
Online-Verschwörungstheorien können zu Gewalt führen
Seit 2018 werden Anhänger der QAnon-Verschwörungstheorie (die ihren Ursprung in den USA hat, aber Anhänger in ganz Europa hat) mit Gewalt, Entführungen, Anschlägen und sogar Mord in Verbindung gebracht. Das FBI stuft die Bewegung als „inländische Extremisten“ ein, welche die nationale Sicherheit gefährdet. Der Spiegel nennt den antisemitistischen Verschwörungsglauben und seine deutschen Anhänger den „gefährlichsten Kult unserer Zeit“.
Im Oktober 2020 verbannte Facebook mit QAnon verknüpfte Konten von seiner Plattform. Ähnliche Maßnahmen wurden von YouTube, Twitter und Reddit ergriffen. Ist dies der richtige Ansatz? Sollten Verschwörungstheorien, die zu Gewalttaten anstiften, von allen sozialen Medienplattformen verbannt werden?
Was denken unsere Leserinnen und Leser?
Civis sieht jeden einzelnen in der Pflicht, seine oder ihre Meinungsfreiheit verantwortlich zu nutzen. Er will antisemitische Verschwörungstheorien oder solche, die zu Gewalt aufrufen, verbieten lassen und vernünftige Grenzen für die Redefreiheit ziehen.
Wir sprachen mit Professor Michael Butter von der Universität Tübingen über Civis Kommentar. Als Projektleiter von „Populism and Conspiracy Theory (PACT)“ erforscht er die Bedeutung von Verschwörungstheorien für populistische Bewegungen. Was sollte getan werden, um die Verbreitung von Verschwörungstheorien auf Social-Media-Plattformen zu unterbinden?
Das Beste, was man gegen Verschwörungstheorien tun kann, ist nicht bei den Symptomen, sondern den Ursachen anzusetzen. Menschen, die sich machtlos fühlen, kann man besser in politische Entscheidungsprozesse einbeziehen, aber vor allem kann man massiv in Bildung investieren. Man muss Leuten beibringen, wie Gesellschaft und Politik funktionieren. Verschwörungstheorien schätzen immer falsch ein, was zufällig und was durch strukturelle Zusammenhänge passiert. Zumindest in der deutschen Bildungslandschaft passiert hierzu aber auch gerade eine Menge, es wird darüber nachgedacht, das Thema in Lehrpläne aufzunehmen. Ich bin sehr skeptisch, was das Verbieten angeht. Es gibt natürlich ganz klare Fälle, antisemitische Hassrede oder ein Aufruf zu Gewalt sind schon in vielen Ländern verboten. Solche Beiträge sollte man löschen. Es gibt aber auch immer einen Bereich, wo das nicht so klar ist. Bei dem Grenzbereich, der immer auch anders verstanden werden kann, da wird es haarig, dann sind wir bei der Meinungsfreiheit, die ein sehr hohes Gut ist. Daher bin ich bei solchen Beiträgen eher der Meinung, dass man sie stehen lassen sollte. Vor allem wenn die Entscheidung von großen amerikanischen Firmen getroffen würde, sonst richtet man am Ende mehr Schaden als Nutzen an. Meinungsfreiheit muss – soweit es geht – gewahrt werden. Auf eine Freiheit auf Verbreitung hat aber niemand ein Recht, die eigene Meinung muss nicht durch Algorithmen in den sozialen Medien amplifiziert werden. Da ist es besser, wenn Youtube nicht mehr automatisch zu Verschwörungsvideos verlinkt oder Warnhinweise genutzt werden.
Für eine weitere Perspektive fragten wir auch bei Dr. Daniel Jolley nach, der die psychologischen Folgen von Verschwörungstheorien an der Universität Northumbria untersucht. Wie schätzt er Civis Kommentar ein?
Es ist wirklich wichtig, dass Menschen ihre Fragen über die Welt stellen können. Wenn jemand an Verschwörungstheorien glaubt, ist es jedoch problematisch, da Antworten ignoriert werden. In einer perfekten Welt gäbe es einen Ort, an dem Fragen gestellt werden, Experten abwägen und antworten und sollte sich etwas als unwahr herausstellen, wird es nicht weiterverbreitet. In der echten Welt werden Fragen gestellt, die sofort eine Zugkraft haben, auch wenn Experten und Wissenschaftler die angenommenen Zusammenhänge widerlegen können. Wir müssen daher darüber nachdenken, wie wir Fragen zulassen können, ohne das Fake News verbreitet werden. Civis hat aber recht, sollten Verschwörungstheorien zu Gewalt führen, müssen sie unterbunden werden, Leute sollten keinen einfachen Zugriff auf solches Gedankengut haben. Aber Verbote werden sie nicht verschwinden lassen, Verschwörungstheorien hat es schon immer gegeben. Meiner Meinung nach sind die Plattformbetreiber in der Pflicht, gewaltanstiftende Inhalte zu blocken. Noch wichtiger sind allerdings Bildungsmaßnahmen, welche die Menschen befähigen, falsche Informationen als solche zu erkennen.
Sollten Verschwörungstheorien in sozialen Medien verboten werden?
Verschwörungstheorien sind nichts Neues, in den sozialen Medien erhalten sie jedoch eine nie dagewesene Reichweite. Wie kann man dem Einhalt gebieten? Sind Löschen und Verbote oder Bildung die Lösung? Oder brauchen wir beides? Schreibt uns Eure Sicht auf das Thema!
Foto: Bigstock © MoiraM; Portrait: Butter © privat; Jolley © privat
Das Beste, was man gegen Verschwörungstheorien tun kann, ist nicht bei den Symptomen, sondern den Ursachen anzusetzen. Menschen, die sich machtlos fühlen, kann man besser in politische Entscheidungsprozesse einbeziehen, aber vor allem kann man massiv in Bildung investieren. Man muss Leuten beibringen, wie Gesellschaft und Politik funktionieren. Verschwörungstheorien schätzen immer falsch ein, was zufällig und was durch strukturelle Zusammenhänge passiert. Zumindest in der deutschen Bildungslandschaft passiert hierzu aber auch gerade eine Menge, es wird darüber nachgedacht, das Thema in Lehrpläne aufzunehmen. Ich bin sehr skeptisch, was das Verbieten angeht. Es gibt natürlich ganz klare Fälle, antisemitische Hassrede oder ein Aufruf zu Gewalt sind schon in vielen Ländern verboten. Solche Beiträge sollte man löschen. Es gibt aber auch immer einen Bereich, wo das nicht so klar ist. Bei dem Grenzbereich, der immer auch anders verstanden werden kann, da wird es haarig, dann sind wir bei der Meinungsfreiheit, die ein sehr hohes Gut ist. Daher bin ich bei solchen Beiträgen eher der Meinung, dass man sie stehen lassen sollte. Vor allem wenn die Entscheidung von großen amerikanischen Firmen getroffen würde, sonst richtet man am Ende mehr Schaden als Nutzen an. Meinungsfreiheit muss – soweit es geht – gewahrt werden. Auf eine Freiheit auf Verbreitung hat aber niemand ein Recht, die eigene Meinung muss nicht durch Algorithmen in den sozialen Medien amplifiziert werden. Da ist es besser, wenn Youtube nicht mehr automatisch zu Verschwörungsvideos verlinkt oder Warnhinweise genutzt werden.
Es ist wirklich wichtig, dass Menschen ihre Fragen über die Welt stellen können. Wenn jemand an Verschwörungstheorien glaubt, ist es jedoch problematisch, da Antworten ignoriert werden. In einer perfekten Welt gäbe es einen Ort, an dem Fragen gestellt werden, Experten abwägen und antworten und sollte sich etwas als unwahr herausstellen, wird es nicht weiterverbreitet. In der echten Welt werden Fragen gestellt, die sofort eine Zugkraft haben, auch wenn Experten und Wissenschaftler die angenommenen Zusammenhänge widerlegen können. Wir müssen daher darüber nachdenken, wie wir Fragen zulassen können, ohne das Fake News verbreitet werden. Civis hat aber recht, sollten Verschwörungstheorien zu Gewalt führen, müssen sie unterbunden werden, Leute sollten keinen einfachen Zugriff auf solches Gedankengut haben. Aber Verbote werden sie nicht verschwinden lassen, Verschwörungstheorien hat es schon immer gegeben. Meiner Meinung nach sind die Plattformbetreiber in der Pflicht, gewaltanstiftende Inhalte zu blocken. Noch wichtiger sind allerdings Bildungsmaßnahmen, welche die Menschen befähigen, falsche Informationen als solche zu erkennen.
4 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare
hat nicht Hitler das auch so gemacht? Jede Verschwörungstheorie hat sich zu 98% immer als die Wahrheit herausgestellt.
Immer vorsichtig vor leuten sein die andere als verschwörungstheoretiker beschreiben
Nur die Lüge braucht die Staatsgewalt. Die Wahrheit steht von alleine aufrecht (Thomas Jefferson). Alles klar ??
Wenn man die freie Meinungsäußerung mit verboten belegt wird man genau das Gegenteil vom dem erreichen was man wollte. Ehrlich und Ideologie frei berichten ist die einzige Chance die man hat.