Amazon-Chef Jeff Bezos ist der reichste Milliardär.

Wie viel Geld braucht ein Mensch?

Wenn das Einkommen gegen Ende des Monats nicht mehr für die Miete, Essen oder Altersvorsoge ausreicht, macht das Sorgen. Geld macht bestimmt nicht glücklich – kann einem aber viele Sorgen nehmen. Andererseits übernehmen die meisten ab einem bestimmten Einkommen auch mehr Verantwortung im Job, wodurch das Privatleben auf der Strecke bleibt. Wohlstand allein garantiert also auch kein Glück. Studien gehen davon aus, dass mehr Einkommen als 81.000 Euro brutto im Jahr die Lebenszufriedenheit sogar senkt.

Warum streben wir trotzdem nach Reichtum?

Die Zahl der Milliardäre nahm bis zum Jahr 2018 stetig zu. Weltweit gibt es 2.153 Menschen mit mehr als einer Milliarde Dollar Vermögen. Der reichste Mann der Welt – Amazon-Boss Jeff Bezos – verdient pro Stunde mehr als 8 Millionen Dollar. Das ist circa 315 Mal mehr als ein Amazon-Mitarbeiter pro Jahr verdient. Dabei steht das Unternehmen, wie viele andere Großkonzerne, in der Kritik, kaum Steuern zu zahlen. Kann das gerecht sein?

Im Sinne der Milliardäre wird oft angeführt, dass die meisten ihr Einkommen legal erworben haben und in ihrem Streben nach Reichtum Innovationen und Jobs schaffen, von denen wir alle profitieren. Eine konkrete Obergrenze für Reichtum einzuführen klingt nach Enteignung, ungeachtet der Summe um die es konkret geht.

Was denken unsere Leser?

Wir erhielten einen Kommentar von Andreu, der fragt, ob es fair ist, dass 26 Milliardäre so viel Vermögen haben, wie die ärmsten 3,8 Milliarden Menschen.

Für eine Antwort auf Andreus Frage sprachen wir mit dem Bundestagsabgeordneten und Co-Vorsitzenden der Linken Dietmar Bartsch.

Die Antwort ist ganz leicht, selbstverständlich ist es nicht fair, weil niemand nur durch seine Leistung zu so einem Vermögen kommen kann. Es ist vor allem nicht fair, wenn alle sieben Sekunden auf der Welt ein Kind unter vier Jahren verhungert. Deshalb ist es die Aufgabe der Politik, weltweit aber auch in Deutschland etwas zu tun, für Veränderungen zu sorgen. Ein zentrales Instrument sind hier Steuern. Ich als Norddeutscher weiß, dass Steuern dazu da sind, ein Land zu steuern. Wir brauchen zum Beispiel eine Finanztransaktionssteuer, eine Begrenzung von Vermögen; es ist dringend eine Umverteilung angesagt. Wir sind der Auffassung, dass die jetzige Situation, mit verhungernden Menschen in Armut auf der einen und unermesslichem Reichtum auf der anderen Seite, inakzeptabel ist. Da muss dringend gehandelt werden.

Für eine weitere Perspektive fragten wir bei dem Finanzexperten der SPD Lothar Binding nach.

Nein, das ist keinesfalls fair. Deshalb überlegen wir, die SPD, schon sehr lange, wieder eine Vermögensteuer in Deutschland zu erheben. Aber Andreu formuliert seine Frage ja weltweit, daher wäre es klug, wir würden weltweit Verabredungen treffen, die diese Konzentration von Reichtum in den Händen Einzelner mindert.
Bei Reichtum geht es wesentlich darum, wer darüber verfügt. Dabei geht es nicht um den persönlichen Verbrauch oder Bedarf – irgendwann ist jeder satt und noch eine Villa und noch ein Flugzeug machen auch nicht wirklich glücklicher. Wenn wir über Vermögen reden, müssen wir an Machtstrukturen denken und daran, wieviel mehr Chancen reiche Menschen nutzen können, weil sie angstfrei größere Risiken eingehen können. Dabei ist das Interesse an Reichtum häufig längst in Machtinteresse über Menschen, Material, allgemein: Ressourcen umgeschlagen? Ich bin dafür, dass wir einiges an Privatisierung rückgängig machen und die wichtigsten Ressourcen der Welt vergemeinschaften.

Leserin Julia ist der Meinung, dass niemand Milliarden an Vermögen braucht. Sollte das Vermögen von Einzelpersonen begrenzt werden?

Wie antwortet Herr Bartsch auf Julias Frage?

Ich bin für eine Vermögensbegrenzung, zumal die Situation so ist, dass dieses Vermögen vor allem vererbt worden ist. Ich bin nicht für eine Enteignung, wohl aber für eine angemessene Erbschaftssteuer. Es kann nicht sein, dass heute einige Kinder geboren werden, die ihr geerbtes Vermögen im Laufe ihres Lebens kaum ausgeben können und auf der anderen Seite Kinder in Armut leben müssen. Jedes Kind hat das Recht, seine Fähigkeiten zu entfalten. Deshalb bin ich dafür, dass wir alles tun, um Armut zu bekämpfen. Das muss aber damit einhergehen, dass wir Reichtum begrenzen. Daher ist es für mich ein Unding, wenn Vorstände von DAX-Unternehmen in Deutschland das 60- oder 70-fache von dem verdienen, was die Angestellten bekommen. Da kann man für gesetzliche Regelungen sorgen. Wenn zum Beispiel das Durchschnitteinkommen bei 3000 Euro liegt könnte der Vorstand das 20-fache, also 60.000 Euro im Monat bekommen, das halte ich für angemessen. Wir müssen diesen Wahnsinnsreichtum begrenzen und dafür sorgen, dass es keine Armut mehr auf diesem Planeten gibt.

Darf es Milliardäre geben? Was denkt Ihr?

Foto: Flickr (cc, cropped) James Duncan Davidson; Portraits: Bartsch (c) DBT, Inga Haar & Binding (c) SPD-Parteivorstand, Susie Knoll



3 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst Du?

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    Hermann

    Wenn jeder Mensch ausreichend Wohnung, Wasser und Nahrung hat und danach noch was übrig ist… von mir aus. Man muss auch Gönnen können.

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    Phillip

    Geld ist das einzige, das in unserer Gesellschaft noch ein rares Gut ist, und es ist nicht mal echt…

  3. avatar
    Sebastian B.

    Es darf gerne dieser Wahnsinn an Kapitalanhäufung begrenzt werden und zumindest dafür eingesetzt werden, dass niemand Hunger erleiden muss. Viele Unternehmer und Unternehmen haben zwar einen positiven Einfluss auf den Arbeitsmarkt und auch auf die Volkswirtschaft eines Landes, verursachen aber auch Schäden an Gemeingütern, wie beispielsweise die Umwelt, ohne für diese Kosten aufzukommen, was einen Teil des Profits auch ausmacht. Außerdem schaffen sie ja nicht nur Arbeitsplätze sondern nutzen ja auch die Arbeitskraft und die Planungssicherheit, profitieren von Subvention und können viele Steuern umgehen. Wo bleibt da ein wirklicher Nutzen für die Allgemeinenheit? Wo das Gleichgewicht?

    Eine Million Sekunden sind sind ca. 10 Tage. Eine Milliarde sind ca. 32 Jahre.

    Verdient jemand täglich 5.000 EUR hat er in ca. 6,5 Monaten eine Millionen Euro, bei einer Milliarde dauert es ca. 547 Jahre.

    Während Jeff Bezos etwas über 15.500 EUR jede 7. Sekunde „verdient“, verhungert irgendwo ein Kind unter 4 Jahren.

    Mad world

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