
Nach dem Kalten Krieg, schien die Demokratie gewonnen zu haben.
Es wurde das „Ende der Geschichte“ beschworen und in mehreren „Wellen“ der Demokratie, entschieden sich immer mehr Länder für Menschenrechte, Rechtsstaaten, liberale Werte und freie Wahlen. Im Jahr 2002 überstieg die Zahl der Demokratien zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit die Zahl der Autokratien.
Hat sich das Blatt heute gewendet?
Liberalen Demokratien fällt es zunehmend schwerer, sich gegen Desinformationskampagnen, Polarisierung, Erosion politischer Normen und Populismus zu wehren. Manch ein demokratisch gewählter Staatschef findet sogar Gefallen an autokratischen Strukturen. Drohen Rückschritte?
Was denken unsere Leser?
Wir haben einen Kommentar von Sara erhalten, die sich fragt, wie es eigentlich aussehen würde, wenn die Demokratie wirklich bedroht wäre. Woran könnten wir das erkennen? Wie können wir feststellen, ob unsere Demokratie „gesund“ ist?
Um eine Antwort zu erhalten, gaben wir Saras Kommentar an David Runciman weiter, Professor für Politik an der Universität Cambridge und Autor des Buches „Wie Demokratie endet“.
Auf die Gefahr hin, pedantisch zu sein: Ich denke, „die Gesundheit der Demokratie zu messen“ und „Demokratie in Gefahr“ sind nicht dasselbe. Es gibt viele Möglichkeiten, wie wir den Gesundheitszustand der Demokratie messen könnten, dazu gehören unter anderem Umfragedaten zu Vertrauen, Engagement und Beteiligung.
Das Schwierigste ist, dass die Demokratie bedroht ist. Sie könnte scheitern oder nicht mehr funktionieren. Denn Demokratie kann – wie die Menschen – ungesund sein, aber immer noch funktionieren. Wie würden wir die Anzeichen eines drohenden Zusammenbruchs erkennen? Ich selbst bin der Ansicht, dass wir darauf überempfindlich reagieren. Ich sehe keine drohende Gefahr eines Zusammenbruchs, und ich habe schon seit einiger Zeit das Gefühl, dass Anzeichen des Zusammenbruchs veraltet sind, da wir noch immer einer Perspektive des 20. Jahrhunderts folgen.
Wir beschäftigen uns mit den 1930er und 1970er Jahren, um historisch vorhersehen zu können, wann eine Demokratie zusammenbricht. Ich glaube, das ist ein Fehler. W suchen nach den Zeichen einer Wiederauferstehung der 1930er Jahre: Faschismus, Krieg, Gewalt und so weiter. Ich glaube nicht, dass das kommen wird; ich denke, wenn es für uns schief geht, wird es auf neue Weise schief gehen, daher sollten wir auf neue Arten von Zeichen achten, nicht auf die bekannten.
Droht das Ende der Demokratien?
Drohen Rückschritte oder sogar eine Wiederholung der Geschichte? Welches politische System wird überdauern?
Foto: Unsplash (cc) Randy Colas; Portrait: Runciman (cc) Central European University
Auf die Gefahr hin, pedantisch zu sein: Ich denke, „die Gesundheit der Demokratie zu messen“ und „Demokratie in Gefahr“ sind nicht dasselbe. Es gibt viele Möglichkeiten, wie wir den Gesundheitszustand der Demokratie messen könnten, dazu gehören unter anderem Umfragedaten zu Vertrauen, Engagement und Beteiligung.
4 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare
Gute Fragen.
Ja
Die EU ist selbst antidemokratisch, warum sollte diese Organisation die Rechte der Bürger stärken?
Was meint man denn damit?
Es gibt ein Mehrheitsrecht unter den dortigen Abgeordneten, allerdings ein Vetorecht der Länder zu bestimmten Gesetzen … das undemokratische wären dann wohl die einzelnen Länder? Richtig?