Mit voller Fahrt durch die Mauer – Graffiti in Berlin

Dreißig Jahre nach dem Mauerfall ist die Erinnerung verblasst.

Wobei eigentlich klar sein müsste, wem die Friedliche Revolution gehört, sie ist die Leistung der Ostdeutschen. Hunderttausende von Menschen riskierten in den friedlichen Montagsdemonstrationen ihr Leben und zermürbten durch ihre Flucht aus der DDR das Regime. Ihr Drang nach Freiheit hat letztendlich zur Wiedervereinigung Deutschlands geführt.

Doch das ist nicht das Ende der Geschichte.

Eine sehr junge Partei – lange nach der Friedlichen Revolution gegründet – sieht sich aktuell als Nachfolgerin der Bürgerrechtler. So machte die AfD unter dem Motto „Vollende die Wende“ Stimmung im Wahlkampf in Brandenburg und Sachsen. Als wäre die Regierung der Bundesrepublik so ähnlich wie die der damaligen DDR, würde systematisch Bürgerrechte verletzen, Zensur ausüben und unliebsame Oppositionelle verhaften. Fragt sich nur, warum die AfD dann ihre Plakate drucken und auf Marktplätzen sprechen darf. Da hatten es die Bürgerrechtler in der DDR mit Sicherheit schwerer. Dementsprechend provozierte die Aktion viel empörten Widerspruch, vor allem von den Bürgerrechtlern selbst. So steht die Frage auch bei der Festivalwoche zum Mauerfall der Kulturprojekte in Berlin auf dem Programm.

Wir haben ein paar Fakten für Euch in einer Infografik zusammengefasst.

Was denken unsere Leser?

Wir erhielten einen Kommentar von Hans, der uns geschrieben hat, dass Geschichtsfälschung bei der AfD und NPD Konjunktur habe.

Wir fragten bei Ilko-Sascha Kowalczuk nach, der sich als Historiker und Publizist mit der Aufarbeitung der SED-Diktatur auseinandersetzt. Hat unser Leser Hans recht? Wird Geschichtsfälschung betrieben? Warum steht zur Debatte, wem die Friedliche Revolution gehört?

Diese Diskussion gibt es seit 1990. Es ist bei allen historischen Ereignissen immer so, dass historisch umstritten ist, wem sie gehören, wer damit etwas anfangen kann. Im Falle der AfD ist es allerdings insofern etwas grotesk, dass die versucht sich das Erbe der Revolution von 1989 anzueignen, weil sie genau dagegen steht worum es ging. Die Losung der Friedlichen Revolution lautete: „Für ein offenes Land mit freien Menschen“ und die AfD will genau das verhindern; nämlich ein offenes Land mit freien Menschen.

Für eine weitere Perspektive stellten wir auch Katja Kipping Hans Frage. Sie ist Ko-Vorsitzende der Partei die Linke und Mitglied des Deutschen Bundestages für Sachsen.

Unser Leser Kasper ist der Meinung, „dass die DDR von einem Besatzer an einen anderen Besatzer für sehr viel Geld verkauft wurde.“ Das klingt nach einer sehr passiven Rolle der Ostdeutschen. Ist ihre Leistung bei der Friedliche Revolution und dem Mauerfall in Vergessenheit geraten?

Was sagt Herr Kowalczuk zu Kaspers Kommentar?

Also die Revolution von 1989 war eine Freiheitsrevolution, eine Minderheit der Ostdeutschen hat sich die Freiheit selbst erkämpft und die Freiheit war die Voraussetzung für die Einheit in Deutschland aber auch für das große Europa. Diese Revolutionen in Ost- und Mitteleuropa waren auch dafür die Voraussetzungen. Die Menschen in der DDR haben dann am 18. März 1990 bei den ersten freien Wahlen den schnellsten nach Deutschland zur Wiedervereinigung gewählt und insofern ist das auch keine Okkupation gewesen, sondern ein sozusagen selbstgewählter Weg.

Wem gehört die Friedliche Revolution? Wenn ihr am 7. November in Berlin seid, könnt ihr die Frage auch vor Ort mit den Podiumsgästen Katja Kipping und Ilko-Sascha Kowalczuk diskutieren.

Foto: Flickr (cc) – Jeanne Menjoulet, Portrait: Kowalczuk (c) Ekko von Schwichow

Diese redaktionell unabhängige Debatte ist Teil einer Kooperation mit Kulturprojekte Berlin im Rahmen ihrer Festivalwoche 30 Jahre Friedliche Revolution – Mauerfall. Mehr zu unseren Partnern findet ihr in unserem FAQ.



34 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst Du?

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    Rolf

    Den Menschen die den Mut hatten die Mauer 2 mal zu beseitigen. Er die Mauer und das System. ☺️☺️☺️, alle haben zusammen gehalten als Volk, und dank an die loyal NVA, aber AFD hat nicht was mit zu tun, glaube die Anhänger waren betrunken zur jener Zeit. 😂😂😂

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      Annette

      Rolf – wenn die Russen die Panzer geschickt hätten dann wärs das gewesen.

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      Josef

      Rolf, Blödsinn! Die AfD gibt es erst 24 Jahre nach dem Mauerfall !
      Dafür gab es ganz andere Parteien bereits vor dem Mauerbau !

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      Josef

      @Annette Richtig! Das Paradebeispiel 17. JUNI 1953 ; 1956 Ungarn und 1968 Tschechoslowakei ! Nicht zu vergessen die Annektion des Baltikum 1945 !

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    Heiko

    Seit wann nennt man eine Konterrevolution Revolution? Was war daran friedlich?

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      Josef

      @Heiko Friedlich ist alles, wo keine menschliche Opfer zu beklagen sind! So die Definition !

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      Heiko

      @Josef Sie meinen Todesopfer. Menschliche Opfer hat es viele gegeben.

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      Volker

      Heiko – Ach hören Sie auf zu quengeln und machen Sie doch das was Sie wollen…. aber MACHEN SIE DAS!

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    Gisela

    Ich stimme Kaspr nicht zu, die Menschen in der ddr haben doch gewählt!!

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    Maike

    Was ich nicht verstehe ist warum bei der Wiedervereinigung nicht die positiven Aspekte der DDR, z.B. in Bezug auf die soziale Sicherheit übernommen wurden…?

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      Henri

      „Positive Aspekte“ eines Unrechtsstaats??

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    Horst

    Gesamt Deutschland, denn die BRD hat nicht aufgeben und die Bürger in der DDR haben gekämpft.

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      Josef

      @Horst, Betreiben sie keine Geschichtskittung, den die BRD war nur Zaungast , mehr auch nicht !

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      Horst

      Ja und nein, denn die BRD hat über 40 Jahre, wie eine Manta immer gesagt Wiedervereinigung .

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    Jöns-Peter

    Dikussion von Verschwörungstheorien!

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    Hans

    Der DDR Bürger wollte ‚Deutschland einig Vaterland‘ und die ‚D‘ Mark.
    .
    Wer glaubt oder meinte die Wiedervereinigung hätte andere gestaltet werden können ist ein Träumer.
    .
    Von an Besatzern verkauft worden zu schwurbeln grenzt hart an Reichsbürgerlehre.
    .
    Anscheinend beginnt jetzt die Zeit der Legendenbildung..manmanman..

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    Werner

    wenn schon denn ossis👍👍👍

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    Balduin

    Es gab keine friedliche Revolution!

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    Norbert

    Lügen, Haßrede, Gewalt und Geschichtsklitterung sind nun wirklich die einzigen Konstanten der Ultrarechten. Also das Gegenteil der Bürgerrevolution von 1990.

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    Uwe

    Qas fürn schmarrn.
    Ihr hattet null zu melden..
    Die obeten vetantwortlichen Parteilappen haben die Russen gefragt was die tun sollen..
    Der Russe hat das ok gegeben soweit keine russische Doldaten verletzt o gar getötet werdrn.
    Wenn der Russe nicht ok gesagt hätte wär der laden zu geblieben u wenn es hart auf hart gekommen wäre eärn die Panzer gerollt wie in Ungarn.Sorry aber das ist fakt

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    Lothar

    Es kommt bei dieser Diskusion auch auf die Zeit vor dem Mauerfall an! Am 15. Juni 1961 hatte der damalige DDR-Staats- und Parteichef Walter Ulbricht in einer Pressekonferenz verkündet: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“ Und schon zwei Monate später wurde sie gebaut, die Berliner Mauer. Und Deutschland wurde auf fast 1400 Kilometern Länge noch hermetischer getrennt als vorher. Aus der Fake News war für fast drei Jahrzehnte Realität geworden. Die SED wollte die Abstimmung mit den Füßen stoppen, die immer mehr Menschen in den freien Westen führte. Dass die Berliner Mauer 1989 gefallen und der Eiserne Vorhang sich gehoben hat, dies muss Ansporn sein, aus der Geschichte zu lernen und gemeinsam in die Zukunft zu gehen. Wir müssen in Deutschland und Europa mehr den gedanklichen Austausch pflegen und die Politik muss Probleme lösen anstatt über diese nur oberflächlich zu palavern.

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    Lutz

    Michael Gorbatschow darf man auch nie vergessen 👍👍👍👍

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    Stephan

    Auf jeden fall nicht Hasselhoff😂😂😂

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    Grischa

    Hahaha da erinnern sich die Genossen aus der #SED wohl gerne an alte Zeiten.

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    Kohi

    Ohne der AfD das Wort reden zu wollen, aber die erste freie Volkskammerwahl 1990 wurde erheblich vom Westen beeinflusst, eine massive Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines anderen Staates:

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    Wisi

    Den Zusammenhang zur AfD stellst du meines Erachtens nach aus völlig freien Stücken her. Wenn das so passiert ist, dann war das halt so. Die AfD springt doch bekanntlich eh auf jeden Zug auf, von dem aus es sich gut auf andere mit dem Finger zeigen lässt… ohne Ziel und ohne Verstand, Hauptsache Maul aufreißen und alles scheisse finden. Kannst du irgendeinen Kontext herstellen?

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    Kohi

    Sieht man die Volkskammerwahl als Teil der Wende, und sie war ein entscheidender denn sie bestimmte das Tempo und das Wie der Wiedervereinigung, dann könnte man die Einmischung und den Sieg der westdeutschen Regierungspartei beim gleichzeitig marginalen Abschneiden der eigentlichen Wendeparteien der Bürgerrechtler als „Übernahme“ (zumindest des Wendeprozesses) ansehen, ab der das ostdeutsche Volk kaum noch Einfluss darauf hatte und nun hauptsächlich westdeutsche Interessen vertreten wurden.

    Wenn jetzt eine Partei, die sich hauptsächlich den Ostdeutschen anbiedert, verspricht sich um deren Anliegen, Probleme und vor allem das Gefühl „Bürger zweiter Klasse“ seit der Einheit zu sein, zu kümmern – kann man das als weiteren Schritt zur tatsächlichen Einheit (=Wende) durchaus sehen.

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    Wisi

    Ja, ok, im Hinblick auf den Artikel ist da ganz klar ein Kontext. Aber: du stellst ja die „Überzeugungsarbeit“ vor der Wende aus dem Westen zugunsten der Wende heraus, und sagst gleichzeitig, du möchtest der AfD nicht nach dem Mund reden.

    Ich sehe aber nach wie vor keinen sinnvollen Zusammenhang zwischen der damaligen Wende, wie auch immer sie abgelaufen ist, und der „Wende 2.0“ wie sie von der AfD als Programm benannt wird.

    Die AfD reißt doch auch hier nur das Maul auf, um am Ende – wie im Osten üblich – sich im dann selbst deformierten Politikapparatschik wieder mit schönen Posten das Leben zu versüßen.

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    Kohi

    Ich habe mich nicht mit dem Wahlprogramm der AfD befasst und will es jetzt auch nicht, aber es gibt sicher Artikel die das analysieren, zB.: Wie die AfD sich die Wende aneignet.

    Im Grunde wollen sie einfach die Wähler dort einfangen wo sie unzufrieden sind, und der Verlauf der Wende ist halt ein Stachel der noch tief sitzt. Populismus eben. Dass Wahlslogens und -versprechen nicht viel mit der Realität zu tun hatten ist allerdings nicht erst seit der AfD so.

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    Wisi

    Ich fühle… wir sind einer Meinung in der Sache. Ich bete jeden Abend zu Gott, Allah, Zeus, Anubis, Aphrodite, Krishna, Shiva aber sicherheitshalber auch zu Odin und Thor, dass es mit dieser “Partei“ in ein paar Jahren vorbei ist wie mit den Republikanern damals.

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    Daniel

    Sie gehört vor allem nicht Menschen, die heute noch in einer Partei der Verantwortlichen für diese Diktatur unterwegs sind.

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    Brug

    Schön, auch mal Stimmen von den Tätern im DDR-Regime zu hören.

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