Klassiker der Sexualkunde

Reicht Unterricht über Fortpflanzung aus?

Kritiker von Sexualaufklärung würden sich gerne auf das Nötigste beschränken: Fortpflanzung im Biologieunterricht. Reicht das aber aus, um unsere Kinder auf die Welt vorzubereiten? Gesellschaftlich herrscht längst keine Einigkeit mehr darüber, was „normal“ ist. Geben wir unseren Kindern genug Wissen mit auf den Weg, um ihr eigenes Glück zu finden?

Kinder in Deutschland haben ein Recht auf sexuelle Bildung, im Osten seit 1947 und im Westen seit 1969. Meist war der Unterricht damals auf Themen rund um Fortpflanzung beschränkt. Doch die Zeiten haben sich geändert. Vater-Mutter-Kind Familien finden längst nicht mehr alle Kinder in Deutschland bei sich zu Hause, gerade erst hat der Bundesgerichtshof ein drittes Geschlecht anerkannt und Kinder sehen im Schnitt den ersten Porno, wenn sie 14 Jahre alt sind. All diese Entwicklungen beeinflussen unsere Sexualität, auch wenn man nicht mit allen Entwicklungen einverstanden ist. Welche Themen muss Sexualkunde behandeln, damit die Kinder Antworten auf ihre Fragen finden?

Was denken unsere Leser?

Wir erhielten einen Kommentar von Sophia, sie findet Sexualkunde grundlegend. Daher sollte sie in jedem Klassenraum Europas verpflichtend sein.

Wir fragten Amelia Jenkinson. Sie ist Leiterin und Mitgründerin von Sexplain, eine Organisation, die Sexualkunde als Workshops in Schulen anbietet.

Ich stimme Sophia vollständig zu, Sexualkunde sollte an Schulen verpflichtend unterrichtet werden. Hier in Großbritannien wird der Unterricht erst ab September 2020 zur Pflicht, das war bisher nicht der Fall. Die Auswirkungen sehen wir in den Klassenräumen: Es gibt fundamentale Wissenslücken bei den 11-18-Jährigen über ihre Körper, Sexualität, Gender, Konsens und gesunde Beziehungen. So etwas bestimmt körperliches und emotionales Wohlbefinden. Unsere Organisation bietet inklusive und verständliche Workshops an Schulen an, damit sich die Jugendlichen in ihren Körpern und auch emotional wohler fühlen. Darüber hinaus sollen sie Gegebenheiten auch kritisch hinterfragen, damit wir uns alle für mehr Gleichberechtigung einsetzen.

Für eine weitere Perspektive fragten wir Dr. Nino Berdzuli, die sich bei der Weltgesundheitsorganisation mit dem Thema beschäftigt. Was sagt sie zu Sophias Meinung?

Das ist eine gute Frage, Sophia! Ich muss erst einmal klären, was Sexualkunde beinhaltet. Es gibt biologische Aspekte, es ist aber auch wichtig, über Beziehungen und Gefühle als auch persönliche und gesellschaftliche Werte zu sprechen. Diese Aspekte stehen nicht im Widerspruch miteinander, sondern sollten sich ergänzen. Sophia spricht von Sexualkunde an Schulen und ich stimme ihr zu, der Unterricht sollte einen formalen Rahmen haben. Das wird heutzutage immer wichtiger: die neuen Medien, das Internet, Handytechnologie – diese technischen Entwicklungen bergen positives und negatives Potential. Sie bestärken aber auch die Notwendigkeit für eine ganz neue Sexualaufklärung für junge Leute, daher muss sie formalisiert an Schulen angeboten werden; Jüngere brauchen Informationen, die wissenschaftlich gefestigt sind. Wenn die Lehrer die richtige Weiterbildung erhalten, können sie für Jugendliche in Schulen Schutzräume schaffen, in denen sie beschützt und vertrauensvoll lernen können. Wir unterstützen daher verpflichtende, formalisierte Sexualkunde im Unterricht, auch wenn jedes Land den Unterricht entsprechend seiner kulturellen Gegebenheiten anpassen kann.

Unser Leser James ist wiederum der Meinung, dass auch die Eltern bei dem Thema Sexualkunde eine wichtige Rolle spielen. Sie sollten ihre Verantwortung nicht einfach an die Schulen abgeben. Stimmt Frau Jenkinson ihm zu?

Ich stimme James zu, Schulen und Eltern sollten bei dem Thema zusammenarbeiten. Es gibt einige Schulen, die auf die Eltern zugehen, um sie bei der Aufklärung ihrer Kinder miteinzubeziehen. Auch damit diese Unterhaltung zuhause aufgegriffen werden kann. Diese beiden Seiten können sich sehr gut ergänzen. Es fühlen sich aber nicht alle Eltern wohl dabei, die Sexualaufklärung ihrer Kinder zu übernehmen. Auch ist es unwahrscheinlich, dass Eltern dafür qualifiziert sind, auf alle Aspekte gut eingehen zu können. Wir würden den Eltern dadurch eine zu große Verantwortung aufbürden. Und es gibt auch viele junge Leute, die diese Unterhaltung mit ihren Eltern ablehnen. Sie wollen vielleicht lieber einer neutralen Person außerhalb des Elternhauses befragen. Wenn es zuhause geht, solche Unterhaltungen zu führen, ist es fantastisch. Man muss aber auch einsehen, dass dies nicht immer der Fall ist.

Was sollte in Sexualkunde unterrichtet werden?

Reicht es aus, über biologische Fakten zu sprechen oder sollten wir die Kinder über die ganze Bandbreite von Sexualität aufklären und auch ihren Gefühlen Zeit und Raum geben? Was meint Ihr?

Foto: Bigstock © Oleksandra Naumenko



9 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst Du?

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    Helen

    They should learn all the facts about how the body work, puberty, fertilization,pregnancy, STD, sexual health, contraseptives, gender and homosexuality equlity. They do not need to learn any „how tos“. But there is a lot that could be brought up in say ethics class….. dating /rape/prejudice etc

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    Klaus

    Lass die kinder einfach spielen. Las das Kind ein Kind sein.

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    Petr

    ich vermisse die Zeiten wo Kinder noch draußen fangen gespielt haben

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    Hans

    Sie tun es noch. Man muss nur hinschauen dabei seinen Blick vom hdy nehmen.

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    Klaus

    was hat den schulischer Sexualkunde Unterricht mit draußen spielen zu tun ?

    Wir können froh sein das es in unserem Land bereits diesen Unterricht gibt, schauen sie sich doch mal die Geburtenrate in 3t Weltländern an. Dort gehen 14, 15 Jährige zu Quacksalbern und lassen illegal und unter höchsten Risiko Abtreibungen vornehmen, weil es zu verpönt ist über Sex und alles was dazu gehört zu sprechen…

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    Жаклин

    Oh schwieriges Thema. Man sollte Kinder also wirklich Kinder, gar nicht damit konfrontieren. Lasst Kinder kinder sein!!! Man sollte Ihnen beibringen, dass es nicht OK ist, wenn die Tante aus der Nachbarschaft das Kind fragt, ob sie gut aussehe in ihrer neuen Hose oder Bluse!!!!!!

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    Petr

    Keine Ahnung, vielleicht sexual Kunde?
    Ich bezweifle dass BDSM, Dominanz und Erniedrigung, bekotung oder Orgien bei Kinder gut ankommen würden….
    Naja, zumindest würde ich meine Kinder bei solchen Themen von der Schule nehmen

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