Das Studium ist in Europa meist teuer.

Ist Bildung der beste Weg zum Abbau sozialer Ungleichheit?

Uns wird gesagt: Arbeite hart in der Schule, und unabhängig von den sozialen Verhältnissen, wird der Bildungsaufstieg gelingen und am Ende eine gut bezahlte Stelle locken. Auf diese Weise kann Bildung als starker Motor für den sozialen Aufstieg angesehen werden. Aber gelten diese Weisheiten noch oder wird uns ein Märchen aufgetischt?

Studierende aus wohlhabenderen Verhältnissen erzielen in der Regel bessere Ergebnisse.

Es ist ein statistischer Fakt, dass der soziale Hintergrund mit über die Zukunft der Kinder bestimmt. Ein Arbeiterkind schlägt weniger oft den Weg zu einer akademischen Karriere ein als ein Kind von Akademikern. Die Corona-Pandemie und ihre Folgen haben diese Probleme noch verschärft. Kinder aus wohlhabenden Familien haben zu Hause besser lernen können, die bessere Internetverbindung, Computer und ein eigener Schreibtisch machen es einfacher.

Was denken unsere Leserinnen und Leser?

Freja ist der Meinung, dass Arme dauerhaft in Armut stecken bleiben, wenn höhere Bildung den Reichen vorbehalten bleibt. Hat Freja recht? Wie stark ist die soziale Mobilität eingeschränkt?

Wir fragten bei Mathias Maucher nach, der Senior Policy Officer beim Europäischen Netzwerk gegen Armut (EPAN) ist. Anfang dieses Jahrs veröffentlichte seine Organisation einen Bericht über den Zusammenhang zwischen Armut und dem Zugang zu Bildung. Was sagt er zu Frejas Kommentar?

Lassen Sie mich zunächst sagen, dass wir in vielen Ländern eine starke Korrelation zwischen einem niedrigen sozioökonomischen Hintergrund der Kinder und einem schlechten Bildungsniveau und Abschlüssen sehen. Allgemeine und berufliche Bildung kann die soziale Mobilität deutlich verringern, wenn sie so organisiert ist, dass man für den Zugang zu ihr zahlen muss. Ein weiteres Risiko besteht, wenn die Sekundarschulbildung von einem öffentlichen System kostenlos angeboten wird, mit einem parallelen privaten System, in dem die Eltern Gebühren zahlen müssen, die sich ärmere Familien nicht leisten können. Wenn ein solches zweigleisiges System existiert, wird es zu sozialer Segregation und einer geringen sozialen Durchmischung von Schülern mit unterschiedlichem Einkommen und sozialem Hintergrund führen. Die Eltern neigen auch dazu zu glauben, dass die Qualität der Bildung in den privaten Schulen gegen Bezahlung besser ist, dass diese Schulen ein sozial homogeneres Lernumfeld für ihre Kinder bieten und dass sie mehr außerschulische Aktivitäten anbieten.
Daher tritt das EAPN für das Recht auf eine universelle, qualitativ hochwertige, erschwingliche, zugängliche und integrative öffentliche Bildung während des gesamten Lebens ein, und zwar für alle. Die EU-Verträge und andere europäische Dokumente erkennen dieses Recht an. Wir verteidigen die Position, dass Schulen, frühkindliche Bildung und Betreuung, berufliche Bildung und lebenslanges Lernen öffentliche Dienstleistungen und Güter sind. Sie benötigen daher ausreichende öffentliche Investitionen für die gesamte Infrastruktur – das haben wir bei der COVID-Pandemie bezüglich des Zugangs zu digitaler Bildung gesehen – aber auch für eine qualitativ hochwertige Bildung mit guten und gut bezahlten Lehrern. Schulen sollten keine Orte der Segregation sein, sondern Orte, die für alle Schülerinnen und Schüler kostenlos zugänglich sind, um ihnen zu helfen, ihr Leben zu befähigen und umzugestalten, und um sie mit dem richtigen Wissen, den richtigen Qualifikationen und praktischen Fertigkeiten auszustatten, um später hochwertige Arbeitsplätze zu sichern.

Bildungspolitik ist ein Politikbereich, der noch klar von den Mitgliedsländern allein bestimmt wird, die EU kann nur koordinieren und unterstützen. Dennoch gibt es Programme wie Erasmus, die den europaweiten Austausch ermöglichen. Unser Leser Nico hat jedoch auch bei dem Erasmus Programm den Eindruck, dass es allenfalls Jugendliche wohlhabender Familien anlockt. Wir haben bei der Europaabgeordneten Sabine Verheyen (CDU)nachgefragt, ob das stimmt. Sie ist Vorsitzende im Ausschuss für Kultur und Bildung des Europäischen Parlaments. Sollte das Erasmusstipendium für Sozialschwache aufgestockt werden oder höhere Bildung vielleicht sogar generell in Europa gratis sein?

Sollten ärmere Studenten mehr finanzielle Förderung erhalten?

Was denkt Ihr? Gibt es genug Chancen, sozial aufzusteigen oder brauchen ärmere Kinder und Studenten mehr Förderung? Schreibt uns, wir geben Eure Fragen weiter!

Foto: BigStock © EricBVD



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