Ein Praktium kann mühsam sein.

In Europa werden jedes Jahr 4,5 Millionen Praktika absolviert.

Aus den Zahlen der EU-Kommission geht hervor, dass 59 Prozent davon unbezahlt und 40 Prozent ohne vertraglichen Schutz vergeben werden. Zyniker könnten vermuten, dass einige Unternehmen die hohe Jugendarbeitslosigkeit ausgenutzt haben, um sich mit billigen Arbeitskräften zu versorgen. Verhindert der stetige Strom von Praktikanten richtige Jobs? Wie sieht es für die Praktikanten aus? Ist ein Praktikum die ganze Mühe wert?

Was denken unsere Leser darüber?

Wir erhielten einen Kommentar von Thernie, der sagt: „Praktika sind für junge, unerfahrene Menschen von unschätzbarem Wert, sie ermöglichen ihnen einen ersten Zugang zum Arbeitsmarkt.“ Hat sie recht?

Um eine Antwort zu erhalten, sprachen wir mit Alexandre Beddock, Kommunikationsmanager bei InternsGoPro, einem Sozialunternehmen, das sich gegen ausbeuterische Praktika einsetzt. Was würde er sagen? Sind Praktika die Erfahrung wert?

Ja, ganz sicher. Wir haben so viele Leute, die uns sagen, dass sie gute Praktika gemacht haben. Aber angesichts der hohen Jugendarbeitslosigkeit in einigen Ländern Europas gibt es auch einen Trend, Praktikanten als eine Art „Arbeitsersatz“ einzusetzen oder minderwertige Arbeitsbedingungen anzubieten. Auf der anderen Seite gibt es jedoch viele Unternehmen, die ihre Praktikanten tatsächlich ausbilden, ihnen Verantwortung übertragen und ihren Praktikanten etwas beibringen wollen. Deshalb unterstützen wir diese Arbeitgeber, gute Bedingungen für ihre Nachwuchskräfte zu schaffen.

Leserin Dorie sieht Praktika viel kritischer: „Zu viele Unternehmen verlassen sich auf eine unangemessene Anzahl von Praktikanten; ich habe Praktikanten getroffen, die sagen, dass sie vier Praktikanten auf drei Mitarbeiter sind.“ Sind Unternehmen zu sehr auf Praktikanten angewiesen, um die jungen Leute angemessen auszubilden?

Wir sprachen mit Alessandro Fusacchia, einem Mitglied der italienischen Abgeordnetenkammer für das proeuropäische Mitte-links Parteienbündnis +Europa. Was antwortet er?

eDas ist eine schwierige Frage. Ich habe jetzt gerade keine Statistik zur Hand, aber ich habe das Gefühl, dass sich tatsächlich zu viele Firmen zu sehr auf ihre Praktikanten verlassen. Ich sehe aber ein anderes Problem: Die junge Generation muss heutzutage sehr viel Erfahrung sammeln, um herauszufinden, wie der Arbeitsmarkt funktioniert und wie sie ihren eigenen Weg finden. Ein Praktikum nach dem anderen sollte aber nicht absolviert werden. Ein Praktikum sollte vielmehr in ein „richtiges“ Arbeitsverhältnis führen. Außerdem sollte man während seines Praktikums seine wahren Talente entdecken, das kann etwas anderes sein, als man erwartet hätte. Basierend auf dieser Erfahrung, kann man dann den richtigen Weg für sich finden. Wenn diese Selbstverständlichkeit den Unternehmen nicht mehr klar ist, brauchen wir neue Gesetze und Regelungen, um Ausbeutung zu verhindern.

Ist ein Praktikum der Mühe wert?

Wie können wir verhindern, dass Menschen in eine „Praktikumsfalle“ geraten? Sollte es eine strengere Gesetzgebung für Praktika in Europa geben? Schreibt uns im Kommentarfeld Eure Meinung und wir werden sie an politische Entscheidungsträger und Experten weiterleiten!

Foto: (c) BigStock – fizkes
Dieser redaktionell unabhängige Beitrag wurde finanziell von der Cariplo Stiftung unterstützt. Mehr dazu unter unseren FAQ.
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One Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

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    Daniel Fechner

    Über das Feld hinweg, hab ich gute Erfahrungen mit Praktikas gemacht, 1 hat nach einer unbezahlten Verlängerung in ein Arbeitsverhältnis geführt, bei 2 anderen hätte ich eine Zusage bekommen.
    Aber es gibt auch andere mir bekannte Fälle, bei denen der Praktikumseinsatz nur als billige Arbeitskraft verwendet wurde, vor allem im Einzelhandel.
    Aber ich denke im Großen sollte der Gesetzgeber keine neuen Regeln erlassen, eventuell könnte man einführen, dass es eine unabhängige Stelle (oder eine kleine Anzahl, für unterschiedliche Bereiche der Wirtschaft) gibt, bei der die Betriebe bewertet werden, dies könnte vorbeugend gegen Lohndumping (ich denke dies ist das eigentliche Problem) wirken.
    Aber vor allem vor Ausbildungen, ist ein Praktikum sinnvoll … insbesondere wenn der Lebenslauf nicht das Gelbe vom Ei verspricht … deshalb bloß nicht zu viele Steine auf den Weg werfen.

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