Gibt es eine „Infodemie“?

Im Internet findet sich sicher viel Unsinn zum Coronavirus. Von gefälschten Heilmitteln bis hin zu Menschen, die versuchen, 5G-Masten niederzubrennen, können falsche Informationen aber auch Folgen in der realen Welt haben. Tatsächlich hat die Europäische Kommission China und Russland vorgeworfen, COVID-19-Fehlinformationen zu verbreiten, um Europa zu destabilisieren. Andere triebt der Profit, falsche Heilsversprechen zu verbreiten. Wie gefährlich können Fake News sein?

Was denken unsere Leserinnen und Leser?

Wir haben einen Kommentar von Corinne erhalten, die auf ein Interview von Debating Europe mit dem Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation reagiert hat. Er sagte: „Falsche Nachrichten verbreiten sich schneller und leichter als dieses Virus und sind genauso gefährlich.“ Ist das richtig?

Um eine Antwort zu erhalten, sprachen wir mit Daniel Braun, dem stellvertretenden Kabinettschef der Vizepräsidentin der EU-Kommission Věra Jourová. Zu seinem Ressort gehört die Bekämpfung von Fehlinformationen und gefälschten Nachrichten, wie schätzt er die Situation ein?

Es gab schon immer Lügen, in Bezug auf Corona haben wir aber ein sehr facettenreiches, vielschichtiges Problem mit der „Infodemie“, wie sie die WHO nennt. Es gibt Verschwörungstheorien, Falschinformationen und Streiche; Studien deuten darauf hin, dass sie gesundheitsbezogenes Verhalten beeinflussen können. Das kann die öffentlichen Gesundheitsmaßnahmen untergraben und dadurch die Gesundheit gefährden. Darüber hinaus werden Verbraucher getäuscht und wir sehen vermehrt Cybercrime, manch ein Staat versucht sogar, sich einen Vorteil aus der Situation zu verschaffen. Die Coronapandemie schafft einen Nährboden für Falschinformationen, wie es jede Krise tut. Was in diesem Fall jedoch noch schwerwiegender ist, dass die Menschen verzweifelt nach Informationen suchen und diese Unsicherheit nicht aushalten. Das schafft natürlich Gelegenheit für Fake News.

Leser Antonio ist wiederum der Meinung, dass wir besser in die Bildung der nächsten Generation investieren sollten. Auf diese Weise werden schon junge Menschen gegen diese Art von Propaganda „immunisiert“. Ist Medienkompetenz letztlich der einzig wirksame Weg, um Fehlinformationen zu bekämpfen?

Wir haben bei Lia Quartapelle nachgefragt. Sie ist ein Mitglied der italienischen Abgeordnetenkammer mit der Mitte-Links-Demokratischen Partei (und eine der European Young Leaders). Sie sprach bei einer Online-Veranstaltung des Atlantic Council und Friends of Europe über die Auswirkungen ausländischer Desinformationskampagnen in Europa. Stimmt sie Antonio zu?

Einige Maßnahmen wurden bereits von den Sozialen Medien ergriffen, wir sollten jedoch noch enger mit den Plattformen zusammenarbeiten. Es sollte den Nutzern klar werden, was richtige Nachrichten aus einer vertrauenswürdigen Quelle sind und was ein Blog oder etwas ganz anderes ist.

Natürlich sollten wir auch Kinder in Medienkompetenz schulen. Immer mehr Bildung findet online statt, das ist eine gute Gelegenheit, die Kinder auch auf den Umgang mit Sozialen Medien vorzubereiten. Sie sind schließlich immer häufiger online.

Können Fake News lebensbedrohlich sein?

Es ist sicher viel Unsinn über Corona im Internet zu finden, sind diese Fehlinformationen aber auch gefährlich? Was denkt Ihr? Schreibt uns!

Foto: Unsplash (cc) Markus Spiske 



3 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkt Ihr?

  1. avatar
    Heinrich

    Nein. Wer recherchiert erkennt die Fake News.

  2. avatar
    Phillip

    Fehlinformationen über potentiell tödliche Sachen sind auch potentiell tödlich

  3. avatar
    Meinung

    ja, können sie in krassen Fällen natürlich. Bedenklich und potenziell noch gefährlicher aber auch die Gründe, warum sich sowas derart verbreitet.

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