Die Schattenseiten des Kapitalismus

Die Welt steht vor den gleichen Herausforderungen

Dennoch finden unterschiedliche Regierungen ganz verschiedene Lösungsansätze. In unserer globalisierten Welt sind wir uns viel bewusster, wie das Handeln eines Staates Konsequenzen für andere hat. So haben sogar innerhalb Europas die Staaten unterschiedlich entschieden, wie sie mit der Corona-Pandemie umgehen, wann sie Reisewarnungen aussprachen, Grenzen schlossen oder jetzt sogar Ausgangssperren verhängen.

Die alten Probleme bleiben aber trotz Corona

Der Klimawandel ist nicht verschwunden, der Verlust der biologischen Vielfalt ist nach wie vor ein drängendes Problem, die Ressourcenknappheit, die Umweltzerstörung, die Verschmutzung der Ozeane – all dies geschieht noch immer. Der Zeithorizont ist natürlich ein anderer. Bei der Viruspandemie gibt es stündlich neue Zahlen, auf die reagiert werden muss. Manch ein Klimaaktivist würde sich wünschen, dass die Gefahren des Klimawandels genauso schnell erkannt würden. Kann der freie Markt und Kapitalismus aber überhaupt angemessen auf langfristige Probleme reagieren?

Was denken unsere Leser?

Wir hatten einen Kommentar von James, der drastische Worte gefunden hat: „Der freie Markt ist bekanntermaßen schlecht in der langfristigen Planung. Es gibt nichts, was ihn daran hindert, die Umwelt von einer Klippe zu stürzen. Wie soll sich ein Markt selbst korrigieren, wenn alle Verbraucher und Produzenten bereits vergiftet sind? Daher ist ein gemischter Ansatz erforderlich, mit vernünftigen, angemessenen staatlichen Regulierungen als notwendiges Übel.“

Hat er Recht? Kann der Kapitalismus des freien Marktes ökologisch nachhaltig sein, solange er von den Regierungen angemessen reguliert wird, oder ist der Kapitalismus von Natur aus nicht nachhaltig? Um eine Antwort zu erhalten, sprachen wir mit Christian Kreiß, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule Aalen, Deutschland.

Der Kapitalismus in seiner heutigen Form, mit seinen extremen Machtkonstellationen und raren Regulierungen durch Regierungen, kann nicht nachhaltig sein. Durch das Shareholder Value Prinzip, Gewinnmaximierung und Renditemaximierung wird eine nicht nachhaltige Wirtschaftsweise quasi erzwungen. Der normale Mittelstandsbürger in Europa hat laut Greenpeace circa zehntausend Produkte zu Hause. Das ist völlig absurd. Da kann jeder selbst drüber nachdenken, es hängt auch vom Individuum ab. Wir brauchen aber erstens vernünftige Gesetze und Regulierungen, die heute viel zu schwach sind. Es muss zweitens auch flaniert werden durch freiere Medien als unsere Leitmedien, die extrem einseitig sind und uns immer wieder in Richtung Konsumwahn anleiten. Drittens muss auch die Lehre der Ökonomie geändert werden, das Prinzip des Shareholder Value Prinzip und dieser Egoismus.

Für eine andere Perspektive sprachen wir mit Otto Brøns-Petersen, vom Zentrum für politische Studien (CEPOS), einem Think-Tank zur freien Marktwirtschaft in Dänemark. Was würde er sagen?

Nein, ich glaube, eigentlich ist das Gegenteil der Fall. Ich denke, die notwendige Verwaltung der natürlichen Ressourcen ist nur möglich, wenn wir Privateigentum und einen freien Marktkapitalismus haben. Die Voraussetzung dafür, dass wir knappe Ressourcen nicht übermäßig nutzen, ist, dass wir Privateigentum haben und der Eigentümer auch davon profitieren kann, eine knappe Ressource heute nicht zu missbrauchen.
 
Die Herausforderung, die wir haben, sind nicht die knappen Ressourcen als solche, es sind Ressourcen, die niemandem gehören. Besonders wenn wir ein Problem mit unserer Atmosphäre haben – es gibt keinen Preis, der aus dem Privatbesitz für die Emission von Treibhausgasen erzielt wird. Da müssen wir auf einen Emissionspreis setzen, um die Tatsache zu kompensieren, dass wir sie nicht besitzen können. Im Allgemeinen ist das Privateigentum eine Voraussetzung für den verantwortlichen Umgang mit der Umwelt und ich denke, dass der Kapitalismus des freien Marktes sehr wichtig ist. Wenn man sich das im Westen ansieht, verbrauchen wir immer weniger Ressourcen, um unser Wirtschaftswachstum aufrechtzuerhalten.

Kann Kapitalismus nachhaltig sein?

Kann der Kapitalismus ökologisch nachhaltig sein, muss er reguliert werden oder zerstört er von Natur aus unsere Umwelt? Diskutiert mit!

Foto: BigStock – (c) Dipak Shelare; Portrait: Kreiß (c) Dirk Waechter



One Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst Du?

  1. avatar
    Hans

    Nur dann wenn sich aus Nachhaltigkeit grenzenloser Profit schlagen lässt.

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