitgebern.

Für unser:e User:in maier ist klar, ein europaweiter Mindestlohn sollte eingeführt werden, und zwar lieber gestern als heute:

Die europäische Zukunftskonferenz hat es wieder einmal gefordert, dabei ist es doch schon lange überfällig: Wann wird endlich ein europaweiter Mindestlohn eingeführt?

Wie sieht die Europaabgeordnete und European Young Leader Monica Semedo das? Ihre Antworten findet ihr im Video oben!

Leser Kai steht einem europäischen Mindestlohn eher skeptisch gegenüber. Er schreibt:

Sollte es einen EU-weiten Mindestlohn geben, was aus verschiedenen Gründen sehr schwierig ist, wäre dieser aber mit Sicherheit so deutlich zu niedrig, dass er die bestehenden Lohnniveaus in den “Hochlohnländern“ stark unter Druck setzen würde. Machen wir uns nichts vor, die EU-Standards, die irgendwann mal gelten werden, sind dann deutlich niedriger als die der meisten Länder… Schließlich muss die Kasse der Industrie ja klingeln.

Teilt die Europaabgeordnete Monica Semedo Kais Sorgen? Ihre Antworten findet ihr im Video oben!

Leserin Chiara findet:

Die Gehälter in Europa sind generell zu niedrig sind und es gibt zu wenig Sicherheit für Arbeiter.

Wir haben den Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbundes Luca Visentini gefragt, wie kann die EU nicht nur „mehr“ Arbeitsplätze, sondern auch qualitative Arbeitsplätze schaffen?

Danke für die Frage Chiara. Es stellt sich zunächst die Frage, wie wir qualitative Arbeitsplätze schaffen können? Wenn wir nichts an der Politik der Makroökonomie der EU ändern, werden wir nicht erfolgreich sein. Deshalb setzen wir Gewerkschaften uns ganz besonders für mehr Investitionen, privat und staatlich ein. Das ist der einzige Weg in Richtung einer grüneren Wirtschaft, einer besseren digitalen Umwelt und um generell mehr Jobs zu schaffen. Qualitative Arbeitsplätze, das bedeutet sichere Arbeitsplätze, gutes Einkommen, gute soziale Absicherung, Arbeitsrechte am Arbeitsplatz, gute Arbeitskonditionen usw. Investition ist also das Schlüsselwort.

Das zweite Schlüsselwort ist Konvergenz, in dem Sinne, dass wir ein enormes Lohngefälle innerhalb Europas haben – zwischen den Mitgliedstaaten von Ost nach West und von Süd nach Nord, aber auch innerhalb der Länder zwischen den verschiedenen Sektoren. Es gibt also die Herausforderung, dass wir generell höhere Löhne in Europa brauchen, aber vor allem in den Ländern, die hinterherhängen. Die Arbeitsbeziehungen und die Tarifverhandlungen müssen in jedem Land gestärkt werden.

Sollte sich die EU auf einen europaweiten Mindestlohn einigen? 

Oder sind die Wirtschaftssysteme zu unterschiedlich für einen gemeinsamen Mindestlohn? Sagt uns eure Meinung und wir bringen sie zu Europas Experten und Politikern. Schreib uns einen Kommentar und wir leiten ihn an Politiker:innen und Expert:innen weiter!

Foto: CC / Flickr – Denis Bocquet Portrait: Visentini: cc / Flickr

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2 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst Du?

  1. avatar
    Maren

    ist doch völlig unrealistisch. das lohnniveau in deutschland und z.B. in luxemburg kann man doch nicht mit dem in Rumänien vergleichen. wenn wir den gleichen mindestlohn überall haben, dann führt das also entweder zu einem viel zu niedrigen in den „reichen“ Ländern und tut damit also das gegenteil von armutsbekämpfung, oder er führt zu krasser inflation in ärmeren ländern.

  2. avatar
    Anika

    Ich finde es kann nicht sein, dass so eine Praxis überhaupt noch stattfidnet. Welche Rechte oder Ideen gibt es denn für Arbeitnehmer, die sich über Lohnudmping beschweren wollen? Von Seite der Poltik einfach nur zu sagen, dass das illegal ist und dann zu erwarten, dass das nicht mehr erstattfindet ist unrealisitsch. Wäre es nicht möglich, Tarife der einzelnen Arbeitsfelds in einer Region offenzulegen, sodass sich jeder selbst vergewissern kann, fair bezahlt zu werden?

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