Kinderbetreuung, ermöglicht Eltern zu arbeiten.

Berlin hatte als erstes Bundesland die Kita-Gebühren abgeschafft.

Kann das Bundesland Vorbild für ganz Europa sein? An sich ist das eine sinnvolle Investition der Gesellschaft: Junge Eltern sind schnell zurück am Arbeitsplatz und die Kinder erhalten alle die gleichen Startchancen. Kinder sollte sich auch jeder – zumindest finanziell – leisten können. So viel zur Theorie, aber wie sieht es in der Praxis aus?

Die Kosten für die Kinderbetreuung unterscheiden sich stark in Europa. In Großbritannien müssen Eltern mit zwei Kindern im Schnitt 30 Prozent ihres Einkommens für Kitas ausgeben (dabei sind schon alle Vergünstigungen eingerechnet). Auch in Irland, den Niederlanden, Slowenien, Portugal und Luxemburg gibt ein Familienhaushalt im Schnitt 25 Prozent seines Einkommens für die Kinderbetreuung aus.

Es geht aber auch anders.

In Malta werden die Kinder gratis versorgt, wenn die Eltern arbeiten oder in einer Ausbildung sind. Ähnlich sieht es in Lettland, Litauen und Rumänien aus. In Deutschland entscheidet der Wohnort, wie viel die Eltern zahlen. Am teuersten ist ein Krippenplatz in Schleswig-Holstein, hier geben Familien im Schnitt neun Prozent aus, während Eltern in Berlin lediglich das Essen bezahlen (ob sie einen Kitaplatz finden, ist aber eine ganz andere Frage).

Was denken unsere Leser?

Paul sieht es als Privatsache an, wenn sich jemand entscheidet, Kinder zu bekommen. Warum sollte der Steuerzahler für Kitagebühren aufkommen? Für eine Antwort sprachen wir mit Jana Javornik, die Professorin für Arbeitnehmerfragen an der Wirtschaftshochschule in Leeds ist. Kann sie Pauls Argument nachvollziehen?

Für eine weitere Perspektive fragten wir Daniela Bulgarelli, die an der Universität Turin die Qualität der Kinderbetreuung in Italien untersucht. Kann sie Paul zustimmen, dass Kinder Privatvergnügen ihrer Eltern sind?

Aus psychologischer Sicht sollte es jedem von uns freistehen, sich zu entscheiden, Eltern zu werden oder nicht. Aber aus gesellschaftlicher Sicht sind Kinder unser Reichtum. Im Sinne Darwins Sicht brauchen wir Kinder, um unsere Spezies zu erhalten. Dann kann auch ein Ökonom leicht erklären, dass die Gesellschaft darauf angewiesen ist, dass junge Menschen für ältere arbeiten gehen, wenn Ältere in den Ruhestand gehen. Wir sind auch darauf angewiesen, dass junge Menschen sich um ältere Menschen kümmern, die krank werden. Aber ich möchte auf die Frage zurückkommen: Es steht den Menschen nur dann frei Eltern zu werden, wenn der Staat sie bei der Kindererziehung unterstützt. Andernfalls können Erwachsene nicht frei wählen. Sie haben einfach keine Kinder, weil sie es nicht schaffen, sie während der Arbeit zu erziehen. Damit ist dies auch eine Frage der Gleichberechtigung.

Unser Leser Christos ist ganz anderer Meinung. Er ist davon überzeugt, dass sich jeder investierte Euro später auszahlt, da aus Kindern später Steuerzahler werden. Was sagt Daniela Bulgarelli?

Ich stimme zu und möchte hinzufügen, dass Kinder in Betreuung die besseren Schüler werden. Das bedeutet natürlich auch, dass sie einen besseren Arbeitsplatz finden werden. Der Effekt ist vor allem stark, wenn die Kinder aus benachteiligten Familien kommen. Das zeigen internationale Studien. Aber die Kinderbetreuung sollte selbstverständlich von hoher Qualität sein.

Sollte die Kinderbetreuung gratis sein? Ist es nicht ungerecht, dass der Wohnort darüber entscheidet, wie viel Familien für eine Kita zahlen müssen? Oder sollten nur die „Betroffenen“ für einen Dienst bezahlen, den sie nutzen? Was denkt Ihr?

Foto: (c) BigStock – Anna Kraynova; Portrait: (c) Bulgarelli

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