Jeder trägt seinen Teil zum Kapitalismus bei.

Stößt das versprochene Wachstum an seine Grenzen?

Für unsere moderne Wirtschaft gilt, dass dem Wachstum keine Grenzen gesetzt sind. Jedes Jahr erwarten wir von Firmen wie Staaten, das die Bilanz stetig besser wird. Ist das aber möglich? Bereits in den 1970er Jahren warnte der Club of Rome vor den Konsequenzen des Kapitalismus, wie bei Investitionsblasen muss das stetige Wachstum irgendwann zusammenbrechen, da die Ressourcen der Erde begrenzt sind. Bleibt nur die Frage, wann dieser Zusammenbruch kommen wird.

Die Klimakrise ist bereits bei den ersten Regionen dieser Welt angekommen und verdeutlicht dramatisch, was der Preis für ungebremstes Wachstum ist. Eine zerstörte Natur und damit ein zunehmend feindlicher Lebensraum für den Menschen mit Dürren, Hitzewellen und Überflutungen.

Andererseits ging es den Menschen heute weltweit so gut wie noch nie.

Das hat zu einem Großteil mit unserem Wachstumsstreben zu tun. Die weltweite Armut ging in den letzten 50 Jahren stärker zurück als in den 500 Jahren davor, es wurde in den letzten 100 Jahren mehr Wohlstand geschaffen als die 100000 Jahre zuvor und die Säuglingssterblichkeit wurde seit den 1970ern halbiert. Der Kapitalismus ist mit seinen Schwächen von Menschen gemacht, auch in sozialistischen Wirtschaftssystemen gab es korrupte Eliten, die sich auf Kosten anderer bereichert hat. Was ist also die Alternative?

Was denken unsere Leserinnen und Leser?

Gheorghita glaubt, dass der globale Kapitalismus unter dem Strich mehr Schaden als Nutzen angerichtet hat. Hat sie recht?

Um eine Antwort zu erhalten, übergaben wir Raj Patel Gheorghitas Kommentar, er setzt sich seit Jahren als Akademiker, Filmemacher und Bestsellerautor mit den Folgen von Armut auseinander.

Gheorghita hat recht. Wir müssen uns einfach darüber klar werden, was dieser „globale Kapitalismus“ ist. Wenn Sie denken, der Kapitalismus ist dort, wo Menschen auf den Markt gehen, um Waren gegen Geld zu tauschen, dann ist das kein Kapitalismus. Das tun die Menschen schon seit Jahrtausenden, von den Souks und Basaren entlang der Seidenstraße bis hin zu den Handelsposten treffen sich die Menschen seit ewigen Zeiten und tauschen Geld gegen Waren.
Aber es gibt etwas Besonderes am Kapitalismus, er verlangt, dass wir uns von der Welt um uns herum, von der Natur, voneinander und von unserer Arbeit entfremden. Die treibende Kraft ist, die Welt auszubeuten, Wälder zu zerstören und in Geld umzuwandeln. So schafft man auch die Bedingungen für Krankheiten – die wir im Moment erleben – man zerstört die Welt massiv.
Einige mögen sagen: „Dies ist das Zeitalter des Anthropozän, die Menschen sind einfach schlecht.“ Aber dies ist nicht das Zeitalter des Anthropozäns. Dies ist eine Ära des Kapitalismus. Wenn man sich die großen Probleme ansieht, unter denen die Welt derzeit leidet, ob es nun die sechste Ausrottung oder der Klimawandel ist, findet man nicht die Fingerabdrücke der Menschheit, sondern die eines kapitalistischen Systems. Wir müssen nicht den Austausch von Geld und Waren abschaffen, wir müssen das Bargeld nicht abschaffen. Ich finde es in Ordnung Geld und eine begrenzte Menge an Dingen zu haben.
 Aber ich denke, wir müssen das Paradigma, dass der Mensch über dem Netzwerk des Lebens steht und wir es ausnutzen können, sehr stark verändern, denn das ist die Kardinalssünde des Kapitalismus.

Für einen anderen Blickwinkel sprachen wir auch mit Otto Brøns-Petersen, dem Direktor für Analyse am Zentrum für politische Studien (CEPOS), einem Think-Tank zum freien Markt in Dänemark. Was würde er zu Gheorghita sagen?

Ich würde ihr auf keinen Fall zustimmen. Ich denke, wir neigen dazu, die wunderbare Entwicklung zu übersehen, die wir dem Kapitalismus zu verdanken haben, besonders wenn wir die Armut in der Welt betrachten. Wir erleben einen beispiellosen Rückgang von Armut in der Welt aufgrund der Globalisierung und aufgrund von Marktreformen, zum Beispiel in China und in Indien. Ich denke also, es besteht kein Zweifel daran, dass der Kapitalismus insgesamt für einen viel, viel höheren Lebensstandard und eine viel höhere nachhaltige Entwicklung gesorgt hat, als wir es sonst hätten schaffen können.

Richtet der Kapitalismus mehr Schaden als Nutzen an?

Befreit das stetige Wachstum Menschen nachhaltig aus der Armut? Oder treibt es die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen voran? Was überwiegt? Wie ist Deine Bilanz?

Foto: Bigstock © nd3000; Portrait: Patel Wikipedia (cc) Jan Sturmann



5 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst Du?

  1. avatar
    Florian

    Nein. Der Kapitalismus mit fairen Regeln ist der beste Antrieb für eine friedliche, produktive, innovative und kreative Gesellschaft und das Streben nach Anerkennung und Glück.

    Diese kommunistische Kapitalismuskritik ist als staatliches Dogma von der Realität widerlegt.

    Aber….wer Kommunen gründen will und darin Leben möchte der soll das tun dürfen ohne das ganze System kontrollieren zu wollen aber auch ohne das System als Feind zu haben…denn auch experimentelle Sozialprojekte schaffen Innovation und neue Ideen.

    Wir brauchen weder hier noch da,starre Ideologen und machtgierige „Eliten“.

  2. avatar
    Lodi

    Schau dich ganz einfach mal die Welt an. Die ganze Welt…
    Und es ist offensichtlich, dass der Kapitalismus einen misthaufen gebaut hat

  3. avatar
    Raphael

    Die Globalisierung hat sich als fatales Konzept während Kriesen herausgestellt.

  4. avatar
    Florian

    Warum so Schwarz Weiß?

    Nichts spricht gegen die Vielfalt der Kulturen, dann muss man eben auch den einzelnen Kulturen Platz zur freien Entfaltung einräumen.

    Mich stört die Ausschließlichkeit der Debatten, als ob wir Idioten seien die unfähig zu Intelligenten Lösungen wären!

    Räumt doch mal die Schlagworte aus eurer Rhetorik!

    Wie soll eine konstruktive Debatte sich entfalten wenn man Sie mit politischen Begrifflichkeiten vermint?

    Unglaubwürdig, Oberflächlich!

    Eure Seite, eure Fragen bleiben sehr Kritikwürdig!
    Da ist selten etwas dabei was nicht provozierend Naiv wirkt.

  5. avatar
    Philip

    Wenn man Kapitalismus als Marktökonomie ohne Regulierung ansieht, dann ja, absolut!

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