Jugendliche nehmen an Straßenprotesten für den Klimaschutz teil.

Diese Jugend von heute!

Das Engagement ist ja gar nicht ernst gemeint! Früher haben wir uns noch für mehr als nur uns selbst interessiert…Die Reihe an Vorwürfen der älteren Generation gegen die junge ließe sich beliebig fortsetzen. Witzigerweise sind es immer ähnliche Beschwerden, egal welche Generation man sich anschaut.

Die große Frage, an der sich die Geister im Moment scheiden, ist der Klimawandel.

Für Jüngere ist der Umweltschutz das bestimmende Thema. Angesichts der Prognosen macht sich selbst unter den gut Situierten Panik breit. Die Kritik am Verhalten der Älteren können viele in dem Maße nicht nachvollziehen. Wohlwollendes von „Es ist doch immer noch gut gegangen“ bis hin zu Angriffen wie „die setzen ja nicht einmal selbst um, was sie predigen“ bestimmen die Antworten.

Ist es also nur menschlich, dass die Generationen ihre Vorurteile wechselseitig pflegen oder ist an den Vorwürfen gegen die „Millennials“ mehr dran?

Was denken unsere Leser?

Eric schickte uns einen passenden Kommentar, er ist der Meinung, dass Politik für junge Leute langweilig sei. Bei Straßenprotesten sehen sie direkt Resultate und haben auch einfach mehr Spaß. Stimmt das? Ist das klassische politische Engagement für Jüngere zu mühselig?

Wir haben bei Damian Boeselager nachgefragt. Er hat für die grenzüberschreitende Partei Volt ein Mandat im Europäischen Parlament gewonnen und ist selbst ein Millennial. Was sagt er zu Erics Kommentar?

Für eine weitere Perspektive fragten wir auch bei Bobby Duffy nach. Er ist Direktor am sozialwissenschaftlichen Institut Ipsos MORI. Wie antwortet er Eric?

Das ist eine wirklich gute Frage, die verschiedene Dinge anspricht, die vor sich gehen. Wenn wir über Verhaltensweisen und Einstellungen in einer Population sprechen, gibt es drei Dinge, die sie beeinflussen: Es gibt etwas, das als Kohorteneffekt bezeichnet wird, was für diese Generation einzigartig ist. Es gibt so etwas wie Lifestyle-Effekte, die davon abhängen, wie alt sie sind und in welcher Lebensphase sie sich befinden. Dann gibt es noch etwas, das als Periodeneffekt bezeichnet wird, was den Kontext der Gesellschaft ändert. Diese drei Effekte erklären alles über aktuelle und sich ändernde Einstellungen und Verhaltensweisen in der Gesellschaft auf aggregierter Ebene. Es ist immer eine Mischung aus diesen drei Dingen.
Diese Vorstellung, dass junge Menschen die organisierte Politik auf eine Weise ausprobieren, die es sie in der Vergangenheit nicht gab, ist nicht wirklich wahr. Ich denke, es gibt aufgrund der neuen Technologien und insbesondere der sozialen Medien eine größere Auswahl an Dingen, an denen sich Jugendliche beteiligen können. Daher kann man mehr Bewegung in Kampagnen sehen. Das naheliegende Beispiel ist der Klimawandel. Hier verfolgen Gruppen einen direkteren Handlungsansatz, sie sind in der Lage, sich viel lockerer und durch die Technologie zu organisieren. Meiner Meinung nach trägt das zum Reichtum des politischen Engagements bei. Das bedeutet nicht, dass junge Menschen kein Interesse an Politik haben. Auch Straßenproteste sind von Natur aus politische Aktionen. 

Unser Leser Saurav hat die jüngere Generation längst aufgegeben. Er behauptet, Jugendliche interessierten sich nur noch für „Likes“ und sich selbst. Ist am Vorwurf was dran? Wie antwortet Herr Boeselager?

Interessiert sich die heutige Jugend für Politik? Sind Straßenproteste einfach spaßiger als mühselige Parteiarbeit oder verschafft sich eine politisierte Jugend Gehör? Was meint ihr?

Foto: Flickr (c) Jörg Farys; Portrait: Duffy (c) King’s College



5 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst Du?

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    Daniel Fechner

    Eine andere Generation denkt nunmal anders, immerhin hatten sie eine andere Jugend/ haben sie andere Erfahrungen gesammelt als die vorherige.
    Es ist meiner Meinung nicht verwunderlich, dass sie sich anders organisieren, anders auf Probleme einwirken wollen oder sich anders verhalten als die „Alten“.
    Warum sich viele vor allem für Straßendemonstrationen begeistern können, anstatt in die Politik zu gehen und sich dort engagieren … da geb ich Herrn Duffy recht, es gibt sofort Resonanz, Gemeinschaft und manche definieren sich als Teil dieser Gruppe, aber es gibt, auch andere Wege, dies erkennt man bspw. an Herrn Boeselager, der in einer Partei aktiv ist.
    Ich erinnere bei diesen Fragen immer wieder gern an die 68er Demonstrationen, nicht alles war gut, insbesondere den Stopp der Castor-Transporte kann man im Nachhinein nicht als die beste Idee erkennen aber es ging um ein Zeichen für etwas was definitiv eine gute Idee ist.

  2. avatar
    Kasra

    Es macht mehr spass in einer Gruppe mit Bier in der Hand zu brüllen als in der Schule aufzupassen ja!

    • avatar
      Daniel

      Schon tragisch … Mitte 40 und weil nan damals in der Schule nicht richtig aufgepasst hat, steht man jetzt auf der Straße und demonstriert für Pegida oder gegen den Klimaschutz.

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      Kasra

      genau..Gumb

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      Kasra

      Nicht falsch verstehen.. Bin software ingenieur und schreibe mit einem Sanitäter der Bundeswehr 😂

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