Fühlt Ihr Euch in Bus und Bahn sicher?

Die Corona-Lockdowns verändern unsere Sicht auf die Dinge

Seit Jahren rufen Städteplaner dazu auf, den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen und das eigene Auto für den Weg zur Arbeit stehen zu lassen. Die Infrastruktur der rasant wachsenden Städte kann dem Individualverkehr kaum Herr werden – unnötige Staus, verstopfte Straßen und schlechte Luft in den Innenstädten sind die Folge. Seit der Corona-Pandemie hat sich die Kommunikation jedoch verändert: Dicht gefüllte Busse und Züge, in denen sich kaum genügend Abstand halten lässt, werden zum Gesundheitsrisiko. Wenn möglich, sollen die Pendler im Home Office arbeiten, wenn nötig, mit dem Rad oder Auto zur Arbeit. Könnte das langfristige Folgen für unseren Nahverkehr haben?

Einige Analysten befürchten, dass Pendler versucht sein könnten, dauerhaft von Bussen und Bahnen auf das Auto umzusteigen. Die öffentlichen Verkehrssysteme haben bereits jetzt Mühe, mit der sinkenden Nachfrage und den geringeren Fahrkartenverkäufen fertig zu werden. Umweltschützer sind natürlich alarmiert, viel zu viele bestehen auch ohne eine weltweite Pandemie auf ihr eigenes Auto. Selbst der Umstieg auf Elektrofahrzeuge würde nicht unbedingt helfen, da in den meisten Ländern immer noch ein Großteil des Stroms aus fossilen Brennstoffen erzeugt wird.

Was denken unsere Leserinnen und Leser?

Alejandro befürchtet, dass die Pandemie „verheerende Auswirkungen“ auf den öffentlichen Nahverkehr in ganz Europa haben wird. Hat er recht, besorgt zu sein?

Um eine Antwort zu erhalten, haben wir Alejandros Kommentar an Miloš Mladenović, Assistenzprofessor für Verkehrstechnik an der Aalto-Universität in Finnland, geschickt. Was würde er sagen?

Ja und Nein. Die Pandemie wird sicher einen Effekt auf den öffentlichen Nahverkehr haben, es kommt aber auf uns an, was wir zulassen. Ich will uns alle davon abhalten zu denken, wir seien der Zukunft ausgeliefert. Es liegt an uns, sie zu gestalten. Der Nahverkehr ist in Dekaden gewachsen und hat sich oft verändert, das wird auch in Zeiten von Corona geschehen. Die Pandemie hat uns viele Herausforderungen klarer sehen lassen, denen wir uns stellen müssen – auch im Bereich der Mobilität. Wir haben jetzt die Chance, aus unseren Erfahrungen zu lernen und mutige Entscheidungen zu treffen. Wir sind gefragt, unsere Zukunft zu gestalten.

Für einen weiteren Blickwinkel haben wir den gleichen Kommentar an Daniel Moser weitergegeben. Er ist verkehrspolitischer Berater bei der Transformative Urban Mobility Initiative (TUMI) der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GIZ. Wie würde er antworten?

Danke für Deine Frage, Alejandro. Ich will erst einmal betonen, dass keine Studie nachweisen konnte, dass es ein erhöhtes Risiko für eine Corona-Infektion im öffentlichen Nahverkehr gibt. Eine Studie der Deutschen Bahn hat sogar gezeigt, dass Bahnmitarbeiter weniger Antikörper im Blut haben als der Rest der Bevölkerung. Die strengeren Maßnahmen in öffentlichen Transportmitteln scheinen also zu wirken. Die Angst scheint also unbegründet.

Es ist ein viel größeres Problem für den Nahverkehr, dass viel weniger Fahrkarten verkauft werden. Durch den Lockdown aber auch danach sind die Leute weniger mobil. Selbst staatliche Zuschüsse sind von verkauften Fahrkarten abhängig. Das reißt natürlich ein Loch in die Finanzen. Die Frage ist, was wir jetzt tun. Sollten die Regierungen unsere umweltfreundlichen Beförderungsmittel unterstützen? Weniger verkaufte Fahrkarten bedeuten, dass Ausgaben gekürzt werden müssen – die Qualität und das Angebot der öffentlichen Nahverkehrsmittel könnten sinken, was wiederum zu noch weniger verkauften Fahrkarten führen würde. Solch eine Abwärtsspirale könnte unseren öffentlichen Nahverkehr stark bedrohen.

Sind Bus und Bahn in Corona-Zeiten sichere Verkehrsmittel?

Fühlt Ihr Euch mit Mundschutz und Abstand sicher in Bus und Bahn? Sollten mehr staatliche Hilfen in die Hand genommen werden, um unseren Nahverkehr zu retten oder ist es sogar an der Zeit, ihn jetzt umweltfreundlicher zu machen? Diskutiert mit!

Foto: BigStock © lakshmi Prasad


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Diese Debatte wurde vom European Horizon 2020 Forschung und Innovation finanziert (Förderungsnummer 826025).


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