In der EU werden jedes Jahr Millionen von lebenden Tieren exportiert

Die EU ist der weltweit größte Exporteur von lebenden Nutztieren

Im Jahr 2019 exportierte die EU rund 1,6 Milliarden lebende Hühner, Schweine, Schafe, Ziegen und Rinder. Der Großteil des Handels fand innerhalb der EU statt, doch rund 230 Millionen Tiere wurden an nicht EU-Länder exportiert – und das für viel Geld: 2019 betrug der Wert des Lebendtierexporthandels der EU mehr als 12 Milliarden Euros. Doch zu welchem Preis? Denn immer wieder kritisieren Tierschützer die Bedingungen unter denen die Tiere auf den Transporten leiden, wie z.B. Stress, Verletzungen, Hunger, Durst und Erschöpfung, die sogar zum Tod des Tieres führen. Diese Konditionen stehen im Widerspruch zu den eigentlich hohen Tierschutzstandards der EU, so der EU Kommissar für Landwirtschaft. Was sollte die EU gegen das Tierleiden unternehmen?

Sollte die EU den Export von lebenden Tieren verbieten?

Mit dieser Frage beschäftigt sich der Untersuchungsausschuss im Zusammenhang mit dem Schutz von Tieren beim Transport des Europäischen Parlaments. Das Thema hat durch die Coronapandemie noch einmal an Brisanz gewonnen, denn die engen und unhygienischen Zustände die beim Transport von lebenden Tieren können zum Nährboden für zoonotische Krankheiten werden. Das war auch einer der Gründe warum Großbritannien nach dem Brexit angekündigt hat, dass es den Export von bestimmten lebendigen Tieren aus England und Wales verbieten wird. Sollte auch die EU den Export von lebenden Tieren verbieten oder reichen strengere Regeln? Welche Auswirkungen könnte ein Verbot haben, würde es zu Engpässen in der Fleischversorgung führen?

Was denken unsere Leserinnen und Leser?

Unser User VG weist in einem Kommentar darauf hin, dass in der EU generell strenge Tierschutzauflagen gelten. Aber sind die Tierschutzregeln auch streng genug, wenn es um den Transport von lebenden Tieren geht?

Wir haben VGs Kommentar an Tilly Metz weitergeleitet. Sie ist eine luxemburgische Europaabgeordnete von der Fraktion der European Greens und die Vorsitzende des Untersuchungsausschusses im Zusammenhang mit dem Schutz von Tieren beim Transport. Wie sieht Tilly Metz das?

Das ist eine sehr gute Frage. Es gibt zwar einige strenge regeln zum tierschutz, aber die meisten davon sind veraltet: wenn ich mir die allgemeine richtlinie zum tierschutz anschaue, ist sie von 1998, also mehr als 20 Jahre alt, und sie ist oft nicht spezifisch genug. Wenn ich zum Beispiel an den Transport denke, dann wird oft nicht genau gesagt, wie viel Platz über den Köpfen ist, und das muss natürlich spezifisch für die Tiere sein. und einige Vorschriften fehlen einfach. Zum Beispiel haben wir nichts über den Transport von Fisch. also es wird eine Revision der Gesetzgebung zum Tierschutz bis 2023 geben. und was den Transport von Tieren angeht, da haben wir eine Verordnung von 2005 – also auch schon einige Jahre alt – aber sie wird nicht gut genug angewendet und es gab auch nicht genug Kontrollen, um das Wohlbefinden der Tiere wirklich sicherzustellen.

Wenn es um den Export von Tieren geht, gibt es oft ein Problem mit mangelnder Transparenz, besonders wenn die Tiere die EU-Grenzen verlassen haben. Und es ist sehr schwierig zu kontrollieren, zu wissen und zu überprüfen, ob die EU-Vorschriften wirklich umgesetzt werden, wenn die Tiere die EU-Grenzen überqueren. Aber der Europäische Gerichtshof hat klar gesagt, dass wir das Wohlergehen der Tiere bis zum Bestimmungsort garantieren müssen. Und da ist es sehr schwierig, das Wohlergehen der Tiere zu garantieren, wie sie geschlachtet werden und so weiter. Die große Frage ist also wirklich: Sollten wir den Transport von Tieren aus der EU erlauben, wenn wir das Wohlergehen der Tiere nicht wirklich garantieren können?

Pekka Pesonen weitergeleitet. Er ist der General Sekretär von COPA-COGECA, die die Interessen der europäischen Landwirtschaft in der EU vertritt. Wie sieht Pekka Pesonen das?

Lassen Sie es mich so formulieren. Zunächst einmal sprechen wir über die globalen Tierschutzregeln. Als europäische Agrarlobby haben wir uns für die Entwicklung dieser Tierschutzregeln im Allgemeinen eingesetzt. Aber wenn wir uns die Exportregeln anschauen, dann müssen wir auch über internationale Vereinbarungen sprechen und darüber, wie wir mit unseren Handelspartnern umgehen. Denn sie müssen respektiert werden. Wir haben keine rechtliche Möglichkeit, etwas zu diktieren. Wir sehen jedoch einige gute Trends in dem Sinne, dass zumindest einige der Tierschutzvorschriften der Europäischen Union von unseren Handelspartnern übernommen oder befolgt wurden, wir sehen also eine gute Entwicklung.

Aber wir können nie eine 100-prozentige Sicherheit in allen Bereichen haben, und das ist immer etwas, das wir respektieren müssen. Sie haben vielleicht in letzter Zeit eine Entwicklung gesehen, die völlig außerhalb unserer Hände liegt. Und, zumindest einigen Berichten zufolge gab es einige Transporte von lebenden Tieren, ich weiß nicht, in welchem Umfang, wie viele Tiere, aber wie stellt man dann sicher, dass auch Tiere unter solchen Bedingungen gut gefüttert und versorgt werden, damit sie gesund bleiben. das ist eine Herausforderung, und dann müssen wir uns natürlich damit auseinandersetzen.

Unser Leser Marcel glaubt, dass die Leute bewusster mit dem Fleisch umgehen würden, das sie kaufen, wenn sie besser über die Bedingungen informiert wären, unter denen Nutztiere leben. Könnten Informationen über Transportbedingungen in Tierschutz-Labels Verbrauchern bei ihren Entscheidungen helfen? Was denkt General Sekretär von COPA-COGECA, Pekka Pesonen, darüber?

Die deutsche Präsidentschaft hat letztes Jahr ein europaweites Label für Tierschutzstandards vorgeschlagen. Es ist noch nicht sehr konkret, aber auch wir arbeiten daran. Wir müssen uns fragen: Welche Rolle spielt der Tiertransport während des Lebens eines Tieres? Zeitlich gesehen ist es natürlich ein sehr kurzer Zeitraum und meist gegen Ende des Lebens des Tieres. Normalerweise ist das Be- und Entladen beim Transport der stressigste Teil für das Tier. Wir unterstützen die Entwicklung moderner Geräte, wie z.B. LKWs, die den tierartspezifischen Bedürfnissen entsprechen müssen. Wie das genau gemacht wird, hängt von der jeweiligen Tierart ab, denn ich würde sagen, dass der Schwerpunkt für den Export von lebenden Tieren auf der Rindern und Schafen liegt, meist für Fleischzwecke.

Aber in jedem Fall müssen wir Tiere innerhalb der EU-Grenzen transportieren, und dann haben wir Lösungen initiiert, die den Erwartungen der Verbraucher und der Bürger entsprechen. Zum Beispiel gibt es einen Bedarf an lokalen Produkten, kürzeren Lieferketten, sogar an lokalen mobilen Schlachthöfen, um diese zu erleichtern. wir unterstützen diese sicherlich. Aber die Realität sieht in vielen Fällen so aus, dass die Verbraucher vielleicht fortschrittlich sind, wenn es um Tierschutzstandards geht, aber wenn es um die Kosten geht, neigen viele Verbraucher dazu, sich für die billigere Option zu entscheiden. Die Realität des Marktes ist also auch sehr klar, aber wir möchten natürlich alle Sektoren in der Nutztierproduktion so gut wie möglich bedienen.

Gut ernährte, gesunde Tiere unter guten Haltungsbedingungen zu haben, ist für uns das oberste Ziel in ganz Europa. Aber dann ist es auch die Tatsache, dass die meisten Nutztiere für die menschliche Ernährung da sind. Sie sind eine wertvolle Ergänzung zu unserer Ernährung. Und es liegt in unserem Interesse, sicherzustellen, dass wir diese natürliche Ressource effizient nutzen, aber dann müssen wir das unter Berücksichtigung des Tierschutzes und der Tiergesundheit tun.

Gediminas glaubt, dass ein EU-weites Verbot bestimmter Praktiken in der Lebensmittelindustrie unbeabsichtigte Folgen haben kann. Könnte ein Verbot des Exports von lebenden Tieren auch negative Folgen haben? Wie sieht die Europaabgeordnete Tilly Metz das?

Das ist eine sehr gute Frage, denn wir müssen das Thema ganzheitlich angehen. ich denke, viele Menschen wollen das Tierleid reduzieren, wollen eine Veränderung, aber natürlich sind diese langen Tiertransporte und auch der Export aus der EU nur ein Symptom unserer gesamten lebensmittelversorgungskette, denke ich. wir produzieren zu viele tierische Produkte und einige Menschen sind tatsächlich von den Exporten abhängig. Deshalb ziehe ich es wirklich vor, nicht von einem Verbot zu sprechen, das von einem Tag auf den anderen passieren würde, sondern eher von einem Ausstieg, denn wir müssen Alternativen entwickeln, vor allem für diejenigen, die vom Export leben. Und auf der anderen Seite auch die Alternative zu entwickeln, Fleisch und Kadaver statt lebender Tiere zu transportieren. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass viele Menschen diesen langen Transport und all das Leid nicht wollen, und wenn Europa eine treibende Kraft für Veränderungen sein will, müssen wir darüber nachdenken, den Export von lebenden Tieren außerhalb der EU auslaufen zu lassen.

Sollte die EU den Export von lebenden Tieren verbieten?

Braucht die EU strengere Tierschutzgesetze bezüglich des Transports von lebenden Tieren? Könnte ein Verbot von Exporten auch negative Folgen haben? Was denkt ihr? Schreibt uns!

Foto: Bigstock (c) benshots



2 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst du?

  1. avatar
    Paul

    Zumindest den Massentransport. Sein Reitkrokodil sollte man doch noch bewegen können…
    Letzteres und NUR Letzteres war’n joke, ’n flacher!

  2. avatar
    Sandra

    Definitiv! Die armen Tiere leiden bei dem Transport total. Natürlich sollten wir am besten ganz aufhören Tiere zu essen (dann wäre das ganze nämlich überhaupt kein Thema mehr), aber bis das wirklich passiert müssen wir wenigstens die Bedingungen für Tiere verbessern

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