Verschwörungstheorien haben Konjunktur

Immer wieder warnen Demokratie-Experten vor der Verbreitung von Verschwörungstheorien. Wie kommt das? Und ist diese Warnung gerechtfertigt? Hier lohnt es sich, den manchmal kritisierten Begriff „Verschwörungstheorie“ noch mal genauer anzuschauen. Von einer Verschwörung spricht man, wenn sich eine meist kleine Gruppe Menschen zusammenschließt, um im Geheimen und auf oft illegale Weise ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Einige Theorien über solche Verschwörungen, wie zum Beispiel die Watergate-Affäre oder Edward Snowdens Anschuldigungen im NSA-Skandal, entpuppten sich am Ende als wahr und führten zur Aufdeckung von Missständen und Machtmissbräuchen in demokratischen Gesellschaften. Sind Verschwörungstheorien dann also nicht doch gut für die Demokratie?

Nicht alle Verschwörungstheorien sind wirklich „Theorien“

Gerade während der Coronakrise kursierten viele „Theorien“, die einer bestimmten Person oder Gruppe wie z.B. Bill Gates oder den 5G-Entwicklern vorwarfen, die Pandemie fabriziert zu haben. Diese Thesen haben Virologinnen und Experten immer wieder widerlegt. Genau deshalb wird der Begriff „Verschwörungstheorie manchmal kritisiert, denn er suggeriert fälschlicherweise, dass diese Behauptungen eine theoretische Grundlage haben, die wissenschaftlichen Standards entspricht (stattdessen schlagen Kritiker die Begriffe Verschwörungsideologie oder Verschwörungsmythos vor). Was denkst du, schaden solche Verschwörungstheorien, – ideologien oder -mythen der Demokratie?

Was denken unsere Leserinnen und Leser?

Ihr habt uns Fragen und Kommentare geschickt, die wir an zwei ausgewiesene Expert:innen weitergeleitet haben: Prof. Dr. Michael Butter ist Experte für Verschwörungstheorien und Inhaber des Lehrstuhls für amerikanische Literatur und Kulturgeschichte an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Autor von “Nichts ist, wie es scheint”: Über Verschwörungstheorien.

Saba-Nur Cheema ist Politikwissenschaftlerin und pädagogische Leiterin der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main. Sie lehrt an der Frankfurt University of Applied Sciences, wo sich ihre Forschung auf Antisemitismus, Rassismus und Islamophobie konzentriert. Im Zuge ihrer Tätigkeiten befasst sie sich auch immer wieder damit, wie Verschwörungstheorien im Unterricht behandelt werden sollten. Ihre Antworten könnt ihr im Video oben sehen!

Leserin Kim sieht Verschwörungstheorien als Symptom einer schwächelnden Demokratie. Sie schreibt:

In Demokratien gibt es keine Notwendigkeit, sich in Theorien hineinzusteigern, da dort über diese diskutiert wird und Argumente ausgetauscht werden. Insofern sind “Verschwörungstheorien” immer das Ergebnis mangelnder Demokratie.

Hat Kim mit ihrer Einschätzung recht? Was müssen wir ändern, damit Verschwörungstheorien weniger Anklang finden? Wie sehen Prof. Dr. Michael Butter und Saba-Nur Cheema das? Ihre Antworten könnt Ihr im Video oben sehen!

Für Chris hat besonders die Corona-Pandemie gezeigt, wie gefährlich Vercshwörungstheorien sein können:

Wie gefährlich Fake News sein können, haben z. B. die wöchentlichen Demonstrationen in den vergangenen Wochen deutlich gemacht. Durch gezielte Missinformationen werden selbst Personen, die es eigentlich besser wissen müssten, in die Fänge der gefährlichen Corona-Leugner getrieben.

Hat Chris Recht? Wie gefährlich sind Verschwörungstheorien wirklich? Wir haben bei Prof. Dr. Michael Butter und Saba-Nur Cheema nachgefragt. Ihre Antworten könnt Ihr im Video oben sehen!

Als letztes schreibt unser Leser Simon:

Die Leute auch noch antisemitische Verschwörungstheorien über Social Media reingedrückt, sodass der Antisemitismus ist in der Tat wieder salonfähig geworden ist. Ich könnte kotzen.

Welche Rolle spielen Verschwörungstheorien dabei, Antisemitismus wieder salonfähig zu machen? Die Antworten von Prof. Dr. Michael Butter und Saba-Nur Cheema findet Ihr im Video!

Welchen Einfluss haben Verschwörungstheorien wirklich?

Können Verschwörungstheorien dabei helfen, Machtmissbräuche in einer Demokratie auzudecken? Oder schaden Verschwörungstheorien mit der Verbreitung von bereits widerlegten Behauptungen der Demokratie? Schreib uns einen Kommentar und wir leiten ihn an Politiker:innen und Expert:innen weiter!

Foto: Firn on Bigstock

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3 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst Du?

  1. avatar
    EDE Amiko

    Es gibt tatsächlich ein Gefühl der Machtlosigkeit, wenn schwer erklärbare Dinge geschehen. Leerstellen im Wissen wollen gefüllt werden. Doch ist es auch schwer, immer die passende Diskussionsform zu finden. Zum Teil muß man mit Fragezeichen leben.

  2. avatar
    Kim

    Nein. Was der Demokratie schadet, ist, Kritik an Lobbyismus, einer Zunahme an faschistischen Praktiken in Politik und Wirtschaft (Public Private partnerships und co) als „Verschwörungstheorie“ zu bezeichnen. Aber: der Begriff ist mittlerweile als Kampfbegriff der Oberklasse gegen die Arbeitnehmer so abgelutscht, dass sich das mittlerweile ins Gegenteil dreht. Wer damit Kritik verunmöglichen will, Zensur befürwortet, etc. wird immer sichtbarer: Es ist eine von innen verrottete, moralisierende heuchelei-gesättigte, vollgefressene, Schicht, die damit die Solidarität der arbeitenden Menschen verhindern will, um sich „die da unten“ vom Leib halten zu können. Das funktioniert aber immer schlechter, da die Methode immer deutlicher wird.

  3. avatar
    EDE Amiko

    Problem ist, daß Verschwörungen immer geheim ablaufen und sonst niemand diese Wahrheit kennt. Man muß sich mit Verdächtigungen sehr zurückhalten.

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