Glaubt Ihr, dass Eure Stimme in Europa zählt?

Kritiker klagen seit langem über ein „Demokratiedefizit“ in der Europäische Union. Die politischen Strukturen sind zu kompliziert, die Entscheidungen intransparent. Brüssel scheint weit weg von Bürgern zu sein, während die europäische Gesetzgebung jeden in Europa direkt betrifft.

Wie würdet Ihr die europäische Demokratie stärken?

Brauchen wir mehr Referenden wie in der Schweiz, muss der institutionelle Rahmen der EU vereinfacht werden? Könnten Errungenschaften der digitalen Welt genutzt werden, um mehr Bürgernähe zu schaffen?

Was denken unsere Leserinnen und Leser?

Wir haben einen Kommentar von Ivan erhalten, der meint, dass frühere Bemühungen zur Verbesserung der Demokratie auf EU-Ebene gescheitert seien. Er weist auf die Europäische Bürgerinitiative hin, seit acht Jahren können Bürger Gesetzesinitiativen vorschlagen, bisher sind aber nur vier bei der Kommission erfolgreich eingereicht worden, keiner folgte ein Gesetz. Wie werden sich die zukünftigen Bemühungen unterscheiden?

Wir fragten bei der Vizepräsidentin der Europäischen Kommission und Kommissarin für Demokratie und Demografie nach. Was sagt Dubravka Šuica zu Ivans Einschätzung?

Ich will betonen, dass die Europäische Bürgerinitiative ein sehr wichtiges Instrument für Demokratie in der Europäischen Union. Es ist überhaupt das erste transnationale Instrument partizipativer Demokratie, das den Bürgern erlaubt, die politische Agenda der EU zu beeinflussen. Zurzeit sind 72 Initiativen registriert und 97 weitere im Prozess der Registrierung. Diese werden auf der höchsten politischen Ebene diskutiert. Erst vor zwei Wochen haben wir bei einem unserer Kommissionstreffen eine Initiative diskutiert. Die Right2Water Kampagne ist auch ein gutes Beispiel, wie die Bürgerinitiative funktioniert. 2019 haben der Rat und das Parlament eine Richtlinie zu Trinkwasser verabschiedet, die auf der Bürgerinitiative basierte. Es gibt natürlich Einschränkungen, die Kommission kann auch ablehnen, eine Bürgerinitiative aufzugreifen. Daher arbeiten wir an neuen Möglichkeiten.

Unsere Leserin Terezia sieht die Verantwortung wiederum bei den nationalen Regierungen. Sie meint, dass Ungarn und Polen grundlegende europäische demokratische Prinzipien verletzen, so werde die Demokratie auch auf EU-Ebene ausgehöhlt.

Wir fragten Didier Reynders, den Europäischen Kommissar für Justiz, der über die Rechtsstaatlichkeit in der gesamten EU wacht. Was hält er von Terezias Anmerkung?

Wir haben Möglichkeiten zu reagieren, zum Beispiel mit dem Vertragsverletzungsverfahren. Diese werden auch genutzt. Die letzte aber auch die amtierende Kommission hat zum Beispiel Vertragsverletzungsverfahren gegen Polens Disziplinarmaßnahmen gegen Richter eingeleitet. Wir werden uns auch weiter an den Europäischen Gerichtshof wenden, wenn es notwendig sein sollte. Letztendlich, hat der Gerichtshof über die Einhaltung unserer Gesetze zu entscheiden. Darüber hinaus gibt es aber auch das Mittel des politischen Drucks. Wir stehen im Dialog mit den nationalen Regierungen. Zuletzt ging es zum Beispiel um die Präsidentschaftswahlen in Polen. Es gab Schwierigkeiten bei der Organisation der Wahlen, nach massiver interner aber auch externer Kritik, wurden die Wahlen verschoben. Um Artikel 7 einleiten zu könne, braichen wir Einstimmigkeit oer die qualifizierte Mehrheit, das ist natürlich ein Problem, da hat die Leserin recht! Daher will die Kommission Subventionen von der Rechtsstaatlichkeit im Land abhängig machen. Ich hoffe, das wird bald umgesetzt.

Wie können wir die EU demokratischer machen?

Ist das Problem auf nationaler oder europäischer Ebene anzupacken? Was sollte sich dringend ändern? Schreibt uns Eure Meinung!

Foto: Bigstock © melis; Portraits: Šuica & Reynders (cc) Wikipedia



24 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst Du?

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    Anne

    was wäre die EU ohne dem Goldesel Deutschland nichts sie würde sich ohne unserem Geld auflösen ,und das wäre gut

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    frequenz5861

    „Wie können wir die EU demokratischer machen?“
    Durch die europäisch demokratische Republic wie von Prof. Ulrike Guerot beschrieben, die Überwindung der Nationalstaaten. Der einzige logische Weg der demokratischen Kultur der Europäer One Man On Vote
    ansonst hat Nigel Farage recht he is not in control all europeans are not in control.

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      Sascha

      An sich halte ich wenig von nationalstaatlichen Rahmen, weder so wie wir es jetzt haben noch auf europäischer Ebene. Allerdings stimmt es das wenn wir vom gegenwärtigen ist der Ansatz von Prof. Ulrike Guerot ein möglicher Ansatz wäre der die Europäische Union voranbringen könnte. Wobei es in meinen Augen auch andere mögliche Ansätze gibt.

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    Jan

    Frau von der Leyen absetzten und Volksentscheide Europa weit. Das würde mal Glaubwürdigkeit schaffen.

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      Hans

      Volksendscheid zur Abschaffung AfD/NPD wäre cool.

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    Aaron

    Durch austreten und jeder Land für sich weiter gehen, wie die Engländer!!! DEXIT !!!!

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      Stephan

      Ja, die Jahrhunderte vor der EU waren sehr toll. Für die Rüstungs- und Sargindustrie.

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    Stephan

    Abschaffung der Mitbestimmung der Länder, EU-Parlament endlich nicht mehr nach Staaten wählen und Initiativrecht geben.

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    Thomas

    Zurück auf Los
    Aufgaben auf ein Minimum reduzieren
    Keine Parteien
    Kandidaten müssen als freie, natürliche Personen antreten
    Direkte Wahl der Landesvertreter und Führungskräfte

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      Roland

      Genau nur das bringt Gerechtigkeit!

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    Roland

    Dieses „Bevölkerungsschutzgesetz“ ist nichts weiter als en Sklavenregelgesetz.

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    Paul

    Die EU hat es verpasst, bei lauter Regulierung und Wirtschaftspushing die Menschen mit einzubeziehen! Die Erweiterung lief auch zu schnell… In guten Zeiten, jetzt in schlechten Zeiten kann das Ruder kaum noch umgedreht werden….

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    Henning

    Die Demokratie muss sich vollkommen neu in allen Belangen Ihrer Effizienz o Nichteffizienz überdenken- Dieses Geschaeftsmodell hat durch starke asiatische autokratische Ausrichtungen gegenueber westlichen Demokratien eine neue Konkurrenzsituation zu überblicken.

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    Christian

    Zurück zu den 80 er , keine Eu wieder EG Staaten.

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    Adam

    Die EU sollte mit den Besten der Besten besetzt werden und nicht mit dem Ausschuss aus allen Parteien.
    Auch sollte sich die EU aus allem strittigen Themen heraus halten wie Klima und Autos.
    Das wird sonst der Untergang der EU werden.
    Die ich insgesamt gut finde.

  12. avatar
    Peter

    Electoral college bei Europawahlen.

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    Thorsten

    Ich finde das Einstimmigkeitsprinzip hat sich leider oft als problem bei der Mehrheitsfiundung dargestellt und führte dann zu einer ungleichen Machtgewichtung von sehr wenigen Entscheidern. Ich würde mir wünschen, das sich das in Zukunft ändert.

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    Martin

    Das sollte man Frau von der Leyen fragen.

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    Günther

    Ist doch einfach: Volksabstimmungen, mindestens zu den größten Themen!
    Wollen wir wirklich….
    – den Green Deal?
    – den Verbrennungsmotor abschaffen?
    – die gesamte EU bis 2050 klimaneutral?
    – neue Mitglieder in die EU aufnehmen?
    – Immer mehr Geld nach Brüssel überweisen?
    – etc. etc.

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    Dino

    In dem man den Wasserkopf und Mittesser (EU) wegrationalisiert um nicht zu sagen auflöst und jedes Europäische Land hat schon seinen eigenen Wasserkopf und Politiker vor der EU gehabt und es lief für Deutschland 🇩🇪 besser. Wir sollten es Demokratisch machen wie England 🏴󠁧󠁢󠁥󠁮󠁧󠁿 raus aus den Haufen von Nutznießer und mitverdiener.
    Jedes Land sollte sich selbst tragen und nicht wie es jetzt läuft ! Baltische Staaten mit durchziehen und die machen hier krumme Geschäfte,Plünderei das System wie es geführt wird Ausbeuten. Jeder Bürger Deutschland sollte das Recht haben eine Abstimmung über die Weiterführung der EU mit zu bestimmen. Es wurde damals vorsätzlich das Deutsche Volk getäuscht und nicht mit einbezogen zu einer EU Zustimmung. Verlogene Politik und Bürokratie!

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