Wie werden psychische Krankheiten wahrgenommen?

Psychischen Störungen hängt noch immer ein Stigma an.

Betroffene stoßen auf Unverständnis oder sogar offene Ablehnung, wodurch sie oftmals auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert und sozial isoliert werden. Dabei bräuchten sie gerade im Moment der Erkrankung Unterstützung aus ihrem sozialen Umfeld. Viele fürchten sich aber vor Menschen mit psychischen Krankheiten, was durch die Medien oft noch befeuert wird. Comicverfilmungen wie der „Joker“ machen die Situation bestimmt nicht besser. Durch ihre psychische Krankheit verliert die Hauptfigur immer mehr ihren Verstand, bis sie zu einer unkontrollierten Bedrohung für die Gesellschaft wird.

Dabei gehören psychische Krankheit zu einem „normalen“ Leben dazu.

Nur jeder sechste ist dauerhaft mental gesund, während die Mehrheit im Lauf ihres Lebens mindestens ein Mal an einer psychischen Störung erkrankt. 20 bis 25 Prozent der Bevölkerung leidet akut an einer Störung, die seinen Alltag stark beeinträchtigt. Daher legen Experten nahe, seine Psyche so regelmäßig wie seinen Blutdruck kontrollieren zu lassen. Vorsorgeuntersuchungen für die mentale Gesundheit lautet die Forderung. Schließlich ist das Risiko für psychische Krankheiten auch viel höher als für Diabetes, Krebs oder eine Herzerkrankung.

Ein weiteres Vorurteil ist die Annahme, psychische Störungen seinen eine Diagnose für den Rest des Lebens. Viel öfter treten sie jedoch nur als kurze Episoden auf. Dennoch müssen sie medizinisch  behandelt werden, so wie gebrochene Knochen oder Nierensteine.

Was denken unsere Leser über psychische Krankheiten?

Wir erhielten eine Frage von einem Leser, der sich Teabag nennt. Er oder sie ist der Meinung, dass psychische Krankheiten noch immer ein Stigma sind und von der Gesellschaft auch nicht wirklich ernst genommen werden.

Stimmt das? Für eine Antwort fragten wir bei Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nach.

Für eine weitere Sichtweise sprachen wir mit Professor Ella Arensman. Sie leitet die Forschung bei der National Suicide Research Foundation in Irland und lehrt an der Public Health University College in Cork.

Was das Stigma psychischer Krankheiten angeht, sehe ich positive Fortschritte. Das betrifft die Aufmerksamkeit, Entscheidungsträger, Spenden, den Gesundheitssektor aber auch dieGesellschaft. Wenn wir aber psychische Krankheiten mit physischen vergleichen, hinken wir hier sicher noch hinterher. Wir denken Europa sei fortschrittlich, aber in Irland wurde Selbstmord zum Beispiel erst 1993 entkriminalisiert. Es gibt dann doch wieder Barrieren. Es ist gut, dass dieses Thema mehr Aufmerksamkeit erhält. Wenn es aber um die psychische Gesundheit von Kindern und jungen Erwachsenen geht, wird sie sicher längst noch nicht ernst genug genommen. Diesem Thema sollten wir uns in den nächsten Jahren widmen.

Werden psychische Krankheiten ernst genommen? Schrecken mentale Krankheiten noch immer ab oder sind wir gesellschaftlich schon weit gekommen? Was sollte sich noch ändern?

Foto: Max Pixel (cc); Portrait: Arensman (c) University College Cork



36 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst Du?

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    Susanne Faust

    Ich denke das auch Kinder schon informiert sein sollten.Erstens nimmt es ihnen die Angst falls sie selbst erkranken sollten,es verstärkt das Verständnis,falls sie familiäre Probleme damit haben und auch das alltägliche soziale Leben wird dadurch erleichtert.

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    Guido

    Ausgerechnet den Spahn Fragen 😂😂😂

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    Yvonne

    die dachten , ein betroffener kennt sich aus. Darum Frage Spahn!

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    Denicek

    Heutzutage hat doch jeder irgendetwas angeblich

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    Stefan

    Aber es gibt Opfer dieser Gesellschaft !

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    Denicek

    n bisschen Schwund ist immer hömma🤷‍♂️

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    Denicek

    Ja alle sind krank im falschen körper dies und das….🐣🐣🐣

  8. avatar
    Toralf

    Sei doch einfach froh dass es dir offensichtlich gut geht.

    Braucht’s denn die Verächtlichmachung Anderer um dich noch wohler zu fühlen ?

    Dann , allerdings , hast du auch ein Problem.
    Therapievorschlag : DENKEN , wenn möglich. MAUL HALTEN wann immer möglich.😤😵🤪

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    Mirjana

    Jens Spahn?Fragt doch lieber die Betroffenen

  10. avatar
    Iris

    Nicht Hr. Spahn fragen – der nimmt gleich eure Organe, wenn er nur etwas von Krankheit hört 😜😭😭😭

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    Regina

    🤦‍♀️🤦‍♀️🤦‍♀️

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    Marina

    In erster Linie werden Tabletten verschrieben….

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    Basti

    is doch logisch,die Pharmaindustrie will doch ordentlich mit verdienen

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    Anne

    Hilfe wird viel zu wenig geboten und die Hürden sind enorm. Leute die so einen großen Leidensdruck verspüren um sich Hilfe zu suchen müssen Monate warten. Viele schaffen es nicht mal auf eine Warteliste zu kommen weil sie es nicht schaffen ständig irgendwo anzurufen. Das System ist von vorne bis hinten am Problem vorbei organisiert.

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    Barbara

    …so ist es leider, und wird immer schlimmer…

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    Gerhard

    Manchmal frage ich mich, ob die „Normalen“ nicht die Kranken sind … ?

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    Janusz

    Ich habe sehr schlechte Erfahrungen mit Psychiatrie. Man kann die Ärzte austricksen wie man will. Es reicht ein bisschen über die Psychiatrie lesen.

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    Piotr

    Da habt ihr aber den richtigen gefragt! Der hat von nichts Ahnung. Aber davon viel!

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    Simona

    Nein, die gehören nicht zum normalen Leben dazu. Harz IV, Mini Jobs und Zeitarbeit, und was es nicht alles gibt, macht die Menschen krank.
    Die Menschen, die immer in Angst und Sorge um ihre Existenz leben müssen, und da bis ins Rentenalter hinein. Und die Tendenz ist steigend. Das hat mit Menschenwürde nichts mehr zu tun.

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    Ines

    Ja und wer hat Schuld die Politiker man hat doch nur noch Angst um Job , Zukunft.Das gehört nicht dazu der weiß doch garnie was die Menschen durch machen.

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    Claudia

    Bei Tieren ist nicht artgerechte Haltung verboten, bei Menschen nicht. Krankheit, auch psychisch, ist das logische Ergebnis.

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    Wolfgang

    Wer den Spahn fragt kann sich auch mit einer Spanplatte unterhalten. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Spanplatte eine ehrliche Antwort gibt ist sogar größer.

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    Bernd

    Dieses Klimatheater hier in Deutschland soll doch nur dazu dienen , eine Ablenkung der Nazis und AfD – Probleme !!! Und der Hetzereien !!!

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      Daniel

      Falsche Diskussion

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    Stephan

    Nein werden sie nicht.
    Gutes Beispiel , Sexualstraftäter, sie gehören nicht in Gefängnisse sondern in ein Krankenkasse .

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    Florian

    Eigentlich schon.
    Populäre Filmfiguren, Stars. Über die Populärkultur halt. Oder Sensibilisierung in der Schule möglichst Früh.
    Wichtig wäre auch Trash TV abzuschaffen und allgemein dass Niveau zu heben.

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