
Am 8. Mai jährt sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 75. Mal
Heute feiern wir das Kriegsende als Befreiung von Krieg und Nationalsozialismus, in Berlin ist der Tag in diesem Jahr sogar gesetzlicher Feiertag. Die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano hatte mit einem offenen Brief an den Bundespräsidenten und die Kanzlerin Anfang dieses Jahrs gefordert, den Tag bundesweit als Feiertag zu begehen. Damit hat sie eine Debatte über Deutschlands Erinnerungskultur angeregt und auch viel Zustimmung erhalten. Bisher hat sich der Vorschlag nicht durchsetzen können, warum eigentlich nicht?
Das Kriegsende wurde durch die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht besiegelt.
Zur „Stunde Null“ war den meisten nicht zum Feiern zu Mute. Deutschland war zerstört, Zehntausende auf der Flucht und Millionen Tote zu beklagen. Es galt die Gegenwart zu überleben, während es kaum Zeit für die Vergangenheit oder Zukunft gab. Frankreich, die Niederlande und Russland begehen in dieser Woche Feiertage, um das Kriegsende zu feiern. Sie haben viele Opfer gebracht, um den Eroberungskrieg der Nationalsozialisten zu stoppen und das Morden in Konzentrationslagern zu beenden. Dabei darf nicht vergessen werden, dass die meisten Deutschen gegen ihren Willen befreit wurden und das Nazi-Regime bis zum Schluss mitgetragen haben. Ist daher ein Feiertag angemessen?
Wir können sicher feiern, dass wir heute in einem freien Land leben.
Gleichzeitig gilt es, die deutsche Erinnerungskultur zu pflegen. Das Kriegsende kann wohl kaum unabhängig vom Kriegsbeginn und vor allem den Verbrechen während des Krieges betrachtet werden. Zumindest in Westdeutschland läutete vor allem die Rede von Bundespräsident Richard von Weizsäcker am 8. Mai 1985 einen neuen Umgang mit dem bedeutenden Datum ein. Es sollte nicht mehr Deutschlands Niederlage, sondern seine Befreiung von Krieg und Diktatur dominieren. Seither ist das Datum ein Reizthema der Rechten. Mit Fackelaufmärschen und Parolen wollen sie historisch verdrehen, wer im Zweiten Weltkrieg Opfer und Täter war. Daran hat sich in diesem Jahr auch die verzweifelte AfD erinnert, die angesichts der Corona-Pandemie nicht mehr mit ihren üblichen Themen punkten kann. So betrauert Fraktionschef Alexander Gauland den Tag als „absolute Niederlage“ und den „Verlust von Gestaltungsmöglichkeit“. Dabei lässt er natürlich offen, was Deutschlands Naziführung nach sechs Jahren Krieg und Holocaust als nächstes hätte gestalten wollen.
Sollte das Ende des Zweiten Weltkriegs ein Feiertag werden?
Ist ein Gedenken der Opfer angemessener oder sollten wir gemeinsam mit den Siegern das Kriegsende feiern? Was denkt Ihr?
Foto: Wikipedia (cc) PD-USGov-Military-Army
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In Europa ist der 8. Mai doch schon lange ein Feiertag. In Deutschland hingegen sollte es ein Tag des stillen Gedenkens sein.