Viele Geschäfte müssen geschlossen bleiben.

An erster Stelle stehen selbstverständlich Menschenleben

Es ist sicher richtig, alles zu tun, um Menschenleben zu schützen. Wir akzeptieren von zu Hause zu arbeiten, selbst die Kinder zu versorgen, Abstand zu halten, nicht in den Urlaub zu fahren, auf Sport und Kultur zu verzichten und auch wirtschaftliche Einbußen. Dass dies in der Umsetzung nicht immer einfach ist, sieht jeder ein. Nach den ersten Wochen Lockdown werden die wirtschaftlichen Konsequenzen sichtbar, die bisher nur Schätzungen waren. Die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus werden dramatisch ausfallen – vor allem, wenn das gesellschaftliche Leben für längere Zeit auf Eis gelegt werden muss.

Die deutsche Volkswirtschaft beruht auf dem Mittelstand

Die kleinen und mittleren Unternehmen machen in Deutschland im Jahr 2018 mehr als 99 Prozent aller umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen aus, stellen mehr als die Hälfte aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten an und erwirtschaften ungefähr ein Drittel aller Umsätze in Deutschland. Die Bundesregierung hat daher auch schnell reagiert: Kurzarbeit, Kredithilfen und Soforthilfe-Fonds für Selbstständige und kleine Betriebe federn den ersten Corona-Schock ab. Auch von der EU kommt Unterstützung: die EU-Haushaltsvorschriften werden gelockert, staatliche Beihilfen ermöglicht und 37 Milliarden Euro für Kredite in Aussicht gestellt. Wird das ausreichen?

Was denken unsere Leser?

Wir erhielten einen Kommentar von Cosgrove, der die Maßnahmen gegen den Coronavirus für völlig übertrieben hält.

Wir sprachen mit Marc Tenbieg, Geschäftsführender Vorstand des Deutsche Mittelstands-Bundes über Cosgroves Kommentar. Der DMB sieht sich als Sprachrohr für den Mittelstand und bietet jetzt auch Informationen über die Corona-Hilfsmaßnahmen für Betroffene an. Was erhofft sich Herr Tenbieg von der Politik, damit der Mittelstand gut durch die Coronakrise kommt?

Das ist eine schwierige Frage. Ich stelle erst einmal fest, dass die Corona-Pandemie Europa gerade ordentlich durchschüttelt. Den Populismus oder Nationalismus der vergangenen Monate hören wir nicht mehr. Das Coronavirus hat vielleicht dazu beigetragen, dass wir uns wieder auf unsere Gemeinschaft konzentrieren. Durch die europäische Reaktion auf das Virus kann Europa auch gemeinschaftlich zusammenwachsen, was viele Bürger auch eingefordert haben. Es wurde oft behauptet, Politik würde an den Menschen vorbeigemacht. Frankreich und Deutschland haben sicher einen unterschiedlichen Stil – die Rede von Präsident Macron war anders als die von Bundeskanzlerin Merkel – aber letztendlich, wird appelliert, gemeinschaftlich zu denken und zu handeln. Jetzt kann Europa zusammenwachsen. Die Europäische Union sollte aber die Länder unterstützen, die ihre eigene Wirtschaft nicht voranbringen können. Es ist genug Geld da, um zu helfen. Man muss aber auch aufpassen, dass wir am Ende nicht in eine neue Eurokrise hineingeraten. Man muss einen Kredit auch wieder zurückbezahlen und sparen. So banal das jetzt klingt, einige europäische Länder haben sich in der Vergangenheit damit schwergetan. Man muss jetzt einen guten Mittelweg finden: Die Unternehmen müssen an ihre Ersparnisse ran aber der Staat muss eingreifen, um Arbeitslosigkeit zu verhindern, um kleine und mittelständische Unternehmen als auch Selbständige zu unterstützen. Dazu sehe ich gerade sehr viele Vorschläge, die aber noch unbürokratisch umgesetzt werden müssen.

Unser Leser Juri hat uns auch einen Kommentar zum Mittelstand geschickt, er lebt aus vielen Gründen gerne in der EU, unter anderem da er glaubt, dass hier die Stärkung des Mittelstandes eine Priorität ist. Stimmt das?

Wir haben bei dem Wirtschaftswissenschaftler Dr. Klaus-Heiner Röhl vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. nachgefragt.

Wir müssen bei dieser Frage unterscheiden, on der Mittelstand der Gesellschaft oder der Mittelstand als mittelständische Wirtschaft gemeint ist. Bei letzterem geht es um kleine und mittlere Unternehmen. Sowohl Unternehmen als auch Bürger – man kann den Mittelstand sehr weit fassen – haben Vorteile von der EU-Mitgliedschaft. Deutschland ist Nettozahler, aber nur, weil wir eine starke, exportorientierte Wirtschaft haben. Im internationalen Vergleich hat Juri recht, der Mittelstand hat Priorität, wobei man sich manchmal fragen muss, inwieweit diese Priorität mit wirtschaftspolitischen Maßnahmen umgesetzt wird.

Wie kommt der Mittelstand durch die Coronakrise?

Was denkt Ihr? Werden die Maßnahmen der deutschen und europäischen Politik ausreichen? Müssen die Unternehmen erst einmal an Erspartes ran oder brauchen wir „Rettungspakete“ wie zu Zeiten der Finanzkrise? Schreibt uns Eure Fragen und Kommentare!

Foto: Bigstock (c) axelbueckert; Profilbild: Tenbieg (c) DMB



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