Wie bleibst Du zuhause gesund?

Die Corona-Pandemie sorgt natürlich bei den Erkrankten und Risikogruppen am meisten für Sorgen. Alle anderen haben es besser, dennoch ist auch ihr Alltag stark eingeschränkt. Zuhause arbeiten, vielleicht Kinder unterrichten, Freizeit gestalten und Urlaub auf Balkonien? Kein leichter Balanceakt für das eigene Gemüt. Für unbestimmte Zeit zuhause festzusitzen, kann unsere psychische Gesundheit belasten.

Was sind Eure Strategien?

Unser Leser mit dem Kunstnamen Jthk argumentiert, dass Menschen von Natur aus kooperative und soziale Tiere seien und einander zum Überleben brauchen. Wie werden sich Maßnahmen wie Kontaktsperren und Selbstisolierung auf uns auswirken?

Wir fragten den Sonderbotschafter der Weltgesundheitsorganisation Vytenis Andriukaitis.

Es war ein Fehler, die Maßnahme „soziale Distanzierung“ zu nennen. Man sollte sie „sicherheitsbezogene Distanzierung“ oder „physischen Sicherheitsabstand“ nennen, denn das Hauptziel unserer Anstrengungen ist sozialer Natur. Warum müssen wir Abstand halten? Weil wir einander helfen und schützen müssen. Die Regeln einzuhalten ist ein Akt echter Solidarität, doch wir nennen es „soziale Distanzierung“. Was wir tun bedeutet Altruismus und Solidarität, sie sind Eckpfeiler all unserer Handlungen. Natürlich müssen wir die Menschen im Auge behalten, die im Moment allein sind. Senden wir ihnen Nachrichten, rufen wir sie an, helfen wir ihnen. Wenn wir nicht daran denken, unsere sozialen Verbindungen aufrechtzuerhalten, dann werden Entfremdung und soziale Abgrenzung für uns alle ein echtes Problem sein. Wir sind noch immer sozial miteinander verbunden. Wir brauchen diese soziale Vernetzung. Wir müssen im Geiste der sozialen Solidarität handeln. Jetzt ist es an der Zeit, dass alle Europäer den Begriff „soziale Distanzierung“ vergessen und den Begriff ändern.

Für eine andere Perspektive auf das Thema haben wir mit Dr. Sarita Robinson gesprochen, die sich als Psychologin an der Universität von Central Lancashire (UCLAN) mit menschlichen Überlebensstrategien beschäftigt. Was sagt sie zu Jthks Kommentar?

Das ist eine gute Frage. Menschen sind wirklich soziale Tiere, wir sehnen uns nach Kontakt mit anderen Menschen. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass es einen Unterschied zwischen „sozialer Isolation“, „sozialer Distanzierung“ und Einsamkeit gibt.
Manche Menschen können in einer Menschenmenge einsam sein, manche Menschen können mit ihrer eigenen Gesellschaft zuhause recht glücklich sein. Es gibt viele individuelle Unterschiede darin, wie sehr jemand vermisst, zur Arbeit oder zu gesellschaftlichen Veranstaltungen gehen zu können.
Ich würde sagen, das Wichtigste ist, dass wir zwar keinen physischen sozialen Kontakt haben können, dafür aber nicht-physischen. Es ist also sehr wichtig, zum Beispiel soziale Medien zu nutzen oder einfach zum Telefon zu greifen und mit den Leuten zu sprechen.

Leserin Nastasa sagt, dass sie gerade bei der Arbeit am Computer zuhause schnell müde wird. Dann braucht sie einen Ausgleich, am besten körperlichen. 

Dazu sprachen wir mit Stacey McFadin, die für die Inhalte auf der Down Dog App verantwortlich ist, eine beliebte App für Online-Yoga- oder Fitness-Kurse.

Ich stimme Nastasa absolut zu. Die Menschen sind es gewohnt, sich zu bewegen, wir brauchen Pausen von unseren Schreibtischen. Wenn man es gewohnt war, ins Fitnessstudio oder in einen Yoga-Kurs zu gehen, hat man all diese überschüssige Energie, die man verbrennen muss. Yoga kann eine wirklich gute Möglichkeit sein, diese körperliche Energie loszuwerden. Ich würde auch sagen, dass Yoga uns eine großartige Gelegenheit bietet, eine geistige Pause zu machen. Im Moment ist die Angst sehr groß. Wenn wir viel Angst oder Furcht in unserem Leben haben, atmen wir oft falsch: zu flach in die Brust.
Yoga kann uns dabei helfen, den Atem zu verlangsamen und zu vertiefen. Wir nennen das Bauch- oder Zwerchfellatmung. Und wenn wir uns in diese Zwerchfellatmung hineinbewegen, können wir beginnen, uns aus dieser Kampf- oder Fluchtreaktion herauszubewegen und mehr in einen Zustand der Ruhe zu kommen, der das parasympathische Nervensystem aktiviert. Ich denke, wir können gerade jetzt mit Yoga viel erreichen, nicht nur für unsere Körper, sondern auch gegen unser Angstniveau.

Wie bleiben wir in Corona-Zeiten mental gesund?

Was ist Eure Strategie? Bleibt Ihr über soziale Medien mit Freunden und Familie in Kontakt? Nutzt Ihr Fitness-Apps? Genießt Ihr die Zeit zuhause oder werdet Ihr so langsam unruhig?

Foto: BigStock © fizkes; Portrait: Andriukaitis (cc) Wikipedia Ufartas; Robinson (c) Hartley Robinson



29 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst Du?

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    Julia Müller

    Ich finde es ist wirklich sehr einfach in diesen Zeiten mental gesund zu bleiben. Jeder von uns besitzt ein Handy oder einen Computer! Wir können unsere Freunde und unsere Familie ganz einfach anrufen. Ich hatte vorigen Samstag Geburtstag. Anfangs war ich wirklich traurig, dass mich keiner besuchen kann, aber mich haben so viele Leute angerufen und mir Post geschickt, dass mir das gar nichts mehr ausmachte. Ich genieße die Zeit zu Hause wirklich sehr. Um ehrlich zu sein, fand ich dieses Ostern auch sehr schön. Einfach mal ganz alleine mit meiner Familie, so viel Zeit haben wir schon lange nicht mehr gemeinsam verbracht. Man lernt sich gegenseitig auch von anderen Seiten kennen. Es ist absolut kein Stress vorhanden und es ist alles harmonischer. Natürlich ist es für ältere Menschen, die sich mit der „neuen“ Technik nicht auskennen sehr schwer, aber wir sind alle lernfähig. Meine Großeltern haben es auch geschafft, also bin ich mir sicher, dass es andere auch schaffen können. Das wichtigste ist, dass wir uns auch ein bisschen bewegen. Sport macht den Kopf frei und man fühlt sich danach auch schon viel besser. Mein Tipp an andere: Genießt die Zeit zu Hause, denn in dieser Zeit kann man Dinge machen, für die man vorher keine Zeit hatte.

  2. avatar
    Cora

    arbeiten, Zeit mit partner verbringen, Familie und freunde skypen, netflix, home workouts, diy projekte

  3. avatar
    Jens

    Ich bin Musiker und schreibe viel Musik, und auch grundsätzlich habe ich keinerlei Probleme damit mich zu beschäftigen. Habe auch noch weitere Hobbys und Interessen

  4. avatar
    Sascha

    Persönliche Weiterbildung und Geld verdienen online

  5. avatar
    Duc

    Weiterbildung durch Eigenstudium und Digitale Medien helfen bei Langeweile

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    Olivia

    Bei mir hat sich nicht viel verändert, die meisten meiner Hobbys sind sowieso „drinnen“ (Gaming, PC, Lesen, Filme schauen, etc.) und zuvor habe ich auch schon 50% meiner Zeit im Home Office verbracht. Lediglich die Möglichkeit Essen und ins Kino zu gehen vermisse ich, auf ein Eis habe ich seit Tagen Lust.

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    Kyra

    Ich habe als Studentin bereits vorher meinen Alltag selbst strukturieren müssen und viel eit zu Hause verbracht, daher schaffe ich es vergleichsweise gut, die Zeit mit Freizeitbeschäftigungen (lesen, malen, puzzlen, Serien schauen, spazierengehen), Hausarbeit und Arbeiten für die Uni zu füllen. Zudem gebe ich meinem kleinen Bruder ab und zu Ersatzunterricht.

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    Zehra

    Ich probiere mich an neuen Rezepten und backe, hole Serien und Filme nach, lese, habe angefangen zu sticken. Ich kann mich auch gut drinnen beschäftigen.

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    J.

    Mir fällt es nicht schwer. Ich nutze die Zeit für: Kontakt mit Freunden per Telefon /Discord/Skype; Abends spazieren gehen; lesen; ein bisschen Dinge für die Uni machen; kreativ Kram; viel Internet Konsum: Youtube, Instagram etc

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    Penny

    Zwar Home-Office, aber auch viel ungewohnte Freizeit. Die Ungewissheit macht einem etwas Angst, und raubt die Konzentration, aber ansonsten fällt es mir nicht schwer, mich zu beschäftigen.

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    Vera

    Ich habe einen Vollzeitjob und außerdem beschäftige ich mich ehrenamtlich und lerne Französisch. Ich habe nicht das Gefühl, zu viel Zeit zu haben, aber ich vermisse soziale Aktivitäten.

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    Niels

    Ich bin in Grossbritanien fuer mein Studium. Wegen des Virus ist mein Kurs bis September suspendiert. Da ich jetzt eigentich klinische Erfahrung sammeln sollte, habe ich nichts zu tun.

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    Gabriel

    Videospiele, und für die Uni lernen

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    David

    normal Arbeiten, viele neue Hobbies (puzzlen, Spazieren gehen)

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    Karl

    Ich lerne seit Dezember für mein Staatsexamen – es hat sich also nicht viel geändert.

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    Patrick

    In letzter Zeit informiere ich mich sehr über COVID-19, zum Beispiel via Podcasts. Da ich im Moment studiere und viel ausfällt, habe ich sehr viel Freizeit. Um ehrlich zu sein fällt es mir im Moment etwas schwer, mich zu beschäftigen.

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    Arek

    Ich nutze die Zeit eher für Private zwecke und eigenständige Fortbildung

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    Anja

    lernen und spielen mit meinem kleinen Bruder, selber lernen, lesen, fernsehen

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    Christine

    Ich arbeite im Home Office genau so viel wie zuvor, übernehme aber andere Aufgaben als Vertretung für Mitarbeiter, die in Kurzarbeit gehen müssen. Derzeit fällt es mir leicht.

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    Marina

    Ich nähe Masken für Pflegepersonal, Arztpraxen und Einrichtungen, da diese nicht mit genügend Schutzausrüstung versorgt sind. Außerdem beginnt in einer Woche das Semester: digital Studieren

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