
Wie lange sollten Produkte halten?
Billige Waren, die sich schnell abnutzen, sind eindeutig schlecht für die Umwelt. Aber auch teure Produkte sind nicht mehr für die Ewigkeit bestimmt. Viele Firmen haben es zum Geschäftsmodell gemacht, dass jede Saison ein brandneues Produkt vorgestellt wird. Das EU-Recht sieht derzeit eine Mindestverbrauchergarantie von zwei Jahren für Produkte vor. Es ist immer ärgerlich, wenn ein Handy oder eine Waschmaschine kurz nach Ablauf der Garantiezeit kaputt geht, manch einer vermutet sogar Absicht. Würde eine Garantiezeit von fünf Jahren den richtigen Anreiz setzen, langlebige Produkte zu produzieren?
Was denken unsere Leserinnen und Leser?
Wir haben einen Kommentar von Ellen erhalten, die meint, dass wir alle weniger verbrauchen und mehr recyceln sollten. Würden längere Produktgarantien uns helfen, dieses Ziel zu erreichen?
Wir baten Cosima Dannoritzer, unsere Leserfrage zu beantworten. Als Regisseurin und Drehbuchautorin ist sie mit ihrem mehrfach preisgekrönten Dokumentarfilm „Kaufen für die Müllhalde“ der Frage nachgegangen, ob die Lebensdauer von Produkten mit Absicht verkürzt wird. Was hält sie von der Idee, eine 5-Jahres-Garantie einzuführen?
Vielen Dank für deine Frage, Ellen. Ich stimme dir voll zu, eine längere Garantiezeit könnte wirklich dazu beitragen, die Qualität einiger Produkte zu verbessern. Aber ich bin nicht davon überzeugt, dass eine lange Garantiezeit auf alle Arten von Produkten angewendet werden kann. Bei recht langlebigen Produkten wie Stühlen oder Tischen kann das funktionieren, man kann bessere Materialien verwenden und solide verbauen. Bei Elektronik entwickelt sich die Technologie dagegen ständig weiter, das geht schneller als alle fünf Jahre. Gleichzeitig muss man genau bei dieser Art von Produkten an den ökologischen Fußabdruck denken. Schon die Produktion ist mit vielen Schadstoffen verbunden, die Produkte selbst enthalten toxische Stoffe. Wenn das einmal geschehen ist, sollte man aus diesen Produkten alles herausholen und möglichst lange an ihnen festhalten.
Daher würde ich einen kombinierten Ansatz mit längeren Garantiezeiten bei gleichzeitigem Recht auf Reparatur vorschlagen. Wir sollten zum Beispiel sicherstellen, dass Ersatzteile länger verfügbar sind, dass es Gebrauchsanweisungen gibt und dass man die Produkte tatsächlich aufschrauben kann und darf. Das ist eine Frage des Designs aber auch der Garantieleistung, die in manchen Fällen null und nichtig wird, wenn man selbst versucht, das Produkt zu reparieren. Das kann der Gesetzgeber ändern. Ich würde die Garantiezeiten mit anderen Maßnahmen kombinieren, das könnte zu einer längeren Lebensdauer und besseren Qualität der Produkte führen.
Wir erhielten auch einen Kommentar von Rumy, der besorgt ist, dass eine längere Garantie die Industrie „töten“ könnte. Er fragt pointiert: „Was planen Sie mit den Arbeitslosen zu tun?“
Um eine Antwort auf Rumys Kritik zu erhalten, sprachen wir mit Stefan Sipka, Analyst für Umweltpolitik am European Policy Centre, einem in Brüssel ansässigen Think Tank für EU-Politik. Was sagt er über die Folgen von erweiterten Produktgarantien?
Wir befinden uns in einer Übergangsphase zu mehr Nachhaltigkeit. Dafür müssen Produkte definitiv langlebiger werden. Es ist aber auch richtig, dass wir die Folgen abschätzen müssen, bevor wir bestimmte Gesetze verabschieden – sei es auf nationaler oder transnationaler Ebene. Denn wir müssen sicherstellen, negative Auswirkungen bestimmter Interventionen zu minimieren. Viel hängt von dem Geschäftsmodell eines Unternehmens ab, sie befinden sich mit ihren Technologien in einem globalen Wettbewerb. Wir können in unseren Ländern einiges regulieren, es haben aber nicht alle Länder notwendigerweise die gleichen Standards wie wir. Wir sollten mit unserem Urteil umsichtig sein, die sozialen Auswirkungen durch den Verlust von Arbeitsplätzen und auch die Auswirkungen auf die Innovation selbst sind von Fall zu Fall zu berücksichtigen.
Die längere Haltbarkeit von Produkten ist aber die Denkweise vorwärts, denn so können wir tatsächlich unsere Emissionen und Verschmutzung reduzieren.
Sollte es 5 Jahre Garantie auf Produkte geben?
Wäre solch eine Maßnahme ein wirksames Mittel gegen unsere Wegwerfgesellschaft oder schädlich für Wirtschaft und Innovation? Würdest Du ein Recht auf Reparatur nutzen? Was ist deine Meinung?
Foto: Flickr (cc) Curtis Palmer; Portrait: Sipka (c) EPC
Vielen Dank für deine Frage, Ellen. Ich stimme dir voll zu, eine längere Garantiezeit könnte wirklich dazu beitragen, die Qualität einiger Produkte zu verbessern. Aber ich bin nicht davon überzeugt, dass eine lange Garantiezeit auf alle Arten von Produkten angewendet werden kann. Bei recht langlebigen Produkten wie Stühlen oder Tischen kann das funktionieren, man kann bessere Materialien verwenden und solide verbauen. Bei Elektronik entwickelt sich die Technologie dagegen ständig weiter, das geht schneller als alle fünf Jahre. Gleichzeitig muss man genau bei dieser Art von Produkten an den ökologischen Fußabdruck denken. Schon die Produktion ist mit vielen Schadstoffen verbunden, die Produkte selbst enthalten toxische Stoffe. Wenn das einmal geschehen ist, sollte man aus diesen Produkten alles herausholen und möglichst lange an ihnen festhalten.
Wir befinden uns in einer Übergangsphase zu mehr Nachhaltigkeit. Dafür müssen Produkte definitiv langlebiger werden. Es ist aber auch richtig, dass wir die Folgen abschätzen müssen, bevor wir bestimmte Gesetze verabschieden – sei es auf nationaler oder transnationaler Ebene. Denn wir müssen sicherstellen, negative Auswirkungen bestimmter Interventionen zu minimieren. Viel hängt von dem Geschäftsmodell eines Unternehmens ab, sie befinden sich mit ihren Technologien in einem globalen Wettbewerb. Wir können in unseren Ländern einiges regulieren, es haben aber nicht alle Länder notwendigerweise die gleichen Standards wie wir. Wir sollten mit unserem Urteil umsichtig sein, die sozialen Auswirkungen durch den Verlust von Arbeitsplätzen und auch die Auswirkungen auf die Innovation selbst sind von Fall zu Fall zu berücksichtigen.
7 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare
Ist tatsächlich von Garantie die Rede? Garantie gibt es in vielen Fällen bereits heute die Möglichkeit auf 3,4 oder 5 Jahre zu erweitern.
Sollte Gewährleistung gemeint sein, fände ich es überlegenswert für verschiedene Produkte auch verschiedene Fristen für die Beweisumkehr zu setzten (zum Beispiel, gemessen an zu erwartenden Lebenszyklen).
Ja, unbedingt! Wir werfen zuviel weg!
Niemals, niiieeeemals wird die Industrie und ihre Lobby zulassen, dass so etwas eingeführt wird. Und sollten wir doch mal eine Regierung bekommen, die populistisch genug handelt, wird eben durch Einflussnahme und Destabilisierung ein neuer Krieg inszeniert. Warum? Weil der Handel florieren muss. Nur so als Hinweis, damit ihr begreift, WER bei uns die Strippen zieht.
10 years at least on washing. Machines and tumblers etc etc
Meint ihr tatsächlich Garantie oder Gewährleistung? Es gibt ja schon einige, bei denen man die Garantie auf 5 Jahre verlängern kann. 🤷🏼♂️
Ein Problem ist die Wirtschaft. Wir brauchen Konsum um Arbeitsplätze zu erhalten. Wenn Produkte länger halten, kauft man weniger und dadurch wieder werden weniger Menschen gebraucht. Das ist ein Problem, ein anderes ist Quantität, um günstige Preise bieten zu können wird auf Masse produziert, wenn nun Produkte länger halten muss weniger produziert werden, die Kosten pro Produkt steigen (ist in jedem Wirtschaftsunterricht behandelt worden), die Preise steigen, aber ob das Produkt dann wirklich so lange hält ist gerade bei technischen Produkten nicht einfach durch Wärme Prozesse der Alterung auftreten.
Es gibt viele Möglichkeiten Arbeitsplätze zu erhalten die Wegwerfmentalität vermüllt den Planeten. Moderne Produktion wird Arbeitsplätze vernichten. Eine Neuordnung der Lebensform wird unausweichlich sein.