Die Kommission plant eine „Renovierungswelle“ für Gebäude

Wir brauchen viele Maßnahmen, um den Klimawandel abzuschwächen.

Für eine nachhaltige Klimapolitik muss an vielen Fronten gleichzeitig gekämpft werden: die Umstellung auf nachhaltige Energie, weniger Individualverkehr und ein anderes Verhalten an der Supermarktkasse. Bei der Effizienz hapert es aber noch. Selbst wenn wir auf erneuerbare Energien umgestiegen sind, verlieren wir zum Beispiel wieder viel durch schlecht isolierte Wohnräume.

Die Kommission will mit dem Green Deal den Stein ins Rollen bringen.

Mit dem Green Deal plant die Europäische Kommission, dem Klimawandel die Stirn zu bieten. Wesentlicher Bestandteil der Maßnahmen ist auch die Isolierung von Wohnungen und Häusern in Europa. Neue Gebäude müssen umweltfreundlicher gebaut werden und alte richtig gedämmt werden. Über 35 Prozent des Gebäudebestands ist auf unserem Kontinent älter als 50 Jahre, Häuser von vor 1945 sind weitgehend ungedämmt. Die Europäische Kommission schätzt, dass diese historischen Gebäude ihren Energieverbrauch um 15-20% senken könnten, wenn sie richtig gedämmt würden. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass Europas Gebäude für etwa 40% des Energieverbrauchs und 36% der CO2-Emissionen der EU verantwortlich sind. Woher sollen aber die benötigten Investitionen kommen?

Was denken unsere Leser?

Wir erhielten einen Kommentar von Rémi, der sich nicht vorstellen kann, dass „der Markt“ eine Lösung für dieses Problem finden wird. Sollen dann aber Steuergelder in die europaweite Wärmedämmung gesteckt werden?

Wir stellten der stellvertretenden Direktorin der Kommission für Energiepolitik Paula Pinho Rémis Frage.

Diese Frage kommt zur rechten Zeit, denn im Rahmen des von der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, angekündigten „Green Deal“ war dies einer der identifizierten Schlüsselbereiche. Wir müssen wirklich die Voraussetzungen dafür schaffen, dass eine „Renovierungswelle“ bestehender Gebäude in ganz Europa stattfinden kann.
Wir haben bereits über neue Gebäude und die Standards, die sie erfüllen müssen, gesprochen, aber wir müssen auch die bestehenden Gebäude in Angriff nehmen. Die Kommission arbeitet daran, alle Akteure, die bei der Renovierung und Isolierung von Häusern eine Rolle spielen können, zusammenzubringen: mögliche Investoren, den Privatsektor, die Industrie, den Bausektor, Gemeindeverbände und Wohnungseigentümer; um wirklich zu sehen, wie wir die Renovierung bestehender Häuser und Wohnhäuser am besten durchführen können.
Wir greifen auf Erfahrungen aus ganz Europa zurück, um zu erfahren, wie wir am besten vorgehen können. Genau das stellen wir jetzt bis zum Ende dieses Jahres zusammen, um von der bestehenden Praxis zu lernen.

Wir erhielten auch einen Kommentar von Shaun, der sich strengere EU-Regeln für einen klimafreundlichen Gebäudebau wünscht.

Um eine andere Perspektive zu erhalten, sprachen wir mit Erkki Maillard, Vizepräsident für europäische und internationale Angelegenheiten bei der Électricité de France (EDF) Gruppe, einem der größten Stromproduzenten der Welt.

Wir brauchen eine klare und durchgreifende Regulierung für die Wärmedämmung. Dabei sind zwei Punkte entscheidend: Einmal muss man an neuen Gebäuden arbeiten; mehr als die Hälfte der Gebäude bestehen aber bereits, hier muss man an der Energieeffizienz arbeiten. Aber Effizienz allein führt nicht unbedingt dazu, dass weniger CO2 ausgestoßen wird. Wenn wir in Europa klimaneutral werden wollen, müssen wir die Ökobilanz der Gebäude verbessern. Wärmedämmung ist wichtig, es müssen aber alle CO2-neutralen Technologien gefördert werden. Zum Beispiel sollten die Gaskessel durch Wärmepumpen ersetzt werden, da sie sehr viel effizienter sind.

Wer soll für die europaweite Wärmedämmung von Gebäuden bezahlen?

Seht ihr bereits marktreife Lösungen oder brauchen wir gezielte Förderungen der Regierungen? Schreibt uns Eure Fragen und Kommentare, wir geben sie an die Experten weiter.

Foto: BigStock (c) ungvar



2 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst Du?

  1. avatar
    Daniel Fechner

    Eine Förderung sollte nur den letzten Anstoß bringen, damit sich eine energetische Sanierung lohnt … sprich weniger Kosten entstehen, als sich über die nächsten 10 oder 20 Jahre einsparen lässt.
    Andererseits sehen dies manche Mieter nicht so, sie wollen keine energetische Sanierung, da am Ende die Gesamtmiete höher ausfällt, als davor … als Begründung folgt dann häufig: „Ja man wohnt ja jetzt klimafreundlicher, sowas steigert natürlich den Preis des Wohnraums.“
    Aber dies wäre dann wohl eher ein Punkt um den sich die nationale Politik kümmern sollte, es wäre nur erwähnenswert wenn gezahlte EU-Förderungen als diese gekennzeichnet werden und zumindest bei der Verwendung in Mietshäusern, zu einem günstigerem Wohnen führen würden.
    P.s.: Dabei ist es unerheblich, ob dies durch eine bessere Dämmung, Heizung, Heizeinstellung oder sonstiges geschieht.

  2. avatar
    Bernd

    Natürlich der Bürger wer sonst ???

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