Die Weltbevölkerung wächst exponentiell.

Ein Planet und zig Milliarden Menschen?

Noch nie zuvor gab es auf der Erde so viele Menschen wie zurzeit – und die Weltbevölkerung wächst weiterhin. Wenn man sich Graphen zur Entwicklung der Weltbevölkerung anschaut, dann sieht man, dass die Weltbevölkerung exponentiell wächst: im Jahr 1800 lebten eine Milliarde Menschen auf unserem Planeten, dann dauerte es ganze 127 Jahre bis sich die Beölkerung verdoppelte. Doch seitdem erfolgte die Verdopplung in immer kürzeren Intervallen und mittlerweile leben fast 8 Milliarden Menschen auf unserem Planeten; Experten schätzen, dass es im Jahr 2100 zwischen 10 und 12 Milliarden sein werden. Kann dieses massive Wachstum ewig so weiter gehen?

Wie ernähren wir 12 Milliarden Menschen?

Unsere steil wachsende Weltbevölkerung stellt uns vor Probleme, denn 8 Milliarden Menschen (oder noch mehr) verbrauchen eine ganze Menge Ressourcen. Schon heute leiden Menschen in einigen Teilen der Welt unter bitterem Hunger. Ist das ein Problem eine ungerechte Verteilung oder werden unsere Ressourcen knapp? Schon heute ist unser Konsum von Ressourcen problematisch: Wir brauchen nicht-erneuerbare Rohstoffe mit beunruhigender Geschwindigkeit auf, die Verbrennung fossiler Brennstoffe führt zum Klimawandel und überall auf der Welt stapeln sich Mülldeponien gen Himmel.

Dabei ist es wichtig zu beachten, dass ärmere Länder im Globalen Süden deutlich weniger zu diesen Entwicklungen beitragen als die Industriestaaten: Wenn alle Menschen auf der Welt so viel verbrauchen würden wie Europäer:innen, dann bräuchten wir 2,8 Planeten; wenn wir alle so leben würden wie Amerikaner bräuchten wir fast 5 Planeten. Wie sollten wir mit dieser Situation umgehen? Wie viele Menschen kann die Erde ertragen?

Was denken unsere Leserinnen und Leser?

Unser Leser Boris glaubt, dass unser Planet eine Weltbevölkerung von mehr als 7 Milliarden Menschen einfach nicht ertragen kann. Stimmt das? Wie viele Menschen kann die Erde ertragen?

Wir haben Boris Frage an den Experten für Bevölkerungsforschung Dr Joel Cohen weitergeleitet. Er ist Professor of Earth and Environmental Sciences an der Columbia University und untersucht in seinem Buch “How Many People Can the Earth Support?“ welche Faktoren die Kapazität der Erde beeinflussen, Menschen zu tragen. Also was denkt er, wie viele Menschen kann die Erde ertragen?

Niemand weiß das. Ich habe ein Buch von 550 Seiten geschrieben mit dem Titel „Wie viele Menschen kann die Erde tragen?“. Ich habe Schätzungen überprüft, die von weniger als 1 Milliarde bis zu mehr als einer Billion, also 1000 Milliarden Menschen, reichen. Der Grund, warum die Menschen so unterschiedliche Antworten erhalten haben, liegt darin, dass die Menschen unterschiedliche Annahmen darüber treffen, wie Menschen leben. Nagen sie am Hungertuch, leben sie in Armut oder in großem Reichtum, und welche Mittel haben sie, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten? Werden wir pferdegezogene Pflüge haben oder werden wir Traktoren haben? Werden wir Solarenergie oder Energie aus fossilen Brennstoffen haben? Werden wir unsere Konflikte lösen, indem wir uns gegenseitig umbringen, oder werden wir unsere Konflikte durch Diplomatie, Mediation und friedliche Mittel lösen? All diese Fragen und viele mehr müssen beantwortet werden und werden in der Regel vorausgesetzt, bevor eine Zahl genannt wird. Deshalb kann ich Ihre Frage nicht beantworten. Es tut mir sehr leid, aber wenn Ihnen jemand sagt: „Ich weiß die Antwort“, dann denkt diese Person nicht tiefgründig.

Für eine weitere Perspektive haben wir Boris Frage auch Robin Maynard weitergeleitet. Mit seiner Organisation Population Matters setzt er sich ein für ethische und auf freiem Willen basierende Wege, um das Bevölkerungswachstum zu verlangsamen und zu stoppen. Was denkt er?

Das ist eine gute Frage, Boris. Es ist auch fantastisch zu hören, dass immer mehr junge Menschen diese Frage stellen. Denn es ist Eure Zukunft, auf die sich dieser Druck wirklich auswirken wird. Die Wahrheit ist, dass wir im Sinne einer fairen und gerechten Welt die Menschheit derzeit mit einer Bevölkerung von 7,8 Milliarden Menschen nicht gerecht ernähren können. In Europa leben wir sehr gut, aber wenn alle so leben wollten wie wir, bräuchten wir drei Erden. Und es gibt keine drei Erden. Sie haben also Recht, wenn Sie die Frage stellen: „Wie viele Menschen kann die Erde verkraften?“. Da gibt es eine ganze Reihe von Faktoren, aber wir von Population Matters möchten natürlich, dass die Bevölkerung auf eine kontrollierte, freie und zwanglose Art und Weise zurückgeht, was durchaus möglich ist. Denn das wird das Leben für zukünftige Generationen von Menschen besser machen, für die anderen Spezies, mit denen wir den Planeten teilen, und natürlich für unsere eine lebende Erde.

Unsere Leserin Tamzin macht sich Gedanken darüber, was mit den „Tonnen von Müll“ geschehen wird, den die Milliarden von Menschen produzieren. Könnte eine Kreislaufwirtschaft eine größere Bevölkerung unterstützen? Wie sieht Robin Maynard von Population Matters that?

Nun, Tamzin, wir sprechen bei Population Matters nicht nur über die menschliche Bevölkerung. Wir sprechen über Populationen von Sachen, also zum Beispiel Konsumverschwendung. Ich glaube, die Leute sind aufgewacht und haben die Verschwendung erkannt. Es ist nicht nur „aus den Augen, aus dem Sinn“, sondern wir müssen unbedingt zu einer Kreislaufwirtschaft kommen. Es wird eine Menge guter Arbeit geleistet. Als ich in deinem Alter war, Tamsin, haben die Leute überhaupt nicht recycelt, wir haben einfach alles weggeschmissen. Es ist ermutigend zu sehen, dass über Generationen hinweg Recycling nun etwas ist, das jeder macht, aber wir haben noch viel vor uns.

Natürlich geht es nicht nur um den sichtbaren Abfall. Es sind die Schadstoffe in Form von Gasen, insbesondere Klimagase, sowie Pestizidrückstände in unseren Böden, die auch nach 50 Jahren noch vorhanden sind. Wir haben also einige echte Probleme, mit denen wir umgehen müssen, und ich kann nur hoffen, dass der technologische Teil der Gleichung es uns ermöglichen wird, dies zu bewältigen, aber wir müssen immer noch weniger Zeug verwenden. Ich denke, das ist das Schwierigste. Für uns im Westen, mit einem hohen Lebensstandard, müssen wir weniger verbrauchen und weniger verschwenden und anderen in den Entwicklungsländern erlauben, ein bisschen mehr zu verbrauchen, aber trotzdem weniger zu verschwenden, um die Dinge auszugleichen.

Was denkt der Bevölkerungsforscher Dr. Joel Cohen? Was muss mit unserem Abfall geschehen und kann eine Kreislaufwirtschaft die Situation verbessern?

Auf dieser Erde gibt es nichts, was man wegwerfen kann. Wir können nichts wegwerfen, außer unsere Zeit und unser Leben. Jeder physische Gegenstand ändert nur seine Form und Tamzin hat Recht, dass wir alles, was wir benutzen, als etwas betrachten müssen, das wir wiederverwenden werden. In jedem Atemzug, den Sie und ich atmen, sind Moleküle, die die römischen Kaiser geatmet haben. Sie können sich ausrechnen, dass in meinem Atem jetzt eine bestimmte Anzahl von Molekülen ist, die Julius Cäsar geatmet hat, weil in jedem Atemzug eine Menge Moleküle sind. Also ja, eine Kreislaufwirtschaft ist die Zukunft. Aber wir müssen diese Zukunft in einem größeren Zusammenhang sehen.

Um 1900 waren die Leute sehr besorgt, dass es in New York City kein Bevölkerungswachstum geben könnte, weil die Pferde so viel Mist produzieren würden, dass die Stadt knietief im Pferdemist stehen würde, wenn die Bevölkerung New Yorks weiter wächst und mehr Menschen mehr Pferde mitbringen. Das ist nicht passiert, weil sich etwas geändert hat. Der Transport wurde auf Autos umgestellt, die keinen Pferdemist produzieren. Stattdessen produzieren sie unsichtbaren Dung – Kohlendioxid – aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe, und jetzt stehen wir bis zum Hals in Kohlenstoff in unserer Atmosphäre aus Autos und anderen Quellen. Wir müssen lernen, dass es keinen Weg gibt, diesen Dung weg zu werfen.

Wir brauchen erneuerbare Energie und wiederverwertbare Materialien aller Art. Eine Kreislaufwirtschaft ist der Weg der Zukunft. Es wird eine Menge Erfindungsreichtum, harte Arbeit und eine Menge Visionen brauchen, um dorthin zu gelangen, denn wir sind nicht darauf trainiert worden, in Begriffen einer Kreislaufwirtschaft zu denken.

Wie viele Menschen kann die Erde ertragen?

Sind unsere Ressourcen zu knapp, um eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren? Kann eine Kreislaufwirtschaft zu einer bessere Ressourcennutzung führen? Müssen wir das Bevölkerungswachstum verlangsamen? Was denkt ihr? Schreibt uns!

Foto: Bigstock (c) Varavin88



10 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst du?

  1. avatar
    Hans

    Welchen Sinn machen 12 Milliarden Menschen, weniger wäre mehr.
    12 Milliarden Menschen benötigen Arbeit, wollen konsumieren etc. Unsere heutigen Slums sind bereits jetzt schon unregierbare Orte von Armut, Gewalt und Kriminalität.
    .
    12 Milliarden Menschen werden das Biotop Erde vollends ruinieren.
    Tachauch

  2. avatar
    Andreas

    genug, das Problem ist das 93% des gesamten Weltvermögens in den Händen einiger Weniger ist. Es gibt also mehr Geld als Dreck auf der Welt, es haben nur die falschen Leute. Platz ist mehr als genug da, wie gesagt, die Verteilung und die Gier einiger Weniger ist das Problem!!!

    • avatar
      EU Reform Proactive

      Wirklich?
      Eine Frage an alle Vermögens Verteiler und Gesellschaft Mechaniker:

      Dr Joel Cohen: „Deshalb kann ich Ihre Frage nicht beantworten. Es tut mir sehr leid, aber wenn Ihnen jemand sagt: „Ich weiß die Antwort“, dann denkt diese Person nicht tiefgründig.“

      Andreas hat die Antwort schlüsselfertig auf Lager!
      Braucht der gute Dr. Cohen Aufklärung von Andreas?

      Wie würde die Welt aussehen wenn von jetzt ab alle 7.8 Milliarden mit Andreas Weisheit ‚ertragreich‘ beschenkt würden?

  3. avatar
    Hans

    Mit steigender Bevölkerung wird das Biotop Erde, und das ist unser blauer Planet, an seine Grenzen kommen.
    Man schaue Slums in Afrika, Asien und Lateinamerika an die weltweit zunehmen werden.
    Weniger Menschen bedeutig weniger Ressourcen-Verbrauch.

  4. avatar
    Ha

    Es ist sinnlos, diese Frage zu stellen oder zu diskutieren. Es sei denn, wir sind bereit, moralisch nicht vertretbare Wege zu gehen. Darüber muss sich jeder klar sein, der das Thema anbringt.

  5. avatar
    Anne

    dafür gibt es Corona oder Impfung

  6. avatar
    Phillip

    das ist nicht wirklich die richtige Frage. Die Erde kann viel mehr aushalten als was wir ihr entgegenwerfen könnten. Im Gegensatz zum Krieg der Sterne werden wir es nicht schaffen, eine Raumstation zu entwickeln, die die Erde einfach mal so in ein Asteroidenfeld verwandelt. Die richtige Frage ist: Wie viele Menschen können in unserem Ökosystem dauerhaft leben?
    Mein Vater kann Nahrungstechnisch auf 400 Quadratmetern mehr Gemüse anpflanzen als meine Eltern verspeisen können. Kämen da noch ein paar Hühner und Schweine hinzu, die von den Abfällen des Gartens und dem Ungeziefer davon leben, wäre das mit relativ wenig mehr Raum verbunden und würde die beiden auch noch das ganze Jahr mit Eiern und Fleisch versorgen. Bislang hat das Wasser, das auf der Fläche des Gartens fällt, und was vom Dach des Geräteschuppens gesammelt wird, gereicht, um alles zu bewässern. Milch und Käse wären ganz nett, also fügen wir der Glechung noch ne Kuh oder ein paar Ziegen hinzu, aber die brauchen individuell bei einer artgerechten Haltung nochmal 400 quadratmeter. wir kommen dann mit dem Haus, dem Garten, dem Geräteschuppen und der Wiese für die Ziegen auf 1000 Quadratmeter für 2 Personen. Die Erde hat eine Landfläche von 149 Millionen Quadratkilometern. Ein Quadratkilometer könnte auf diese Art bewirtschaftet 1000 Menschen bewirten. Wenn wir 90% der Erde der Natur zurückgäben, könnten wir dennoch 14 Milliarden Menschen problemlos unterbringen (in dieser Rechnung bleiben noch 0.9 Millionen Quadratkilometer für nicht-agrarische Zwecke zur Verfügung, und die Möglichkeit, Hochhäuser zum Wohnen zu nutzen ist an dieser Stelle auch vernachlässigt)

  7. avatar
    Andreas

    es gibt Geld wie Dreck auf der Welt, es könnten alle und weitere Milliarden ohne Probleme ernährt werden, ohne das die Grundlage, der Planet leidet, würde es nicht so widerwärtige Menschen, Firmen und Konzerne geben die 95% des Weltvermögens horten und sich und ihr Vermögen auf Kosten der Armen vermehren. Das Problem ist das einfach die falschen Menschen das Geld haben. Es wird Zeit die alten Strukturen zu vernichten um ein menschliches und menschenwürdiges Dasein für alle zu schaffen. Dazu müssen nur wenige enteignet werden für das Wohl aller Menschen. Herr Zuckerberg ist einer davon.

  8. avatar
    Lela

    Da kommt corona gerade noch zur richtigen Zeit

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