Immer mehr entscheiden sich für eine vegane Ernährung.

Vegane Ernährung ist keine Randerscheinung mehr.

Fast-Food Restaurants haben vegane Burger auf dem Menü und der Handel macht große Umsätze mit veganen Alternativen. Fast eine Million Menschen ernähren sich in Deutschland vegan, das bedeutet ein Speiseplan ohne tierische Produkte. Meistens haben sich Veganer für diese Ernährung entschieden, um Tiere und Umwelt zu schützen. Dabei ist auffällig, dass viele von ihnen gesünder sind, ist das aber auf die Ernährung zurückzuführen?

Tatsächlich gibt es zu veganer Ernährung kaum Studien.

Es könnte gut sein, dass die Gesundheit der Veganer eher davon profitiert, dass Ernährung eine viel bewusstere Entscheidung wird und auch der Lebensstil generell – mit mehr Bewegung und weniger Alkohol – oft gesünder ist. Andererseits muss Mangelerscheinungen bei der Ernährung ohne Tierprodukte entgegengewirkt werden. Das Vitamin B12 kommt beispielsweise fast ausschließlich in tierischen Produkten vor, daher raten die Deutsche Gesellschaft für Ernährung und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Schwangeren und Kindern davon ab, sich vegan zu ernähren.

Was denken unsere Leser?

Wir erhielten einen Kommentar von Dan, der selbst seit einiger Zeit vegan lebt. Er fühlt sich besser, nicht nur körperlich, sondern sogar mental. Ist sein Optimismus begründet?

Für eine Antwort fragten wir bei Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung nach. Kann sie Dans Einschätzung zustimmen?

Es ist ja so, dass wir insgesamt auch seitens der DGE eine pflanzenbetonte Ernährung empfehlen, die viele Vorteile mit sich bringt und die natürlich unterschiedlich ausgeprägt sein kann: vegetarisch oder vegan. Wenn sich Dan vegan ernährt, hat er sicherlich durch diese pflanzliche Ernährungsweise gewisse Vorteile, die eine vegane Ernährung grundsätzlich mit sich bringt: zum Beispiel ein niedriger Body-Mass-Index. Viele Veganer leben durch diese veränderte Ernährungsweise mit weniger Körpergewicht, weil sie insgesamt weniger Energie liefert. Dann hat eine pflanzenbetonte Ernährung auch Vorteile für die Blutfettwerte und niedrigere Blutzuckerkonzentration im Vergleich zu einem Mischköstler. Der isst alles und hat dadurch ein höheres Risiko für einige Krankheiten, wie zum Beispiel für Herz-Kreislauf-Krankheiten, Diabetes Mellitus Typ II und auch für Krebskrankheiten. Von daher denke ich, dass ein gewisser Optimismus durchaus angebracht ist. Auch ist die vegane Ernährung insgesamt eine leichtere, mit weniger Kalorien, weniger Energie aber sehr nährstoffreich, weil eben viele pflanzliche Lebensmittel verzehrt werden. Was die Studien aber bisher nicht zeigen, ist ein Unterschied der Sterblichkeit. Veganer leben nicht länger als die Mischköstler, dafür ist die Lebensweise insgesamt entscheidend.

Für eine weitere Perspektive sprachen wir auch mit Louise Davies von der Veganen Gesellschaft. Sie leitet die Kampagnen aber auch die wissenschaftlichen Untersuchungen. Was sagt sie Dans neuem Lebensgefühl?

Es gibt sicherlich viele positive Aspekte eines veganen Lebensstils und wir wissen, dass die Menschen aus drei Hauptgründen zum Veganismus kommen: weil sie sich der ökologischen Vorteile bewusst sind, weil sie es als eine gesunde Wahl empfinden und um das Leiden der Tiere zu reduzieren. Das sind die drei Schlüsselbereiche. Der Gesundheitsaspekt ist wirklich interessant. Wir sind eine sehr evidenzbasierte Organisation und es gibt wissenschaftliche Beweise dafür, dass eine vegane Ernährung die Wahrscheinlichkeit einiger Krebsarten und Diabetes verringern kann. Das ist dann aber eine gut geplante, gesunde vegane Ernährung. Nur vegan zu werden bedeutet nicht, dass du gesund sein wirst. An sich muss die vegane Ernährung nicht per se gesünder sein. In Bezug auf die wissenschaftlichen Beweise ist die Gesundheit das schwächere Argument der genannten drei. Offensichtlich ist es besser für Tiere. Auch ist sich die Wissenschaft bei den Umweltauswirkungen so sicher, wie es geht. Man kann als Veganer gesünder sein, aber wie jede Diät, muss sie sorgfältig geplant werden.

Es ist interessant, dass Dan sagt, dass er sich persönlich großartig fühlt. Wir hören so viele Anekdoten von Leuten, die sagen: Ich hatte noch nie mehr Energie, ich fühle mich einfach viel besser. Ich frage mich immer, ob es an dem Wissen liegt, dass ich keine tierischen Produkte konsumiere oder die ethischen Bedenken, die mit der Ernährung verbunden sind. Anekdotisch gibt es viele Hinweise auf ein besseres Gefühl, aber das ist nicht wirklich wissenschaftlich belegt. Ich würde jedem, der sich für die gesundheitlichen Aspekte des Veganismus interessiert, unsere Website empfehlen. Wir starten am 1. November eine Kampagne dazu, wie man erfolgreich vegan leben kann. Wenn man wiederum jeden Tag einen veganen Burger essen geht, dann wird das wahrscheinlich nicht die gesündeste Wahl sein.

Leserin Julia ist wiederum der Meinung, dass gesunde Ernährung für jeden etwas anderes bedeutet. Was für den einen gesund sein kann, ist vielleicht ungesund für den anderen.

Was sagt Frau Gahl? Gibt es wirklich keine allgemeingültigen Aussagen für Veganismus?

Ich kann sicherlich Julias Aussage unterstreichen, dass gesunde Ernährung für jeden etwas anderes bedeutet – wir sind alle individuell, wir wollen uns mit bestimmten Ernährungsstilen heutzutage vielleicht auch absetzen, selbstoptimieren, individuell sein. Gesundheit ist ein sehr großer Trend, daher ist sicherlich auch vegane Ernährung so trendy geworden. Viele Menschen wollen einfach anders sein, sie wollen zeigen, dass sie gegen Massentierhaltung, für Nachhaltigkeit oder von Gesundheitsaspekten überzeugt sind. Es ist sicher nicht ungesund, sich vegan zu ernähren. Für einige Risikogruppen kann es aber tatsächlich ungünstig sein. Für Schwangere und Stillende und auch für Kinder im gesamten Kindesalter birgt eine vegane Ernährung gewisse Risiken. Also wenn ich dann keine Nährstoffpräparate einnehme, wenn ich keine angereicherten Lebensmittel verzehre dann gibt es potentiell kritische Nährstoffe. Das können Proteine an sich aber auch einige Vitamine sein, allen voran ist das Vitamin B12 zu nennen. Wenn ich mich vegan ernähre, habe ich keine Quellen für Vitamin B12, da es in pflanzlichen Lebensmitteln einfach nicht ausreichend enthalten ist. Jeder der sich vegan ernährt, muss auf jeden Fall Vitamin B12 einnehmen, ansonsten kann es zu neurologischen Störungen kommen. Das ist vor allem für Risikogruppen wie Schwangere, Stillende und Kinder wichtig. Wir wollen niemanden verbieten, sich vegan zu ernähren, er sollte nur dauerhaft Vitamin B12 Präparate einnehmen und gezielt nährstoffdichte Lebensmittel auswählen, damit Ersatz geschaffen wird für ausreichend Calcium, Zink, Eisen und ausreichend Proteine. Wenn ich ganz unsicher bin, kann ich mich auch von einer qualifizierten Fachkraft beraten lassen und mich informieren.

Leben Veganer gesünder?

Viele sprechen davon, dass sie sich gesünder fühlen, auch wenn das wissenschaftlich kaum belegt ist. Würdet Ihr Euch überzeugen lassen? Schreibt uns Eure Sichtweise, wir diskutieren sie mit den Experten.

Foto: Bigstock (c) photosvit; Portraits: DGE (c) Christian Augustin, Vegan Society (c)



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