Ist es Zeit, zum Mond zurückzukehren?

Zuletzt war 1972 ein Mensch auf dem Mond, das liegt fast ein halbes Jahrhundert zurück. Seit kurzem ist von einem neuen „Wettlauf zum Mond“ die Rede. Der letzte wettkampfartig inszenierte Wettlauf fand in den 1950er und 1960er Jahren zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion statt. Heute gibt es noch mehr Interessenten: Die USA bekommen Konkurrenz von Russland, China, Indien, Israel und sogar privaten Firmen wie SpaceX. Warum haben sie den Mond im Visier? Präsident Kennedy sah in den 60ern einen engen Zusammenhang zwischen der Erforschung des Weltalls und globaler Vormacht. Ist da was dran?

Ist Wettbewerb überhaupt der richtige Ansatz?

Die Internationale Raumstation zeigt, was erreicht werden kann, wenn wir bei der Weltraumforschung zusammenarbeiten. Jan Wörner, der Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation, hat eine Vision für ein ständiges „Monddorf“ entworfen, das von den Nationen der Welt gemeinsam genutzt wird und als gemeinsame Anlaufstelle für die weitere Erforschung des Weltalls dient. Diese Mondstation ist (noch) kein offizielles Projekt der Europäischen Weltraumorganisation, ist es aber vielleicht der bessere Ansatz? Schließlich geht es um einen Traum der Menschheit und nicht um das Prestige einzelner.

Was denken unsere Leserinnen und Leser?

Leserin Julia fragt, wie sich ein so kostspieliges Projekt wie eine Mondstation rechtfertigen lässt, so lange es noch Armut und Arbeitslosigkeit auf der Erde gibt.

Wir fragten Sue Nelson, sie ist eine preisgekrönte Wissenschaftsjournalistin, Produzentin und Rundfunksprecherin rund um das Thema Weltraumforschung. Sie ist Ko-Redakteurin des Podcasts Space Boffins. Was antwortet sie auf Julias Kritik?

Liebe Julia, ich glaube nicht, dass es hier um entweder oder geht. Wir brauchen beides. Die Europäische Weltraumagentur bietet nur durch ihre Existenz hunderte und tausende Jobs, nicht nur für Ingenieure und Wissenschaftler, sondern auch im Marketing, der Kommunikation und Verwaltung. Gerade jetzt in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit durch das Coronavirus, wo so viele Jobs bedroht sind, sollten wir an den erfolgreichen Industriezweigen festhalten. Auch während vergangener Rezessionen war zumindest in Großbritannien die Weltraumforschung ein Bereich, der weiter erfolgreich war.

Unser Leser Chris fragt sich, was wir durch eine Mondmission gewinnen würden. Könnte es zum Beispiel natürliche Ressourcen auf dem Mond geben, die es auf der Erde nicht gibt?

Wir fragten Anna Rathman, die Leiterin der Schwedischen Weltraumagentur. Ihr könnt Ihre Initiative unterstützen, ein Legoset der Mercury 13 produzieren zu lassen, in Erinnerung an die 13 Frauen, die in den 60ern alle Tests der NASA bestanden hatten, dann aber nie ins Weltall durften.

Eines der schwierigsten Herausforderungen an einer Mondmission ist, wie man mit seinen Ressourcen haushalten kann. Alles ist begrenzt, man braucht Wasser, Wärme und Sauerstoff, um zu überleben. Das zwingt uns dazu, sehr effizient mit Ressourcen umzugehen. Angesichts der Probleme auf der Erde, können wir daher eine Menge von Weltraummissionen lernen. Sicher gibt es auch interessante Ressourcen auf dem Mond. Aber eigentlich geht es um einen Menschheitstraum. Wenn wir unseren Planeten verlassen wollen, wenn wir zu anderen Planeten wollen, ist der Mond der erste Schritt dorthin. Es werden vielleicht nicht viele Menschen auf dem Mond oder Mars leben, aber auf solchen Missionen sind wir gezwungen, sehr viel zu lernen und Herausforderungen zu meistern, das ist eine gute Sache.

Braucht Europa eine Mondstation?

Was denkt Ihr? Sollten wir uns zuallererst den Problemen auf der Erde widmen oder kann die Weltraumforschung einen wichtigen Beitrag zu deren Lösung leisten? Ist die Eroberung des Weltalls ein Menschheitstraum? Schreibt uns!

Foto: Bigstock © ADragan



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