Die internationale Rüstungskontrolle soll den Einsatz von Atomwaffen verhindern.

Im Januar 2021 wird der UN-Vertrag über das Verbot von Atomwaffen in Kraft treten

Der 2017 unterzeichnete Vertrag ist das erste rechtsverbindliche multilaterale Abkommen zur nuklearen Abrüstung seit Jahrzehnten. Für die Aktivisten ist dies ein bedeutender Meilenstein in ihrem Bestreben, die Welt von Atomwaffen zu befreien.

Bisher hat keine Atommacht den Vertrag unterzeichnet

Der Vertrag stellt einen Fortschritt in den bilateralen Beziehungen und der Rüstungskontrolle dar, dennoch geht der Trend wohl eher nicht in diese Richtung. So zogen sich die USA und Russland im Jahr 2019 aus dem INF-Vertrag über Mittelstrecken- und Nuklearstreitkräfte zurück. Versagt die internationale Rüstungskontrolle im Hinblick auf Atomwaffen?

Was denken unsere Leserinnen und Leser?

Leser Jovan ist der Meinung, dass wir es gar nicht erst versuchen sollten: „Abrüstung ist weder unmöglich noch ist sie wünschenswert. Hätten Amerika und Russland keine Atomwaffen gehabt, wäre der 3. Weltkrieg bereits mehrmals mit Dutzenden Millionen Opfern konventioneller Waffen zu Ende gegangen.“ Hat die nukleare Abschreckung einen Weltkrieg mit konventionellen Waffen verhindert?

Um eine Antwort zu erhalten, sprachen wir mit Rebecca Johnson, einer britischen Friedensaktivistin, Expertin für nukleare Abrüstung und Gründerin und Exekutivdirektorin des Acronym Institute for Disarmament Diplomacy. Die Organisation bietet Analysen und Strategien zur Entwicklung und Unterstützung multilateraler Abrüstungs- und Sicherheitsabkommen. Was ist ihre Reaktion auf Jovans Kommentar?

Eigentlich sind wir in einer Phase der Abrüstung. Seit Ende des Kalten Krieges haben die USA und damalige Sowjetunion – heute Russland ihre Nuklearwaffen von ca. 50 000 auf ca. 12 000 Stück reduziert. In der ganzen Welt existieren heute laut dem Stockholm Institut 30 000 Atomwaffen, würden davon nur ein bis zwei Prozent gezündet, würde uns ein atomarer Winter drohen. Bei der Abrüstung geht es also um unser Überleben. Weniger Nuklearwaffen in den Händen weniger Staaten sind immer eine gute Nachricht. Der Atomwaffenverbotsvertrag der UN wird Kernwaffen verbieten, 84 Staaten haben ihn unterzeichnet, 50 haben den Vertrag ratifiziert. Am 22. Januar 2021, 90 Tage nach der 50. Ratifizierung, wird der Vertrag in Kraft treten. Dieser Vertrag macht die Entwicklung, Produktion, Test, Erwerb, Lagerung, Transport, Stationierung, Einsatz und sogar die Drohung mit Atomwaffen international illegal. Die Staaten, die noch nicht unterschrieben haben, werden trotzdem Konsequenzen spüren. Zum Beispiel darf eine Bank mit Sitz in einem Mitgliedsland der Vereinbarung nicht in Firmen investieren, die irgendwie mit Atomwaffen zu tun haben könnten. Aber es wird auch internationaler Druck aufgebaut, Washington D.C. und Kalifornien haben zum Beispiel unterschrieben, auch wenn sich die USA dem Vertrag nicht anschließen will. Das kann aber auch zu einem späteren Zeitpunkt geschehen.

Für eine weitere Perspektive haben wir Jovans Kommentar auch an Clara Portela weitergeleitet, sie ist Senior Analystin am Institut für Sicherheitsstudien der Europäischen Union (EUISS). Können Atomwaffen den Frieden sichern?

Die Zerstörungskraft von Kriegen mit konventionellen Waffen ist bereits erschreckend, das hat die Atommächte davon abgehalten, direkt auf Konfrontationskurs zu gehen. Was wir seit dem Jahr 1945 sehen sind Stellvertreterkriege in Drittländern. Die Todeszahlen aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg halten letztendlich alle davon ab, einen weiteren Weltkrieg zu provozieren. Daher ist es reine Spekulation, ob Nuklearwaffen eine entscheidende Rolle gespielt haben. Ich glaube eher, dass der Zweite Weltkrieg traumatisierend genug war, um einen dritten Weltkrieg zu verhindern.

Ist die internationale Rüstungskontrolle gescheitert?

Oder könnten im Gegenteil Initiativen wie der Atomwaffensperrvertrag letztlich zur vollständigen Abschaffung aller Atomwaffen führen? Was denkt Ihr? Schreibt uns!

Foto: BigStock © vaXzine



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