
Die Regelungen zu Cannabis sind in der Europäischen Union sehr unterschiedlich
In Deutschland kann Cannabis von einem Arzt verschrieben werden, Irland und Dänemark führen derzeit medizinische Studien durch, um über den Einsatz von Cannabis in der Medizin zu entscheiden, während andere Mitgliedsländer wie Bulgarien, Ungarn, Lettland, die Slowakei und Schweden Cannabinoide komplett verbieten.
Was spricht dafür, was dagegen?
Die Studienlage weist darauf hin, dass Patienten mit chronischen Schmerzen, Epilepsie, Übelkeit nach Chemotherapien sowie Appetitsteigerung bei HIV/AID durch Cannabis als Medizin geholfen werden kann. Dennoch sind Cannabinoide kein Allheilmittel und auch in Deutschland schränkt die Gesetzeslage den Einsatz stark ein. Es kommen nur schwerkranke Patienten in Frage, bei denen alternative Therapien keine Linderung versprechen.
Kritiker befürchten, dass die Legalisierung von Marihuana für medizinische Zwecke zu einer vollständigen Legalisierung für den Freizeitkonsum führen könnte. Sie argumentieren auch, dass es genug Alternativen gibt, mit denen Patienten erfolgreich behandelt werden können.
Was denken unsere Leserinnen und Leser?
Wir haben einen Kommentar von Ian erhalten, der sagt: „Legalisieren Sie zumindest die medizinische Forschung zu Cannabis, die auf Schmerzlinderung abzielt, und den Gebrauch von Cannabisprodukten, die auf Schmerzlinderung abzielen. Zumindest das. Was nützt es, eine potenzielle Behandlung zu haben, die wahrscheinlich sogar weniger schädlich ist als Opioide, wenn man sie aufgrund von Vorurteilen nicht einsetzt?“
Um eine Antwort zu erhalten, haben wir Ians Kommentar an Sita Schubert, Gründerin und Generalsekretärin der European Medicinal Cannabis Association (EUMCA), weitergeleitet. Wird Cannabis in Zukunft für die Schmerzbehandlung eingesetzt?
Ja, ich denke, das wird passieren. Wir haben bereits einen langen Weg zurückgelegt seit der Zeit, als die medizinische Wirkung von Cannabis noch völlig unerkannt war und die Schlagzeilen voller Schauergeschichten waren. Glücklicherweise ist dies vorbei.
Die medizinischen Möglichkeiten dieser außergewöhnlichen Pflanze werden inzwischen anerkannt, und Forscher und Unternehmen haben die Gelegenheit, sich eingehend mit den Vorteilen für die Patienten zu befassen. Seit Jahren haben unsere Mitglieder – Hersteller und Züchter von medizinischem Cannabis – Forschung und klinische Studien finanziert, um eine Fülle von Daten und klinischen Erkenntnissen über die Sicherheit und Wirksamkeit von medizinischem Cannabis zu gewinnen.
Unsere Leserin Emma macht sich wiederum Sorgen, ob die die Legalisierung von Cannabis für medizinische Zwecke nicht den Weg für eine vollständige Legalisierung ebnet. Hat sie recht?
Wir sind uns bewusst, dass andere Länder die Entwicklungen in Deutschland beobachten; die Datenbank vom Bundesinstitut für Arzneimittel verweist aber nur auf sehr wenige unerwünschte Nebenwirkungen. Das wird sicher helfen, gute Argumente für die Legalisierung zu finden. Aber wir dürfen hier nicht Äpfel mit Birnen vergleichen: Es geht um die Behandlung von Patienten mit medizinischem Cannabis in einem klinischen Kontext. Zum einen ist medizinischer Cannabis ein Produkt, das nach hohen pharmazeutischen Standards hergestellt wurde.
Zweitens wird das Produkt dem Patienten nur nach strenger Prüfung durch den Arzt verschrieben. Das bedeutet, dass der Arzt seinen Patienten sehr gut kennt und eine optimale Behandlung für ihn auswählt, wobei z.B. die Schmerzbehandlung oft mit niedrigen Dosen als Ausgangspunkt beginnt. Erst wenn der Patient diese gut verträgt und die Schmerztherapie höhere Dosen erfordert, geht der Arzt entsprechend auf den Patienten ein. Die Behandlung wird vom Arzt genau überwacht.
Drittens ist der Apotheker ein Experte für die Zubereitung des Medikaments und den wirksamen Inhalt und hält wichtige pharmazeutische Regeln ein. Wir sprechen von einem Arzneimittel.
Sie sehen, ein Vergleich mit dem Freizeitgebrauch ist nicht möglich. Denn beim Freizeitgebrauch ist Qualität eher ein Gefühl und kann nicht kontrolliert werden. Inwieweit eine Privatperson die Gesundheitsrisiken einer psychotropen Substanz für sich selbst einschätzen kann, bleibt eine offene Frage.
Mir sind natürlich Vergleiche mit dem Alkoholkonsum bekannt. Aber wir leben auch seit Jahrhunderten mit den schädlichen Folgen des Alkoholkonsums – und das nicht auf die beste Art und Weise. Sollen wir wirklich noch einen weiteren hinzufügen? Wir sehen in der generellen Legalisierung von Cannabisprodukten eine ernsthafte Gefahr für das Gesundheitswesen.
Sollte Cannabis als Medizin in der EU legalisiert werden?
Kann man klar zwischen dem Medizinprodukt und der Droge unterscheiden? Sollte das Patientenwohl an erster Stelle stehen oder sind die gesellschaftlichen Auswirkungen noch nicht abzuschätzen? Was könnten die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen sein? Schreibt uns Eure Kommentare, wir geben sie an die politischen Entscheidungsträger und Experten weiter!
Foto: BigStock © Tinnakorn
Ja, ich denke, das wird passieren. Wir haben bereits einen langen Weg zurückgelegt seit der Zeit, als die medizinische Wirkung von Cannabis noch völlig unerkannt war und die Schlagzeilen voller Schauergeschichten waren. Glücklicherweise ist dies vorbei.
One Kommentare Schreib einen KommentarKommentare
Ja ist überfällig. Ebenso bei den anderen illegalen Substanzen. Die Wissenschaft ist dazu auch mehrheitlich einer Meinung.