Eine Statue von Leopold II in Brüssel

Überall in Europa fallen Statuen

Nach dem gewaltsamen Tod George Floyds in den USA diskutiert auch Europa, wie präsent Rassismus in der Gesellschaft ist – vor allem auch, was die Wurzel des Übels ist. Viele Nationen in Europa hatten Kolonien. Dieser Besitzanspruch wurde damit gerechtfertigt, dass Europäer über der einheimischen Bevölkerung stünden. Bis heute wird Vertretern dieser Gesinnung zum Beispiel durch Statuen gedacht. Ist es an der Zeit, sich diesen Relikten aus unserer Vergangenheit zu stellen?

Man kann die Geschichte nicht auslöschen.

Kritiker wenden ein, dass kaum etwas wieder gut gemacht wird, wenn Statuen fallen und wir einfach vergessen, was in den Kolonien geschehen ist, dass Verbrechen wie Sklavenhandel verübt wurden. Andererseits ist eine Statue kein Mahnmal, sondern ein Ehrenmal. Dürfen Profiteure des Sklavenhandels und Rassisten heute noch im öffentlichen Raum verehrt werden?

Eine Statue ist kein Mahnmal.

Deutschlands Kolonialgeschichte ist oft ein blinder Fleck der Erinnerungskultur. Bis heute gedenken Straßennamen und Plätze Kolonialverbrechern. Sicherlich ist es wichtiger, gegen aktuelle Diskriminierung vorzugehen, Deutschlands Geschichtsaufarbeitung hat sich zu Recht lange auf die Verbrechen der Nationalsozialisten konzentriert. Dadurch wäre eine „Hitlerstraße“ heute undenkbar, warum hinterfragen wir aber nicht auch die „Mohrenstraße“?

Osteuropa hat nach dem Fall der Sowjetunion die meisten Lenin und Stalin Statuen aus den öffentlichen Räumen entfernt – in Tallin gibt es einen berühmten Statuenfriedhof. Im britischen Bristol haben Demonstranten die Statue des Sklavenhändlers Colston kurzerhand im Hafen versenkt und damit eine Debatte angeregt, wie mit dem kolonialen Erbe umgegangen werden soll. Auch in Belgien gibt es einen Sturm auf die Statuen von König Leopold II, rote Farbe und abgeschlagene Hände symbolisieren das Leid und den Tod der Kongolesen unter seiner Herrschaft. Die Niederlande bringen wiederum seit einigen Jahren Informationstafeln an umstrittene Denkmäler an, um sie in den historisch korrekten Kontext zu stellen. Sollten andere Länder ihrem Beispiel folgen?

Wie soll Europa mit seiner Vergangenheit umgehen?

Jeder sollte sich im öffentlichen Raum wohl fühlen, was für eine Botschaft senden Denkmäler, die Sklavenhändler und Rassisten verehren? Sollten umstrittene Statuen und Straßennamen entfernt werden? Sollten Gedenktafeln angebracht werden, um sie in einen historischen Kontext zu stellen? Wie sollen wir entscheiden, welche öffentlichen Denkmäler unbedenklich sind? Und was geschieht, wenn es dazu Meinungsverschiedenheiten gibt?

Foto: Flickr (cc) Antonio Ponte



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