Frauen haben das gesetzliche Recht, in der Öffentlichkeit zu stillen.

Die Fachwelt ist sich einig, es gibt nichts Besseres für ein Baby, als gestillt zu werden. Die Ernährung, die Mutter-Kind-Bindung und das Immunsystem profitieren enorm. Stillen ermöglicht den besten Start der Babys in ihr Leben. Daher sollte es jeder Mutter ermöglicht werden, ihr Kind zu Stillen, wenn sie denn will und kann. Die Diskriminierung stillender Mütter, insbesondere am Arbeitsplatz, verstößt gegen EU-Recht. Dennoch gibt es immer wieder Geschichten von Frauen, die aus Cafés und anderen öffentlichen Orten hinausgeworfen werden, weil sie ihr Kind stillen. Warum wird geltendes Recht nicht umgesetzt?

Was denken unsere Leserinnen und Leser?

In manchen EU-Ländern ist das Stillen in der Öffentlichkeit nach wie vor umstritten, Frauen werden schikaniert. Kicki macht für diese Art von Belästigung eine patriarchalische Einstellung in diesen Ländern verantwortlich. Ist das richtig?

Um eine Antwort zu erhalten, haben wir Kickis Kommentar an Amy Brown, Professorin für öffentliche Gesundheit, Politik und Sozialwissenschaften an der Universität Swansea, weitergeleitet.

Ich stimme Kickizu. Es gibt Untersuchungen, die zeigen, je patriarchalischer ein Land ist und je mehr jemand frauenfeindliche oder sexistische Ansichten vertritt, desto weniger kann er ertragen, dass Frauen in der Öffentlichkeit stillen dürfen.
Wenn wir über das Stillen von Babys sprechen, geht es um Ernährung. Ich würde aber ergänzen, dass es auch um Rechte der Frauen geht, dass sie die Macht haben, ihr Baby zu stillen, wann immer sie wollen. Damit sind einige Leute nicht einverstanden. Es gefällt ihnen nicht, dass Frauen gesetzlich geschützt sind, dies zu tun. Sie haben ein Problem mit diesen Rechten und nicht unbedingt mit dem Stillen.

Wie sieht der rechtliche Schutz von Müttern, die in der Öffentlichkeit oder am Arbeitsplatz stillen, in ganz Europa aus? Sind sie stark genug?

Ich denke, aus rechtlicher Sicht ist der Schutz vorhanden. Ich meine, es ist illegal, stillende Mütter zu diskriminieren – also ist es illegal, sie zu bitten, mit dem Stillen aufzuhören, es ist illegal, sie zu bitten, woanders zu stillen, also kann man ihnen nicht sagen, dass sie auf die Toilette gehen und dort stillen sollen (denn schließlich würden wir unser Abendessen auch nicht auf einer Toilette essen). Das Problem, das wir haben, ist, dass das Gesetz vielleicht nicht unbedingt akzeptiert oder ernst genommen wird. Die Leute glauben noch immer, dass sie Mütter kritisieren können, ohne zu merken, dass sie eigentlich ein Gesetz brechen. Es ist keine Empfehlung, es ist kein Vorschlag, es ist ein Gesetz. Aber es gibt nie wirklich Gegenwind, denn es ist sehr unwahrscheinlich, dass es zu einer Art Gerichtsverfahren kommt. Es gibt auch kein Bußgeld vor Ort, zum Beispiel wenn man eine stillende Mutter kritisiert. Wir brauchen ein besseres Verständnis dafür, warum das Gesetz in Kraft ist. Es geht nicht nur um die Mutter, sondern auch um uns als Bevölkerung, weil Stillen wichtig ist.

Ist Stillen in der Öffentlichkeit akzeptiert?

Sind die Gesetze bekannt genug, um Frauen Stillen am Arbeitsplatz oder in der Öffentlichkeit zu ermöglichen? Was muss sich ändern? Schreibt uns Eure Meinung, wir geben sie weiter!

Foto: BigStock (c) vverve



9 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst Du?

  1. avatar
    Hermann

    Recht und richtig sind zwei verschiedene Dinge. Wenn sich eine Frau irgendwo im Park ein Tuch überwirft und darunter stillt, habe ich damit kein Problem. Wenn sie aber mitten im Shoppingcenter abschnallt und offen ihre sekundären Geschlechtsmerkmale rumzeigt (denn genau darum geht es hier), verletzt das mein Schamgefühl. Und das möchte ich nicht. Ich kann da nicht für Andere sprechen, aber ich möchte es nicht sehen und erwarte, dass dies respektiert wird.

  2. avatar
    Hermann

    Ah, super Einstellung. Jeder macht, was er will. Und wer es nicht mag, schaut halt weg. Denk mal weiter als bis zur Tapete und mal dir eine Welt aus, in der es so ist. Um dich rum Anarchie und Du schaust nur noch zu Boden.
    Tatsächlich ist es aber so, dass Grundregeln für gesellschaftliches Zusammenleben existieren. Und zu diesen gehört, sekundäre Geschlechtsmerkmale (oder in deinem Sprachgebrauch: Titten) nicht offen herumzutragen. Wenn Du diese Gepflogenheiten nicht akzeptabel findest, zieh in ein anderes Land.

  3. avatar
    Stefan

    on Stillen in der Öffentlichkeit zu Anarchie ist aber noch ein weiter Weg.
    Stillen in der Öffentlichkeit ist ja zum Glück nicht durch die Grundregeln für gesellschaftliches Zusammenleben verboten 🙂
    Ich wünsche noch einen schönen, unverklemmten Tag.

  4. avatar
    Hermann

    Womit wir wieder beim Eingangssatz wären: Recht und richtig sind zwei verschiedene Dinge. Danke für die Bestätigung.

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    Stefan

    😁 bleibt dann die Frage, wer entscheidet, was richtig ist.
    Was für Sie falsch ist, muss nicht für andere falsch sein.

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    Hermann

    Ähm, ich schrieb ja „Ich kann nicht für Andere sprechen…“. Aber wie schön, dass wir am Ende wieder rundgekommen sind und eigentlich nur gezeigt haben, dass Sie andere Einstellungen nicht gelten lassen wollten und nur unbedingt reinsenfen mussten…

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    Stefan

    och. Sie können meinen, was Sie möchten, das ist ein freies Land.

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    Phillip

    Es war eigentlich schon immer die Norm. Als Ami sag ichs nur ungerne, aber die Angelsächsische Prüderei hat uns diese Debatte eingebrockt

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