
Müssen wir alle lernen, mit einer höheren Verschuldung zu leben?
Die Staatsverschuldung in der Eurozone wird im Jahr 2020 voraussichtlich 102% des BIP erreichen. Das ist ein kräftiger Anstieg der Staatsverschuldung im Vergleich zu 2019, als die Schuldenquote der Eurozone 86% des BIP betrug. Selbst die hohe Schuldenquote von 2019 verstößt gegen die Regeln der Eurozone, die besagen, dass die Staatsverschuldung 60% des BIP nicht überschreiten darf. Goldman Sachs prognostiziert, dass die Verschuldung in Italien im Jahr 2020 bei über 160% des BIP liegen wird. Außerhalb Europas sind die Schuldenquoten sogar noch höher, die von Fitch Ratings vorhergesagte Schuldenquote Japans im Verhältnis zum BIP auf „deutlich über 240%“ ansteigen wird.
Nach der Finanzkrise 2007-2008 haben viele Regierungen Sparmaßnahmen eingeführt, die eine Kürzung der öffentlichen Dienstleistungen und der Staatsausgaben bedeuteten. Dabei ist dieses Experiment nicht immer erfolgreich verlaufen, es gibt heute wohl kaum noch jemanden, der Griechenland noch einmal den gleichen Sparkurs wie in den Folgejahren von 2008 aufzwingen würde. Es hat sich viel Wiederstand gegen ein Sparen um jeden Preis geregt. So schlug die Europäische Kommission ein Investitionsprogramm von 2,4 Billionen Euro vor, um die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie abzufedern. Dieses Geld ist natürlich von den zukünftigen Generationen geliehen. Wie werden wir die Schulden zurückzahlen?
Einigen Ökonomen zufolge könnten Steuererhöhungen eine Lösung sein. Andere hingegen argumentieren, dass die Wirtschaft angesichts der niedrigen Zinsen auch so schnell wieder anziehen könnte. Kann Europas Wirtschaft aber schneller wachsen als seine Schulden? Können wir es verantworten, der nächsten Generation unsere Schulden zu hinterlassen?
Wie werden wir unsere Corona-Schulden zurückzahlen?
Ist Europa auf dem Weg zu einer weiteren Sparrunde? Oder werden wir lernen, mit einer höheren Staatsverschuldung zu leben? Was denkt Ihr?
Foto: Unsplash (cc) Ehud Neuhaus
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