Der Winter ist hier…

… und mit ihm enorm gestiegene Energiepreise, wegen denen Europa offenbar vor einem „Energiefreakout“ steht. Die meisten EU-Mitgliedstaaten haben bereits eine Reihe von Notfallmaßnahmen ergriffen, um die Haushalte vor höheren Energiepreisen zu schützen, darunter Subventionen und Steuersenkungen. Die EU schätzt, dass auf diese Weise bereits 3,4 Milliarden Euro ausgegeben wurden, um die Verbraucher vor Preisschocks zu schützen. Dennoch machen sich die EU-Minister angesichts des Winters in Europa große Sorgen um die Energieversorgung.

Was denken unsere Leserinnen und Leser?

Unsere Leserin Zita möchte wissen, ob sich höhere Energiepreise auf den Green Deal der Europäischen Union auswirken werden. Für eine andere Frage haben wir Zitas Kommentar an Adel El Gammal, Generalsekretär von EERA – Clean Energy Transition und eingeladener Professor an der Freien Universität Brüssel zum Thema Geopolitik der Energie, einige Ihrer Kommentare zu diesem Thema vorgelegt. Was würde er Zita anworten?

Vielen Dank für die Frage. Ich denke, es ist zunächst wichtig zu verstehen, dass die höheren Energiepreise keineswegs eine Folge der Energiewende sind, sondern im Gegenteil ein deutlicher Hinweis darauf, dass wir die Energiewende beschleunigen sollten. Der Preisanstieg für fossile Brennstoffe ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen. Das sind einerseits Faktoren von Angebot und Nachfrage, die mit dem Markt verbunden sind, besonders verbunden mit dem starken wirtschaftlichen Aufschwung nach der Krise und insbesondere des Anstiegs der Industrietätigkeit in China, aber auch allgemein in Asien. Dazu kommen geringe Lagerbestände an fossilen Brennstoffen und die begrenzte Fähigkeit, das Angebot entsprechend zu erhöhen, weil in den letzten Jahren nicht ausreichend in den Sektor investiert wurde. Damit besteht jetzt eine sehr starke Nachfrage bei begrenztem Angebot, sodass die Preise steigen.

Wir alle wissen, dass Europa den Übergang zu sauberer Energien vollzieht und den Einsatz erneuerbarer Energien beschleunigt. Aber wir sind immer noch zu 70% auf fossile Brennstoffe angewiesen, von denen die meisten von außerhalb der EU importiert werden. 50% des europäischen Gases werden aus Russland importiert. Und wir wissen – das ist der andere Aspekt – dass der Preis für den Verbraucher nicht gleich der Preis des Produktes ist, sondern geopolitische Fragen eine Rolle spielen – die Schwierigkeiten und die Beziehungen zwischen Europa und Russland. Daher verfügt Russland über einen starken Hebel gegenüber Europa, indem es die Gasversorgung verknappt.

Im Grunde hat dies gezeigt, dass der „Green Deal“ der EU mehr denn je Priorität hat und der einzige Weg, Energiepreisrekorde in der Zukunft zu vermeiden, genau darin besteht, die Umsetzung dieses „Green Deals“ der EU zu beschleunigen. Dies wird dazu führen, dass wir eine lokale saubere Energieproduktion haben und natürlich die Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen verringern. Das bedeutet, dass Europa in der Zwischenzeit eine Reihe von Maßnahmen ergreifen sollte, um, sagen wir mal, diese Höchstpreise in Zukunft zu vermeiden. Das bedeutet auch, dass wir wahrscheinlich mehr verschiedene Lieferanten bekommen – also die Versorgung diversifizieren – und versuchen, den Verbrauch fossiler Brennstoffe so weit wie möglich zu reduzieren. Aber es müssen auch gezielte Maßnahmen ergriffen werden, um die schwächsten Haushalte und Unternehmen zu schützen.

Einen weiteren Kommentar erhielten wir von Roberta, die sich fragt, wie Europa Vermieter davon überzeugen könnte, in Sonnenkollektoren auf Mietobjekten zu investieren. Für eine Antwort auf diese Frage haben wir Anna Martin, Referentin für Energiepolitik beim Europäischen Verbraucherverband BEUC, gefragt.

Das ist eine sehr relevante Frage. Ich kann das sehr gut nachempfinden, denn ich bin auch Mieterin und habe genau das gleiche Problem. Als Mieter würde man sich gerne an der Energiewende beteiligen, kann das aber nicht, weil der Vermieter einfach entscheidet, dass er keinen Nutzen davon hat, wenn er eine Solaranlage auf dem Dach anbringt oder den Gasheizkessel gegen eine Wärmepumpe austauscht. Das ist also ein Problem, das viele Verbraucher in Europa haben. Was wir gerne tun würden, ist, Anreize für beide Seiten zu schaffen. Was können wir also mit der Gesetzgebung tun, um sicherzustellen, dass sowohl der Vermieter als auch der Verbraucher davon profitieren? Unsere Mitglieder in Deutschland sind der Meinung, dass, wenn es zum Beispiel einen CO²-Preis gibt, sowohl der Vermieter als auch der Mieter einen Teil davon zahlen sollten, um sicherzustellen, dass beide einen Anreiz haben, umzusteigen.

Wie sollte Europa auf steigende Energiepreise reagieren?

Werden sich höhere Energiepreise auf den Green Deal der Europäischen Union auswirken? Wie kann Europa Vermieter davon überzeugen, in Solarzellen auf Mietobjekten zu investieren? Was passiert, wenn China beschließt, die seltenen Metalle, die für die Herstellung von Solarzellen benötigt werden, nicht zu exportieren? Schreib uns einen Kommentar und wir leiten ihn an Politiker:innen und Expert:innen weiter!

IMAGE CREDITS: Photo by KWON JUNHO on Unsplash


2 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst Du?

  1. avatar
    Lodi

    Nordstream 2 in Gebrauch nehmen und langfristige Verträge abschließen statt auf dem spotmarkt kaufen

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