Wie ist Chinas Umgang mit dem Coronavirus zu bewerten?

Mussolini hat die Züge pünktlich fahren lassen und Hitler hat die Autobahn gebaut

Die Mythen zur Effizienz des Faschismus tauchten erstmals in den 1920er Jahren auf – sie waren aber immer Propaganda. Trotzdem fällt es Demokratien bis heute schwer, ihre Abstimmungsprozesse zu rechtfertigen. Sind sie mit ihrer Entscheidungsfindung langsamer und weniger effizient oder werden die Entscheidungen nicht eher besser, wenn möglichst viele Betroffene mitreden dürfen?

War Chinas Coronavirus-Reaktion erfolgreicher als Europas?

Da die Welt gerade gegen eine globale Pandemie kämpft, werden automatisch Vergleiche gezogen. In Schweden wird Kritik laut, aus Rücksicht auf das Freiheitsbedürfnis der Bevölkerung zu lax gegen das Virus vorgegangen zu sein. Schwedens Regierung setzte auf viele freiwillige Maßnahmen während das straff geführte China einen rigorosen Lockdown durchsetzte. Andererseits hat das demokratische Neuseeland nach jetzigem Stand als erstes Land das Virus besiegt. Kann man Effizienz auf die Staatsform zurückführen?

Was denken unsere Leserinnen und Leser?

Wasim sieht die Reaktion Chinas auf das Coronavirus sehr kritisch, instinktiv unterdrücke das Land unangenehme Meldungen, was generell die Reaktion autoritärer Staaten sei. Als Folge habe das Virus zu einer Pandemie werden können. Hat er recht? Reagieren Demokratien besser auf Krisen als Diktaturen?

Wir fragten bei Professor Sheri Berman nach, die am Barnard College der Columbia Universität die unterschiedlichen Reaktionen von Demokratien und autoritären Regimen auf die COVID-19-Pandemie untersucht. Was sagt sie zu Wassims Kommentar?

Das ist eine tolle Frage. Chinas erste Reaktion auf das Virus zeigt in der Tat, die Schwächen von Diktaturen und die potentiellen Stärken von Demokratien. Zuerst gab es in China zu wenig Transparenz, es war sehr schwierig herauszufinden, was in dem Land eigentlich los war, da sowohl nationale als auch lokale Beamte versuchten, den Ernst der Lage herunterzuspielen. Darüber hinaus versuchten sich Verantwortliche vor Ort gegenüber der nationalen Ebene möglichst positiv darzustellen. In China wurden also Informationen unterdrückt und die lokalen Behörden fühlten sich mehr ihren Vorgesetzten gegenüber verpflichtet als den Betroffenen vor Ort. Diese Kombination ist pathologisch für autoritäre Regime. Demokratien sollten genau andersherum funktionieren: Informationen sollten frei zugänglich sein und die Beamten vor Ort sollten sich der Bevölkerung gegenüber verantwortlich fühlen. Diese beiden Punkte sollten Stärken von Demokratien sein. Wir haben aber in den letzten Monaten beobachten müssen, dass diese Stärken nicht in jeder Demokratie zu finden sind.

Sind Diktaturen effizienter als Demokratien?

Hat China seine Corona-Reaktion falsch gehandhabt, weil es ein autoritär geführtes Land ist? Oder konnte die Regierung besser durchgreifen, da demokratische Teilhabe nicht vorgesehen ist? Schreibt uns, wir werden Eure Kommentare an politische Entscheidungsträger und Experten weiterleiten!

Foto: BigStock (c) jiawangkun; Portrait: Wikipedia (cc) Center for the Study of Europe Boston University



3 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst Du?

  1. avatar
    Marcel

    … Eine repräsentative Demokratie ist keine echte Demokratie. Allerdings sollte man sich wohl kaum an Diktaturen ein Beispiel nehmen, weil sie offenbar in einigen Ansätzen besser funktionieren. (z.B. wie man Menschen am besten kontrolliert)
    Aufklärung statt Verbote und Vorschriften sollte für ein fortschrittliches Land an erster Stelle stehen.
    Zum „instinktiven Unterdrücken unangenehmer Meldungen“ bzw. der Diffamierung von geäußerten Meinungen steht jedenfalls so manche europäische „Demokratie“ China bereits in nichts mehr nach. #NetzDG

  2. avatar
    Florian

    Was denkt ihr denn? Wo steht ihr eigentlich?

  3. avatar
    _sleepingkogoro_

    Eine Diktatur ist nie eine Alternative zur Demokratie! Egal wie lange manche Entscheidungsfindungen dauern!

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