Debating Europe und Euronews organisieren TV-Debatte

Frankreich hat gesprochen: Der alte Präsident ist auch der neue. Emmanuel Macrons Sieg über Marine Le Pen gibt ihm ein zweites Mandat für Veränderungen – oder wird es mehr vom Gleichen sein? Und was bedeutet Macrons Sieg für die europäische Zusammenarbeit?

Europaabgeordnete beantworten EURE Fragen!

Ihr habt uns EURE Fragen zugeschickt und wir haben uns mit Euronews zusammen getan, und sie bei einer TV-Debatte mit Europaparlamentariern des gesamten politischen Spektrums zu diskutieren!

💬 Véronique Trillet-Lenoir aus Frankreich von Renew Europe Fraktion
💬 Witold Waszczykowski aus Polen von der ECR-Fraktion
💬 Delara Burkhardt aus Deutschland, von der Fraktion der Sozialdemokraten
💬 Petros Kokkalis aus Griechenland von der Fraktion Die Linke
💬 Marco Campomenosi aus Italien von der Fraktion Identity & Democracy.

Was denken unsere Leserinnen und Leser?

Unsere Leserin Lena aus Deutschland weist darauf hin, dass Le Pen trotz ihrer Niederlage ein gutes Ergebnis erzielt hat. Sie fragt:

Marine Le Pen hat zwar die Wahl verloren, aber immerhin hat sie immer noch mehr als 40% der Stimmen erhalten – ihr bislang bestes Ergebnis. Deswegen frage ich mich: wie rechts ist die französische Gesellschaft tatsächlich? Und wird ihr Erfolg andere Populisten und Nationalisten in Europa inspirieren?

Was antwortet Marco Campomenosi, MdEP von der gleichen Fraktion wie Marine Le Pen’s Partei?

Marine Le Pens Resultat ist wichtig, weil es zeigt, dass die französischen Wähler selbst entschieden haben. Sie haben sich nicht darum gekümmert, was andere ihnen gesagt haben, dass sie in die Ecke gedrängt werden muss, dass ihre Vorschläge nicht berücksichtigt werden sollten. Das ist einer der Gründe, warum wir im Europäischen Parlament eine Fraktion haben, die in der Vergangenheit in anderen Familien untergebracht war, die sich aber jetzt unseren Bemühungen anschließt, um etwas zu ändern.

Wie sieht der linke MdEP Petros Kokkalis aus Griechenland das?

Ich denke, es gibt einen allgemeinen Trend zur Normalisierung und Legalisierung von Ideen, die in der Vergangenheit als extrem galten. Ich denke, dies ist eine direkte Folge von dreißig Jahren Deregulierung eines weniger starken Staates, von Privatisierung, von weniger öffentlichen Dienstleistungen, von weniger Beteiligung der Bürger. Die Wahlenthaltung nimmt ebenso zu wie der rechte Flügel. Ich denke also, dies ist ein Signal, das wir beherzigen sollten, und wir müssen uns auch zu Herzen nehmen, was die Bürger der Europäischen Union auf der Konferenz zur Zukunft Europas gesagt haben, und Antworten darauf recht schnell zu geben.

Als nächstes fragt sich unser Leser Nicolas aus Rumänien, welche Auswirkung das Wahlergebnis für Verteidigung und Sicherheit in Europa haben wird:

Jetzt, wo die französische Präsidentschaftswahl entschieden ist, ist es wahrscheinlicher, dass es eine europäische Armee geben wird?

Witold Waszczykowski von der ECR-Fraktion antwortet auf Nicolas Frage!

Wir haben bereits eine europäische Armee. Sie nennt sich NATO. 21 Länder der Europäischen Union gehören der NATO an. Hören Sie also auf mit dieser schizophrenen Suche nach etwas, das von der NATO und den Vereinigten Staaten getrennt und abgekoppelt ist. Der jüngste Konflikt, der von Russland ausgelöst wurde, gibt uns die Antwort, dass nur die NATO in der Lage ist, uns zu schützen, und dass die Vereinigten Staaten willens, fähig und schnell sind, uns zu antworten. Lassen Sie mich ein Beispiel nennen: Wenige Tage nach Kriegsbeginn schickte Amerika 5000 Soldaten mit Raketen und anderer Ausrüstung nach Polen. Zur gleichen Zeit gab Josep Borrel (nach Macron) ein Dokument mit einem strategischen Kompass heraus. Diesem Dokument zufolge wird Europa in 8 Jahren 5000 Truppen aufstellen, um was zu verteidigen – Mali? Aber bestimmt nicht Polen.

Zuletzt hat uns User Kostian diesen Kommentar geschickt:

Europa befindet sich inmitten einer schweren Energiekrise, in der die Preise steigen. Frankreich baut seine Kernkraft aus, während Deutschland seine Kernkraftwerke stilllegt. Zeigt dies, dass es zwischen zwei der wichtigsten EU-Länder keine einheitliche Linie gibt, wenn es um Energiepolitik geht? Hat das Auswirkungen auf den Green Deal der EU und den Kampf gegen den Klimawandel insgesamt?

Wie sieht die Europaabgeordnete Véronique Trillet-Lenoir von Renew Europe, Emmanuel Macron’s Fraktion, das?

Natürlich ist der Green Deal nicht in Gefahr, aber der Krieg hat die Dinge in einer Weise verändert, die den ökologischen Übergang beschleunigen könnte. Wir müssen ein Gleichgewicht zwischen dem Energieproblem, dem ökologischen Ehrgeiz, dem Schutz unserer Industrie, unserer Landwirtschaft und dem Schutz der Gesundheit der Bürger finden. Dieses Gleichgewicht ist schwierig zu finden. Aber die Sanktionen, für die die extreme Rechte in Frankreich nicht gestimmt hat, könnten dazu beitragen, unsere ökologischen Ambitionen zu beschleunigen. Denn wir haben erkannt, was Emmanuel Macron schon seit Jahren sagt, nämlich dass wir bei der Energie auf tragische Weise von Osteuropa abhängig sind, ebenso wie bei der Wirtschaft von China und bei der Forschung von den USA. Dies ist also eine echte Chance für uns, mehr Europa und mehr Einigkeit zu schaffen. Dies könnte eine sehr gute Gelegenheit sein, und Emmanuel Macron wird diese Chance als Präsident des Rates und als Präsident Frankreichs natürlich nutzen.

Sieht die deutsche Europaabgeordnete Delara Burkhardt von der SPD das auch so`?

Was wir in Deutschland gesehen haben, auch mit der neuen Regierung, ist, dass Deutschland sich darauf konzentriert, von jeder Art von fossilen Brennstoffen und Atomkraft unabhängig zu werden. Und das ist der Weg, den wir als Deutsche gehen wollen. Ich bedauere immer, dass Frankreich mit all seinen Möglichkeiten – im Süden mit der Sonne und in den maritimen Gebieten – dieses Energiepotenzial nicht nutzt. Denn es ist riesig und es ist das Unabhängigste, was wir als Europäer bekommen können. Ich denke, dass dies dem europäischen Green Deal Auftrieb geben kann, denn wir haben gesehen, wie verletzlich uns die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und von der Kernenergie macht. Zum Beispiel kommt ein Fünftel der Uranimporte aus Russland. Wir sind also auch bei der Atomkraft von Uran abhängig. Echte Unabhängigkeit liegt bei den erneuerbaren Energien, und darauf setzt die Bundesregierung ihren Fokus. Und der Green Deal kann ein guter Weg sein, um Investitionen in erneuerbare Energien in ganz Europa zu beschleunigen.

Was bedeutet Macrons zweite Amtszeit für Europa?

Wird Marine Le Pen’s gutes Abschneiden andere Populisten und Nationalisten in Europa inspirieren? Wir es jetzt eine europäische Armee geben? Wie wird die zukünftige Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich aussehen?

Foto: Philippe BUISSIN/European Union 2022 – Source : EP. Portraits: Mathieu CUGNOT © European Union 2019 – Source : EP; Philippe BUISSIN © European Union 2021 – Source : EP; Alain ROLLAND Copyright: © European Union 2021 – Source : EP
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5 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst Du?

  1. avatar
    Klaus

    Es wird interessant werden.
    Ein stärker integriertes Europa, freiere Märkte und mehr Wettbewerb zwischen den Nationen.
    Viel Glück, Macron.

  2. avatar
    Outer

    Europa sollte noch mehr intergriert werden!

  3. avatar
    Diana

    Die EU will von niemandem abhängig sein. Aber sie ist militärisch von Amerika, wirtschaftlich von Osteuropa und China abhängig. Egal, wie lange man diskutiert, es wird sich nichts ändern. Verhandeln, handeln, kaufen und verkaufen. Der andere Weg ist Krieg, aber dieser Weg ist eine Herausforderung für die Existenz…

  4. avatar
    Hermann

    Seine zweite Amtszeit wird Frankreich zerstören.

  5. avatar
    Klaus

    Tolles Panel, vielen Dank. Das ist interessant: verschiedene MdEP-Fraktionsmitglieder von links bis rechts und Vertreter verschiedener EU-Länder! Hoffentlich mehr davon zu anderen Themen wie den französischen Parlamentswahlen, den schwedischen Wahlen und so weiter

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