Hat uns der Lockdown alte Rollenmodelle beschert?

Mama kümmert sich um Haushalt und Kinder, Papa geht arbeiten

Wir dachten, wir wären schon weiter. Die Coronakrise hat uns aber noch einmal deutlich vor Augen geführt, wo wir stehen. Die Statistiken sprechen für sich: Frauen verdienen weniger, Frauen gehen öfter in Teilzeit, sie sind kaum in Chefetagen vertreten und stark von Altersarmut gefährdet – ja, auch wenn alles statistisch bereinigt wird. Es gab sicher viele Diskussionen, passiert ist nur nicht so viel. Gäbe es nicht Kanzlerin Merkel, hätte man während der Coronakrise glauben können, dass es in Deutschland nur Männer gibt. Ob es nun Virologen, Politiker oder Wirtschaftsvertreter sind, die sich in der Krise zu Wort melden – es sind fast nur Männer.

Ist das nicht egal, wenn es gerade ums Überleben geht?

Vielleicht ist an dem Einwand was dran. Es sollte keine Rolle spielen, wer anpackt, Hauptsache es wird angepackt. Andererseits zeigt ein Blick auf die systemrelevanten Jobs, dass sie zu einem Großteil von Frauen gestemmt werden. Die Krankenschwestern und Kassiererinnen halten alles am Laufen und tragen die Lasten der Krise, während sie unterbezahlt sind. Dieser Umstand verdeutlicht, dass die Stimmen vergessen werden, die nicht gehört werden. Auch die ersten Zahlen zum Homeoffice im Lockdown zeigen, dass es die Frauen sind, die neben dem eigenen Job noch den Haushalt und die Betreuung der Kinder übernehmen, damit die Männer in Ruhe arbeiten können.

Wer sind denn jetzt die Leistungsträger der Gesellschaft?

Die Coronakrise hat uns deutlich vor Augen geführt, dass für Gleichberechtigung noch viel zu tun ist und Diversität nicht nur etwas sein darf, das wir uns leisten, wenn es gerade gut läuft. Alles andere wäre nicht nur ungerecht, sondern auch eine schlechte Vorbereitung auf die nächste Krise.

Foto: Bigstock © kladyk



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