Kann ein universelles Grundeinkommen bei der Bewätigung von Corona helfen?

Europa steht vor der schlimmsten Wirtschaftskrise seit der Großen Depression.

Millionen von Arbeitnehmern, die derzeit durch staatliche Programme unterstützt werden, könnten ihren Arbeitsplatz verlieren, sobald diese Unterstützung ausläuft. Die OECD prognostiziert, dass die Arbeitslosigkeit in der Eurozone bis Ende Juni 10% erreichen könnte, im Februar lag sie noch bei 6,5%. Dabei ist nicht nur das Coronavirus Schuld, die Pandemie hat die Automatisierung beschleunigt, der Arbeitsmarkt wird sich stark verändern. Es wird davon ausgegangen, dass zwei von fünf Arbeitsplätzen in den USA nach der Corona-Krise dauerhaft nicht zurückkehren werden, selbst wenn die Wirtschaft wieder anzieht.

Was soll aus all den Arbeitslosen werden?

Wir stehen vor einer neuen Arbeitswelt, Stimmen für ein universelles Grundeinkommen werden lauter. Die Befürworter weisen darauf hin, dass jetzt genau der richtige Zeitpunkt wäre, um es auszuprobieren. Regierungen und Wähler sind derzeit offenbar experimentierfreudiger, da Corona ohnehin zu bisher unvorstellbaren Investitionssummen geführt hat. Statt diese Unsummen in den Erhalt von Arbeitsplätzen und für Arbeitslosenunterstützung auszugeben, würde ein universelles Grundeinkommen jedem Bürger gewährt. Verfechter der Idee hoffen so an der Verwaltung zu sparen und jedem ein „Leben in Würde“ zu ermöglichen.

Kritiker argumentieren jedoch, dass ein universelles Grundeinkommen sowohl kostspieliger als auch weniger zielgerichtet als die bestehenden Sozialsysteme wäre. Das Grundeinkommen würde jede Art von staatlichen Leistungen ersetzen: kein Kindergeld, keine Rente, kein Arbeitslosengeld und keine Sozialhilfe mehr. Jeder erhielte unabhängig von Besitz und Einkommen das Gleiche. Die Gegner des universellen Grundeinkommens fürchten, dass die Ressourcen des Staates nicht effizient eingesetzt würden, um die Menschen zu unterstützen, die sie am meisten benötigen.

Ist es Zeit für ein universelles Grundeinkommen?

Sollten europäische Regierungen es einfach mal ausprobieren? Was ist gerechter? Wenn jeder das Gleiche erhält oder eine gezielte Förderung, wenn er es braucht? Schreibt uns Eure Ideen, wir werden sie diskutieren!

Foto: BigStock © Eldar Nurkovic



39 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst Du?

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    Thorsten Kani

    Ich denke – 1) Staaten verhalten sich bei derart weitreichenden Änderungen ähnlich wie sehr große Schiffe.Als Passagier könnte man meinen, das Schiffe einen gesetzten Kurs beliebig schnell und weitgehend ändern können, wie das eben auch ein KFZ auf freier Fläche möglich wäre. Dem ist aufrund der Massenträgheit nicht so. Wenn es dennoch versucht wird, agiert das Schiff zunächst garnicht und später schlicht unkontrollierbar.
    2) Dementsprechend sehe ich die meisten (radikaleren) 1000Milliarden umfassenden „auf sofortigen Ersatz von X“ basierten Ideen als schlicht nicht realisierbar an.
    3) Ich sehe aber sowohl den hohen gesellschaftlichen Wert der Grundidee, als auch potentiell ebenso hohe entbürokratisierende Effekte, sowie die damit einhergehenden Einspaarpotentiale.
    Eine Erste Idee:
    Sucht man also nach einem ersten, machbaren Einsatzzweck, der mit hoher Wahrscheinlichkein funktioniert und Gegnern wenig politische Angriffsfläche lässt, findet man in zB Deutschland den langjährigen Bestand an als bedingt vermittelbar klassifizierten ALGII Leistungsbeziehern. (Alleinstehende Elternteile, versehrte und ältere Menschen) Derer Verwaltungskosten könnte so weit besser genutzt werden, während diesen Leuten gleichzeitig ein Stück ihrer Würde zurückgegeben würde.
    -justmy2Cent..

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    Divadschuf

    Ja und für eine Finanzierung müssen Großkonzerne und Spitzenverdiener endlich stärker besteuert werden. Wieso nicht eine 90%ige Steuer auf das Vermögen von Milliardären. Sie sind danach immer noch Multimillionäre.

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      Randomravioli

      warum nicht ein Maximaleinkommen?! Alles was über Betrag X€ ist geht an die Gemeinschaft. Keine Schlupflöcher wie Spesen oder sonst was. du hast mehr als X€ Einkommen/Vermögen, den Rest gibst du ab. Niemand braucht Millionen! Schon gar nicht wenn andere auf der Straße oder in Heimen leben!

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    desthesys

    Vor allem brauchen wir ein Ende des Kapitalismus.
    Aber bis es soweit ist, halte ich das BGE für angemessen.

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    Awarth

    Ne wir brauchen ne sozialistische Weltrevolution. Aber bis dahin ist BGE schon okay

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      Randomravioli

      Ich sehe du bist ein Mensch der Kultur auch.

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    Lequipe

    wenn das bedeutet, dass alle anderen bezüge gekürzt werden, dann nein.

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      Emily

      Welche Bezüge denn? ALG I ist eine Versicherung in die du ein bezahlst.

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      Emily

      Was wegfallen würde wäre ALG II also Hartz 4, Wohngeld und sämtlicher anderer Quatsch bei denen die Schikane und Misshandlung der betroffenen schon unter Folter fällt..

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      Lequipe

      Bezüge wie Kindergeld und andere Boni.

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      zekrom

      Beim BGE zählen Kinder auch mit, da hast du dann dein Kindergeld.

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      Lequipe

      beim BGE kriegt jedes Baby 1000?

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      Fraqual

      In viele Modellen bis zum 16. Lebensjahr die Hälfte

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      Lequipe

      Alle Maßnahmen, die unterm Strich denen helfen, die vom System geknechtet werden, unterstütze ich.

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      Emily

      Das Kind sollte auch das Grundeinkommen bekommen.

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    XRustyPx

    Zeit wirds. Grundeinkommen 1000 euro netto im monat, dann kann man auch hatz 4 abschaffen. Steuern nach oben verlagern und den spekulationshandel besteuern dann ist das doch kein ding

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      Emily

      Und die ganzen Verschwendungen durch Bürokratie um Wohngeld, Hartz4 und sonstwas.

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      Clathrat

      Ohne Wohngeld und andere situationsabhängige Zusatzleistungen ist es für arbeitslose BGE-Bezieher deutlich attraktiver in ländlichen Gebieten zu wohnen, weil man sich das Leben in der Stadt nur mit BGE nur schlecht oder gar nicht leisten kann (viel Spaß in München oder Stuttgart). Das BGE ist der beste Weg in die Ghettoisierung Deutschlands.

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      Emily

      Ist Rückkehr auf’s Land nicht das Gegenteil von Ghtttoisierung?

      Und München ist selbst mit vollem Wohngeld Satz nicht bezahlbar in nicht ‚Ghetto‘ Gegenden.

      Außerdem, mein Wohngeld hat ab Antrag jeweils 6 Monate gedauert. Das ist so ziemlich sinnlos wie es bisher läuft.

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    august_gutmensch

    Wieso sollten wir wohlhabende und gutverdiener mit einem BGE unterstützen?

    Ich bin definitiv für eine Abkehr vom restriktiven und auch asozialen Hartz Regelungen und für eine bei grundlegend veränderte Grundsicherung und Unterstützung von bisher weniger anerkannter Arbeit (von Haushalt und Erziehung bis ehrenamtlicher und gemeinschaftlicher Arbeit) aber ich finde es total verfehlt reichen Menschen noch mehr Geld zu geben.

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      Emily

      Das ganze soll doch durch Vermögenssteuer und erhöhten Steuersatz für die oberen 5% finanziert werden.

      Die Reichen haben also nicht mehr Geld dadurch.

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      zekrom

      Man würde natürlich gleichzeitig die Steuerprogressionskurve anpassen, so dass höhere Einkommen stärker besteuert werden. Dadurch hat man dann durch den Gesamteffekt von BGE und Steueränderung bis zu einem bestimmten Bruttoeinkommen am Ende mehr Netto, darüber weniger Netto.

      Aber insgesamt ist „Wenn wir [Sache, die Menschen hilft] machen, dann kriegen das ja auch [Menschen, die die Hilfe nicht brauchen]“ keine gute Argumentation, denn ein Means Testing führt generell dazu, dass einige Menschen, die die Hilfe brauchen, sie nicht bekommen.

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    NullBrowbeat

    Nicht anständig finanzierbar.

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      Snyggedi

      Ach, hast du denn mal Nachgerechnet wie viel Vermögen allein dieses Jahr von 80 auf 60 Jährige durch erbschaft umgelagert wurde?

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      NullBrowbeat

      Nein. Aber das wäre dann keine dauerhafte Finanzierungsquelle.

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      Snygeddi

      Nein, da hast du recht. Dauerhaft wäre antinatalism — weil deine Aussage umgedeutet bedeutet: Es ist nicht für jeden Menschen das Lebensminimum finanzierbar. Also gibt es zuviele Menschen.

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      NullBrowbeat

      Diese Umdeutung ist lächerlich. Zu sagen dass das BGE nicht funktionieren würde bedeutet nicht was du da unterstellst, da du dabei sämtliche wirtschaftliche Aktivität ignorierst.

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      Snygeddi

      Also doch wirtschafliche Aktivität über Existenzminimum? Vermögensungleichheit steigern – denn sie repräsentiert ja die Fleissigkeit in der Wirtschaft, oder?

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      NullBrowbeat

      Was für einen Schwachsinn versuchst du mir da anzuhängen?! Du redest hier mit einem Sozialisten, du Vogel.

      Ich bin für eine Verschiebung der Progression bei der Besteuerung, wobei diese auch ihre Grenzen hat, sowie eine 100% Erbschaftssteuer ab einem gewissen Grenzwert, neben etwaigen anderen Dingen um die Vermögensungleichheit einzudämmen und womöglich sogar nach keynesianischer Idee mit etwas mehr Umverteilung die Wirtschaft anzukurbeln. (Bevorzugt über nachhaltigen statt kurzlebigen Konsum, was auch mit Wirtschaftsregulationen einhergehen müsste.)

      Wir können aber derzeit nicht, selbst mit anderen Wirtschaftsmodellen, das Existenzminimum aller sicherstellen, ohne dass irgendjemand arbeiten muss. Letzteres bezeichnete ich zuvor als „wirtschaftliche Aktivität“. Diejenigen die arbeiten sollten genug Lohn erhalten, damit sie nicht einmal ein BGE benötigen würden, welches wir uns nicht leisten können. REIN MATHEMATISCH NICHT! (Außer vllt. wenn sämtliche andere Leistungen streichen, was nicht akzeptabel ist.)

      Schau dir doch einmal unseren Staatshaushalt an. Die Ausgaben und die Einnahmen die wir haben, welche sich auch nur begrenzt steigern lassen. Und dann rechne einfach mal 83.000.000*1.000*12… Da bist du bereits bei fast 487 Milliarden über unseren derzeitigen Einnahmen, welche 509 Milliarden betragen. Da hilft es auch nicht für ca. 20-30 Jahre die Erbschaftssteuer auf 100% anzuheben und dann durch die Erbschaften zu brennen, bevor da eh nichts mehr bei rumkommt. Das ist kein langfristig valider Plan.

      Bist du ernsthaft derart dogmatisch verblendet?!

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      Snygeddi

      Sorrysorry, wollte dir nichts anhängen. Ich meine nur, wenn es Rechnerisch nicht gehen soll, müssen wir auch in anderen Dimensionen das Problem angehen. Ich kann deiner Rechnung folgen, doch wenn sich die Wirtschaft bei jedem freiwilligen Arbeiter 1000€ sparen kann, kann auch sie sich stärker beteiligen. Gewinnschöpfung durch Robotik/Automatisierung sollte ebenfalls mehr besteuert werden, um die fehlenden Arbeitsstellen und die deswegen nicht verrichteten Steuern dieses hypothetischen Arbeiters zu kompensieren.

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      NullBrowbeat

      „Gewinnschöpfung durch Robotik/Automatisierung sollte ebenfalls mehr besteuert werden, um die fehlenden Arbeitsstellen und die deswegen nicht verrichteten Steuern dieses hypothetischen Arbeiters zu kompensieren.“

      An sich wäre ich da ja d’accord, aber dann wird die Produktion nur noch unwirtschaftlicher. Wir haben ja bereits durch unsere relativ hohen Standards, Arbeitnehmerrechte und Gehälter den Bedarf uns auf unser Branding als „Made in Germany“, sowie Exportausrichtung zu stützen, da wir ansonsten nicht gut genug konkurrieren könnten mit dem Ausland. (Und ja, klingt Scheiße, ist aber nun einmal so unter den derzeit noch existierenden Bedingungen.)

      Auch ist unsere Abgabenlast bereits ziemlich hoch im internationalen Vergleich. Ich denke, dass das BGE derzeit noch unerreichbar ist und wir auch dringlichere Probleme haben als ein wirkliches BGE.

      Derzeit dominieren noch die Marktkräfte, zu denen auch die „Gefahr“ von Outsourcing gehört und das wird ein harter Kampf da ordentlich das Primat der Politik wieder zu etablieren und das Bedarf internationalen Aufwands, da man multinationale Unternehmen schon lange nicht mehr auf nationaler Ebene im Griff hat. (Was ja auch nur logisch ist.) Ich bin entsprechend auch europäisch föderalistisch eingestellt und erhoffe mir über diesen Weg so einiges. Man darf gespannt sein.

      Naja… Das wäre mein Senf zu deinem Kommentar hier.

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    Florian

    Ja bitte! Das würde so viele unnötige Arbeitsplätze tilgen und so viel Geld freilaufend lassen. Die Behörden koen ten sich verkleinern ohne ihr Gesicht zu verlieren, angefangen mit dem drehkarussell Jobcenter

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    Roland

    Das hilft jetzt gar nicht. Die Superpolitiker pumpen schon zu viel Geld in den Markt, dass die Inflation nur drauf wartet. Milliarden fliessen z. Bsp. in Kurzarbeitengeld, ohne Wertschöpfung , ohne Produktion !!. Das Geld kann auch wiederum nicht ausgegeben werden, weil alles zu ist. Die Politiker wissen das, das Volk denkt nicht dran. Unser Geld wird bald nichts mehr wert sein.

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    LeftRat

    Ich sehe dafür ganz einfach schwarz. Wir werden meiner Meinung nach noch über eine theoretische Einführung des BGE reden, während der Planet unbewohnbar wird. Die politischen Strukturen der „liberalen“ Ordnung sind so erstarrt, dass jede grundlegende, große Änderung mehr politisches Kapital erfordern würde, als existiert.

    Bestenfalls kriegen wir ein erweitertes Hartz4, für das dann alle anderen Sozialleistungen in die Pfanne gehauen werden.

  12. avatar
    kannstedirdenken

    1000 Euro netto. Minimum 600-700 Euro Wohnung (zumindest in Hamburg). GEZ. Strom. Wasser. Oder rechne ich hier falsch? Da bleibt nichts mehr übrig.

    Wenn du überhaupt ne Wohnung bekommst ohne Job.

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      Astrogator

      Mit BGE wäre ein Arbeitsplatz als Bedingung für eine Wohnung relativ rasch irrelevant.

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    Hardolf

    Der einzig richtige Slogen ist :

    “ ich leiste etwas… ich leiste mir etwas“

    Die Zahl derer, die sich auf den Knochen anderer ausruht nimmt ständig zu.
    Aber diese Einstellung ist leider nicht politikfähig. Das mußte auch Kanzler Schröder schmerzhaft festellen, als er verkündete : “ es gibt kein Recht auf Faulheit “
    Inzwischen hat es sich in der Welt herumgesprochen “ Diese RECHT gibt es, aber nur in Deutschland.
    Bedingungsloses Grundeinkommen = Recht auf Faulheit !

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