
Die weltweite Corona-Pandemie beherrscht noch immer die Schlagzeilen
Experten warnten bereits im Frühling vor steigenden Infektionszahlen im Herbst – bedingt durch das Virus und unser Verhalten. Jetzt drohen in vielen Ländern strengere Maßnahmen oder der erneute Lockdown. Die Krankenhäuser bereiten sich auf eine zweite Welle vor, sind die Gesundheitssysteme dem aber gewachsen?
Wie kann Europa widerstandsfähigere Gesundheitssysteme aufbauen, die Prävention und Digitalisierung zur Förderung der öffentlichen Gesundheit einbeziehen? Welches sollten die gesundheitlichen Prioritäten Europas in der Zukunft sein, und was sind die Sorgen und Bedenken junger europäischer Bürgerinnen und Bürger, wenn es um die öffentliche Gesundheit geht?
Was denken unsere Leserinnen und Leser?
Matthew macht sich Sorgen um die generelle Gesundheit. Angesichts unseres ungesunden Lebenswandels glaubt er nicht, dass die öffentlichen Gesundheitssysteme den Herausforderungen gewachsen sind. Hat Matthew recht? Und wie viel stärker sind die Gesundheitssysteme jetzt durch die Corona-Pandemie belastet?
Für eine Antwort fragten wir Andrzej Rys, er vertritt die Generaldirektion Gesundheit bei der Europäischen Kommission.
Die Pandemie hat uns sicher eine Reihe von Schwächen vor Augen geführt, unter denen die Gesundheitssysteme leiden. Die Reaktionen der öffentlichen Gesundheitssysteme auf eine weltweite Pandemie waren sicher nicht ausreichend. Wie Daten aufgearbeitet, veröffentlicht und weitergegeben werden, ist sicher verbesserungswürdig; wir müssen unsere Strategien auf Daten basieren. Jedes Land in Europa folgt aber unterschiedlichen Maßnahmen, wenn es nun um das Tragen von Masken oder der Teststrategie zu Corona geht. Diese Punkte betreffen nun Corona, sie treffen aber auch generell zu. Wir müssen uns zum Beispiel langfristig mit den Folgen von Fettleibigkeit, Rauchen und Alkoholkonsum auseinandersetzen. Corona hat diese Herausforderungen für öffentliche Gesundheitssysteme nicht verändert, sie bleiben.
Für eine andere Sicht auf die Dinge sprachen wir mit Kalliopi Kalaitzi, sie ist Ärztin und ein European Young Leader von Friends of Europe.
Ja, es geht nicht nur um die Pandemie, sondern auch um den ungesunden Lebensstil, der sich weltweit ausbreitet. Ungefähr 11 Millionen Tote im Jahr lassen sich zum Beispiel auf eine ungesunde Ernährung zurückführen. Fettleibigkeit ist auch eine Pandemie, seit 1975 hat sich der Anteil von Fettleibigen verdreifacht, besorgniserregend ist vor allem die steigende Rate bei Kindern. Für unsere Gesundheit ist aber nicht nur das Gesundheitssystem verantwortlich. Es geht um physische, mentale und soziale Aspekte. Wir sprechen viel öfter über Krankheiten, anstatt über die Gesundheit zu sprechen. Unser Lebensstil ist für unsere Gesundheit ausschlaggebend. Eigentlich können wir uns diese Zivilisationskrankheiten nicht leisten, und dabei geht es nicht nur um das Gesundheitssystem, sondern auch die Krankenversicherungssysteme. Der Lebensstil verschärft aber auch Corona, 80 Prozent der Komplikationen bei COVID-19 Krankheitsverläufen lassen sich auf Rauchen, mangelnde Bewegung oder ungesundes Essen zurückführen.
Abschließend fragten wir den Europaabgeordneten Nicolás González Casares von den Sozialdemokraten, ob er den Pessimismus von Leser Matthew teilt.
Die öffentlichen Gesundheitssysteme stehen zurzeit unter massiven Belastungen. Die Folgen der Corona-Pandemie sind noch ungewiss. In vier oder vielleicht fünf Monaten werden wir die Ausmaße besser einschätzen können. Aber Corona ist ein Stresstest. Die Pandemie hat gezeigt, dass nicht jeder EU-Bürger den gleichen Zugang zu einer guten Krankenversorgung hat. Jedes Mitgliedsland hat hier ein anderes System. Ein Bett im Krankenhaus ist am Ende aber immer teurer als Präventionsmaßnahmen. Informationen sind der Schlüssel für ein besseres Verhalten, vor allem Zivilisationskrankheiten kann man so begegnen. Prävention ist immer besser für die Menschen und die Gesundheitssysteme.
Sind Europas Gesundheitssysteme für eine weitere Pandemie gewappnet?
Wie kann Europa widerstandsfähigere Gesundheitssysteme aufbauen? Was sagt Ihr zu der Einschätzung unserer Experten? Schreibt uns Eure Nachfragen und Eure Ideen!
Foto: Bigstock © DevinQuotes; Portraits: Rys (cc) Flickr Friends of Europe; Klaitzi © Friends of Europe; González Casares © Europäische Union
Dieser Beitrag wurde finanziell von MSD unterstützt, mehr dazu in unserem FAQ.
Die Pandemie hat uns sicher eine Reihe von Schwächen vor Augen geführt, unter denen die Gesundheitssysteme leiden. Die Reaktionen der öffentlichen Gesundheitssysteme auf eine weltweite Pandemie waren sicher nicht ausreichend. Wie Daten aufgearbeitet, veröffentlicht und weitergegeben werden, ist sicher verbesserungswürdig; wir müssen unsere Strategien auf Daten basieren. Jedes Land in Europa folgt aber unterschiedlichen Maßnahmen, wenn es nun um das Tragen von Masken oder der Teststrategie zu Corona geht. Diese Punkte betreffen nun Corona, sie treffen aber auch generell zu. Wir müssen uns zum Beispiel langfristig mit den Folgen von Fettleibigkeit, Rauchen und Alkoholkonsum auseinandersetzen. Corona hat diese Herausforderungen für öffentliche Gesundheitssysteme nicht verändert, sie bleiben.
Ja, es geht nicht nur um die Pandemie, sondern auch um den ungesunden Lebensstil, der sich weltweit ausbreitet. Ungefähr 11 Millionen Tote im Jahr lassen sich zum Beispiel auf eine ungesunde Ernährung zurückführen. Fettleibigkeit ist auch eine Pandemie, seit 1975 hat sich der Anteil von Fettleibigen verdreifacht, besorgniserregend ist vor allem die steigende Rate bei Kindern. Für unsere Gesundheit ist aber nicht nur das Gesundheitssystem verantwortlich. Es geht um physische, mentale und soziale Aspekte. Wir sprechen viel öfter über Krankheiten, anstatt über die Gesundheit zu sprechen. Unser Lebensstil ist für unsere Gesundheit ausschlaggebend. Eigentlich können wir uns diese Zivilisationskrankheiten nicht leisten, und dabei geht es nicht nur um das Gesundheitssystem, sondern auch die Krankenversicherungssysteme. Der Lebensstil verschärft aber auch Corona, 80 Prozent der Komplikationen bei COVID-19 Krankheitsverläufen lassen sich auf Rauchen, mangelnde Bewegung oder ungesundes Essen zurückführen.
Die öffentlichen Gesundheitssysteme stehen zurzeit unter massiven Belastungen. Die Folgen der Corona-Pandemie sind noch ungewiss. In vier oder vielleicht fünf Monaten werden wir die Ausmaße besser einschätzen können. Aber Corona ist ein Stresstest. Die Pandemie hat gezeigt, dass nicht jeder EU-Bürger den gleichen Zugang zu einer guten Krankenversorgung hat. Jedes Mitgliedsland hat hier ein anderes System. Ein Bett im Krankenhaus ist am Ende aber immer teurer als Präventionsmaßnahmen. Informationen sind der Schlüssel für ein besseres Verhalten, vor allem Zivilisationskrankheiten kann man so begegnen. Prävention ist immer besser für die Menschen und die Gesundheitssysteme.
5 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare
Personell: nein
Welche Pandemie?
die richtige Frage!
es gibt eine Krankheit, die sich in mehreren Ländern ausbreitet und die nicht effektiv am Übergreifen gehindert wird … das nennt man Pandemie.
Nachdem dies auf SARS-CoV-2 zutrifft … bitte Ihre Frage wird mit Ja beantwortet.
Nein. Der Abbau der Grundrechte und die soziale Spaltung der Menschen durch aberwitzige Konzepte wie „social distancing“ waren und sind ein Verbrechen.