Der ESA Astronaut Alexander Gerst auf der ISS.

Raumfahrt ist wieder in

Fünfzig Jahre nach der ersten bemannten Mondmission fiebern die Menschen wieder begeistert mit, wenn Astronauten ihre Reise zur internationalen Raumstation ISS antreten. In den 1950er und 1960er Jahren war die Raumfahrt von dem Wettkampf zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion geprägt. Heute gibt es noch mehr Interessenten: Neben den USA und Russland, China, Indien, Israel, und sogar privaten Firmen wie SpaceX und Blue Origin. Welche Rolle sollte Europa in dieser Schar von Weltraum-Akteuren spielen?

Koordinierte europäische Raumfahrt

Viele europäische Länder haben ihre eigenen Raumfahrtaktivitäten, die jedoch nicht mit den Budgets der NASA oder der sowjetischen Raumfahrt mithalten konnten. Deswegen wurde 1975 die Europäische Weltraumorganisation (ESA) gegründet, die die europäischen Raumfahrtaktivitäten koordiniert. Ihre Mission ist es, „zu ausschließlich friedlichen Zwecken die Zusammenarbeit zwischen den europäischen Staaten auf dem Gebiet der Weltraumforschung und -technologie und ihrer Anwendungen im Weltraum vorzusehen und zu fördern, damit diese für wissenschaftliche Zwecke und für betriebliche Weltraumanwendungssysteme genutzt werden können.“ Wie erfolgreich ist die ESA bei der Erfüllung dieses Ziels?

Was denken unsere Leserinnen und Leser?

Ihr habt uns Fragen und Kommentare geschickt, die wir bei einer Veranstaltung unserer Schwester-Denkfabrik Friends of Europe an zwei Weltraum-Expert:innen weitergeleitet haben: Eric Morel de Westgaver ist Direktor für europäische, rechtliche und internationale Angelegenheiten bei der Europäischen Raumfahrtorganisation. Anna Rathman ist die Leiterin der Schwedischen Weltraumagentur.

Zunächst hat uns unser Leser Marcel diesen Kommentar geschickt:

Weltraumforschung die dem Menschen dient ist immer gut. Deswegen begrüße ich die Forschung von Privatpersonen die eben nicht Krieg und Rüstung im Kopf haben sondern eben für den Menschen.

Sollten mehr Europäer in die Raumfahrt investieren? Das haben wir Eric Morel de Westgaver gefragt:

Das ist genau das, was wir vorschlagen. In dieser Frage gibt es zwei Aspekte. Natürlich muss man mehr investieren, aber man muss auch auf die bestmögliche Art und Weise investieren. Ich denke, es ist extrem wichtig, dass Raumfahrtinvestitionen den größtmöglichen Nutzen für die Bürgerinnen und Bürger bringen. Das ist genau die Idee hinter dem, was wir im Bereich der Methodologie tun, was wir im Bereich der Erdbeobachtung mit Copernicus tun, was wir mit Galileo tun, indem wir allen europäischen Bürgerinnen und Bürgern Navigationsdienste anbieten. Das ist also für mich extrem wichtig.

Sie haben im Sommer gesehen, wie viele Krisen durch extreme Wetterbedingungen ausgelöst wurden. Sie haben Waldbrände, Überschwemmungen in Belgien, Deutschland und anderen Ländern gesehen. Das war im Sommer extrem sichtbar, es war jeden Tag in den Nachrichten. Wir sind davon überzeugt, dass Weltraumforschung dazu beitragen kann, diejenigen vor Ort besser zu unterstützen, indem wir erstens versuchen, diese extremen Ereignisse besser vorherzusagen, und zweitens, sie besser zu überwachen und eine gute Vorstellung von den tatsächlichen Auswirkungen zu haben, um Leben zu retten und eine weitere negative Entwicklung zu vermeiden.

Ich denke also, dass der Weltraum für mich heute näher an den Bürgern ist, als er es früher war, und das wird auch so bleiben. Wir können sicherstellen, dass im Falle einer Zerstörung der Bodeninfrastruktur die Weltrauminfrastruktur sofort einspringen und den Bürgern helfen kann. All diese Initiativen haben meiner Meinung nach ein Ziel, nämlich den Bürgerinnen und Bürgern besser zu dienen.

Unserer Leserin Serina ist vor allem eins wichtig:

Wichtig ist, das man sich auf die Grundlagen eines einst geschlossenen Vertrags (zum Thema Weltraum) zurückbesinnt. Und ihn ohne wenn und aber einhält!

Ist das zurzeit der Fall? Das haben wir Eric Morel de Westgaver gefragt:

Ich denke, das ist eine wichtige Frage. Ich denke, dass Regulierungsbemühungen sicherlich in Europa durchgeführt werden sollten, aber man kann das nicht isoliert tun. deshalb gibt es die Vereinten Nationen. Bei den Debatten in den Vereinten Nationen ist es wichtig, dass Europa mit einer Stimme spricht, um sicherzustellen, dass wir eine wirklich geregelte Nutzung des Orbits haben, denn am Ende ist der Orbit ein gemeinsames Mittel für die Menschheit und wir müssen ihn für alle Generationen, aber auch für zukünftige Generationen erhalten. Und da sind Regulierungsbemühungen wirklich wichtig, und das muss im internationalen Rahmen geschehen.

Unser Leser Chrisfragt sich, was wir durch eine Mondmission gewinnen würden. Könnte es zum Beispiel natürliche Ressourcen auf dem Mond geben, die es auf der Erde nicht gibt?

Wir fragten Anna Rathman, die Leiterin der Schwedischen Weltraumagentur. Ihr könnt Ihre Initiative unterstützen, ein Legoset der Mercury 13 produzieren zu lassen, in Erinnerung an die 13 Frauen, die in den 60ern alle Tests der NASA bestanden hatten, dann aber nie ins Weltall durften.

Eines der schwierigsten Herausforderungen an einer Mondmission ist, wie man mit seinen Ressourcen haushalten kann. Alles ist begrenzt, man braucht Wasser, Wärme und Sauerstoff, um zu überleben. Das zwingt uns dazu, sehr effizient mit Ressourcen umzugehen. Angesichts der Probleme auf der Erde, können wir daher eine Menge von Weltraummissionen lernen. Sicher gibt es auch interessante Ressourcen auf dem Mond. Aber eigentlich geht es um einen Menschheitstraum. Wenn wir unseren Planeten verlassen wollen, wenn wir zu anderen Planeten wollen, ist der Mond der erste Schritt dorthin. Es werden vielleicht nicht viele Menschen auf dem Mond oder Mars leben, aber auf solchen Missionen sind wir gezwungen, sehr viel zu lernen und Herausforderungen zu meistern, das ist eine gute Sache.

Was sollte Europas Rolle im Weltraum sein?

Sollten mehr Europäer in die Raumfahrt investieren? Halten sich die internationalen Akteure an den Weltraum-Vertrag? Schreib uns einen Kommentar und wir leiten ihn an Politiker:innen und Expert:innen weiter!

Foto: NASA. Portrait: ESA-Stephane Corvaja

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