Junge Menschen sind besonders von den wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise betroffen

Welche Lehren können wir heute aus der Finanzkrise von 2008 ziehen?

Im Zuge der Finanzkrise von 2008 stieg die Jugendarbeitslosigkeit in der gesamten EU stark an, insbesondere in Südeuropa. In Griechenland und Spanien erreichte die Arbeitslosenquote unter jungen Menschen zeitweise über 50% und liegt auch heute noch über 30%.

„Verlorene“ Generation Corona?

Experten erwarten, dass die Auswirkungen der Coronakrise auf die europäische Wirtschaft weitreichender und tief greifender sein werden als viele andere Krise in den Jahrzehnten davor. Wie können die EU und nationale Regierungen einen Kollaps des Arbeitsmarktes verhindern? Sind die derzeitigen Maßnahmen wie staatliche Subventionen und Kurzarbeit nachhaltig, wenn sich die Krise noch lange hinzieht?

Junge Menschen, die jetzt in den Arbeitsmarkt eintreten, sind besonders verwundbar und laufen Gefahr, eine weitere „verlorene Generation“ zu werden, die zwischen Ausbildung, Praktika und Arbeitslosigkeit festsitzt. Was kann man tun, um eine solche Katastrophe zu verhindern? Könnte die COVID-19-Pandemie zu einer Gelegenheit werden, den Arbeitsmarkt und den Wohlfahrtsstaat in Europa neu zu überdenken?

Was denken unsere Leserinnen und Leser?

Wir haben Euch dazu eingeladen, mit Antoine Kasel zu besprechen. Er ist der Leiter des Kabinetts von EU Kommissar für Beschäftigung und soziale Rechte, Nicolas Schmit. Hier geht es zur gesamten Debatte auf Englisch, unten haben wir für Euch die Highlights auf Deutsch zusammengefasst.

Unsere Leserin Lovepreet fragt: Was kann Europa gegen Jugendarbeitslosigkeit tun, besonders in den Ländern, die schon stark unter der Finanzkrise 2008 gelitten haben? Wie kann Europa diesen Ländern helfen?

Diese Krise, die wir auf der ganzen Welt erleben, ist eine ganz andere Krise als die vorherige, aber auch sie hat starke wirtschaftliche und soziale Folgen. Die Krise im Jahr 2008/2010 war eine Staatsschuldenkrise und eine Finanzkrise, und in der Tat wurden einige Länder härter getroffen als andere. Das Rezept, das damals verwendet wurde, kann jetzt bewertet werden, und ich denke, wir haben aus den verschiedenen Zutaten, die wir damals verwendet haben, viel gelernt. Die Art und Weise, wie die EU diesmal auf die Covid-Pandemie reagiert hat, bestand darin, nicht die gleichen Fehler zu wiederholen. Nach Ausbruch der Pandemie haben wir den Mitgliedsstaaten sehr schnell viel Flexibilität bei der Bekämpfung der Pandemie gegeben, um zu vermeiden, zu den Sparmaßnahmen der Vergangenheit zurückzukehren. Das bedeutet nicht, dass die Situation einfach handzuhaben sein wird – die Folgen werden sehr stark sein. Aber es gab eine zweite sehr starke, kollektive Maßnahme, die wir ergriffen haben. Die EU hat innerhalb kürzester Zeit das Instrument für temporäre Unterstützung  „SURE“ geschaffen, finanziert und umgesetzt. Es unterstützt Teilzeit- und Kurzarbeitsregelungen, und das war für uns äußerst wichtig, dass diese Art von Instrumenten überall eingesetzt werden, denn so behalten die Menschen ihren Arbeitsplatz. Nun können solche Regelungen natürlich nicht ewig so weitergehen, aber wir denken bereits an diese Generation. Ich glaube nicht, dass es eine verlorene Generation geben wird, und wir arbeiten daran, dies zu vermeiden. Was wir jetzt tun müssen, wie die Kommission und Regierungschefs planen, ist, eine starke Erholung vorzubereiten. Wir können hoffen, dass die Impfstoffe bis zum Frühjahr 2021 in ausreichendem Maße eingesetzt werden, sodass wir wieder zu einer normaleren Situation übergehen können. Aber machen wir uns auch nichts vor, wenn die Arbeitsvereinbarungen aufgehoben werden, werden einige Unternehmen nicht überleben. Deshalb müssen wir jetzt ganz klar an die nächsten Monate denken, um die Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen zu fördern und den Unternehmen bei der Reaktivierung ihrer Tätigkeit zu helfen. Abschließend möchte ich Ihnen eine Botschaft der Hoffnung senden: Wir arbeiten wirklich hart, um wirklich zu helfen und zu koordinieren. In dieser Situation haben mehr und mehr Mitgliedstaaten den zusätzlichen Vorteil erkannt, die Europäische Union zu haben und nicht nur national zu denken. Und dies ist eine große Lehre aus dieser Krise, dass wir mehr als Europäer denken müssen.

Wie können wir die Zukunft von „Generation Corona“ retten?

Wie können wir verhindern, dass junge Menschen auf Jahre lang unter den wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Pandemie leiden? Könnte die COVID-19-Pandemie zu einer Gelegenheit werden, den Arbeitsmarkt und den Wohlfahrtsstaat in Europa neu zu überdenken? Was denkt ihr? Schreibt uns!

Foto: BigStock – (c) Sam Wordley. Portrait: © European Union / Nuno Rodrigues



One Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst du?

  1. avatar
    Filipp

    Die jüngeren sollen früher con den Regelungen befreit werden. Das ist echt das Mindeste. Hoffentlich wird es die Jobsuche erleichtern.

    Letztlich wird aber wenig davon helfen. Wir leben in einem Land der Rentner und zumindest ich (27) überlege mir, auszuwandern.

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