Die Reaktorkatastrophe in Fukushima im Jahr 2011 hat viele Länder zum Umdenken gebracht. Die Kernschmelzen in Japan waren die größte Atomkatastrophe seit Tschernobyl im Jahr 1986. Auch in Deutschland gewann die Energiewende an Fahrt, bis 2022 sollen die letzten Atomkraftwerke abgeschaltet werden.

Wie sieht es im restlichen Europa aus?

Die Meinungen über Kernreaktoren gehen in den Mitgliedsstaaten weit auseinander. Nach Fukushima haben einige Länder ihren Atomausstieg ausdrücklich beschlossen beziehungsweise bekräftigt (Deutschland, Schweiz, Belgien, Spanien) oder wollen daran festhalten (z.B. Irland, Italien und Litauen). Diesen stehen aber auch Länder gegenüber, die an der Atomkraft festhalten oder sie sogar weiter ausbauen wollen. So plant beispielsweise Polen den Bau von sechs Kernkraftwerken.

Die meisten Umweltschützer sind sich einig, dass ein Atomausstieg notwendig ist. So bleibt die Frage ungelöst, wie der radioaktive Abfall dauerhaft entsorgt soll. Andererseits sind Kohlekraftwerke in Bezug auf die CO2 Bilanz schlimmer als Kernenergie.

Was denken unsere Leser darüber?

Leser Mark hat uns eine Debatte vorgeschlagen. Er meint, die Kernenergie sollte nicht genutzt werden, da sie gefährlich sei. Hat er recht? Sollte ganz Europa die Atomenergie aufgeben?

Wir haben Mitglieder des Europäischen Parlaments gefragt, wie ihre Partei zu dem Thema steht. Wem stimmt ihr zu? Schreibt uns einen Kommentar und stimmt mit ab!
 
Linke
Europaabgeordnete Cornelia Ernst
Auf jeden Fall! Ich wäre sehr zufrieden, wenn alle Mitgliedsländer sich entscheiden würden, Atomenergie aufzugeben. Ich denke, Atomkraft ist keine Antwort auf Energiefragen. Wir brauchen mehr erneuerbare Energien. In jedem Land ist ein Energiemix möglich und notwendig. Ich kann nicht verstehen, warum wir Ländern wie Großbritannien Geld für ihre Atomkraftanlagen geben. Wir wissen, dass dies der falsche Weg ist. Wir brauchen alternative, erneuerbare Energien. Dafür setzten wir uns als Linke ein. Ich glaube, die Zeit für Atomkraft ist vorbei.
Grüne
Europaabgeordnete Terry Reintke

Auf jeden Fall! Alle Mitgliedsländer sollten Atomenergie abschaffen! Ich bin Grüne und Atomkraft war einer meiner Gründe, in die Politik zu gehen. Atomkraft ist weder nachhaltig noch sicher. Heutzutage haben wir viel bessere Technologien, wie Solar- und Windenergie, daher ist Atomenergie auch unnötig. Ich glaube, wenn wir eine europäische Energieunion aufbauen, sollten wir in erneuerbare Energien investieren.

Liberale
Europaabgeordneter Gerben-Jan Gerbrandy

Letztendlich sollten wir aus der Atomenergie aussteigen, wir sind inmitten einer Übergangsphase zu sauberer, nachhaltiger Energiegewinnung und das ist sehr gut. Am Ende dieses Übergangs werden wir keine Atomkraft mehr brauchen, sie ist gefährlich und teuer. Wir brauchen Zeit für den Übergang, aber wir werden aus der Atomenergie in Europa aussteigen.

Christdemokraten
Europaabgeordneter Bendt Bendtsen

Nein, es sollte jedem Land überlassen werden, wie es über seinen Energiemix entscheidet. Ich komme aus Dänemark, wir wollen keine Atomenergie. Ich denke aber, dass die Bevölkerung in jedem Land selbst entscheiden sollte.

Konservative
Europaabgeordneter Hans-Olaf Henkel

Der Gebrauch oder das Ende nuklearer Energie ist eine nationale Aufgabe und kann daher nicht in der Verantwortung Europas liegen. Deutschland hat einfach Atomenergie abgeschafft, ohne seine neun europäischen Nachbarn davon zu unterrichten. Frankreich hätte so etwas nie tun können. Sollte ganz Europa den Atomausstieg planen, wäre das die Deindustrialisierung Europas. Es würden nicht nur die Lichter ausgehen, wir würden auch Millionen Jobs verlieren.

Europaskeptiker

 

Die europaskeptischen Abgeordneten standen bis zur Veröffentlichung dieses Beitrags nicht für ein Interview zur Verfügung.

Foto: CC/ Flickr – IAEA



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10 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

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  1. avatar
    Petr

    Nein, Generation IV Kernkraft anschauen. Fukushima kann in Europa nicht passieren da wir nicht solche Erdbeben oder Naturkatastrophen haben. Tschernobyl kann in (West)Europa nicht passieren, da damals in der Sowjetunion RBMK Reaktoren eingesetzt wurden, welche aufgrund der Bauart bereits gefährlich waren. Die Reglerstäbe waren an den Spitzen ohne Graphit, eine Leistungsreduktion hatte kurzzeitig einen Leistungsanstieg zur Folge. Siehe negativer Dampfblasenkoeffizient.
    Sowas kann also nicht mehr passieren. Due Schuld war damals auch die Ignoranz der Menschen.
    Tihange ist die gleiche Ignoranz, denn in Deutschland wäre der Reaktor längst abgeschaltet worden.
    Wir sollten die Druck und Siedewasserreaktoren abschalten und durch neuere und inhärent sicherere Thorium/ Flüssigsalz Reaktoren ersetzen, wo sowas nicht eintreten kann.
    Der Abfall der dabei entsteht kann in einem unterkritischen Reaktor mit Teilchenbeschleuniger via transmutation in kurzlebigen Müll verändert werden, siehe MYRRHA Reaktor.
    Bei Thorium Reaktoren wäre die Strahlung nach 300 Jahren weg, nicht mehr die sorge das man ein Endlager für Tausende Jahre finden muss.
    Ebenfalls was nicht beachtet wird, es gibt genug Atommüll der dauerhaft 30°C Wärme abgibt, diese Wärme könnte man auch nutzbar machen und über Wärmetauscher und getrennte Kreisläufe die Wärme nutzen um damit zu heizen. Stattdessen liegt der Müll rum.

    Ich bin gegen die derzeitige Anwendung der Technik, aber Befürworte die Generation IV Kernkraftanlagen, zumindest solange bis wir eine Lösung haben, wie wir auch im Winter europaweit eine stabile Energieversorgung haben werden, welche nicht auf fossile Brennstoffe angewiesen ist.

    Nachtrag:
    Manche fordern eine Abschaltung der fossilen Kraftwerke bis 2030, das würde bedeuten, das wir von den derzeit 70GW Leistung die im Stromnetz zur Verfügung stehen, 30GW verlieren. Im Winter Frage ich mich wo die Wärme und die Energie herkommen soll, wenn solar und Wind kaum da sind.
    Um die 30GW zu ersetzen, bräuchten wir 25% der Fläche von Saarland nur mit Solaranlagen zuzukleistern. Windkraft hat kaum noch zu Bau, weil die Genehmigungen immer komplizierter werden, die Fördergesetze auslaufen und diese Unterentabel werden. Hinzu kommt, das viele Menschen diese nicht in der Nachbarschaft wollen und die 1,5km Grenze den Rest erledigt.

    Es geht aber auch ohne Atomkraft, aber das ist schwieriger, zum einen wäre ich für die Reaktivierung von DESERTEC in der Sahara, Problem, die Menschen flüchten von dort, welcher Investor will Milliarden dort in den Sand setzen? Hinzu kommt, das Europa es nicht schafft beim Thema Flüchtlinge mit den Ländern dort Zusammenzuarbeiten.
    Zweite Lösung Russland, Russland hat große Flächen welche unbewohnt sind, vom Ural Gebirge gibt es viel Wind, diese könnte durch riesige Windparks genutzt werden und den Eurasischen Kontinent versorgen. Problem, Trump will uns eher dazu zwingen US Gas per Schweröl Schiff zu beziehen, statt das wir mit Russland russisches Gas bekommen oder die Sanktionen aufkündigen.
    Es gibt also Lösungen, nur sind geopolitisch so unbequem, das ich nicht sehe, das diese in den nächsten Jahrzehnten angefasst werden.

    • avatar
      Ti He

      Petr Kirpeit coole Argumentation und Erklärung, weiter so ! :)

  2. avatar
    Phillip

    Kernkraft ist auch die Entwicklung des Fusionskraftwerks, das, wenn es endlich wirtschaftlich wird, jede andere Energiequelle auf der Erde in den Schatten stellen wird, absolut CO2 neutral ist, und pro Energieinheit um Größenordnungen weniger Strahlenbelastung produziert als Kernspaltkraftwerke (Deuterium-Tritium-Fusion produziert einiges an Neutronenstrahlung, die das Behältergehäuse in radioaktives Material umwandeln kann, bei Helium3-Fusion besteht dieses Problem wiederum nicht)

  3. avatar
    Heinrich

    Nicht unbedingt. Die neuste Technologie einsetzen, dann braucht man keine Endlager mehr.

  4. avatar
    Hans

    Atomenergie, die Büchse der Pandora. Am Besten aber die Bewohner von Fukushima/ Tschernobyl befragen.
    .
    Und und den Riesencontainer über den Reaktor werden Generationen noch sicher müssen.
    Ansonsten ist Strahlung ganz harmloses Zeugs…..

  5. avatar
    Christian

    Erstens … Wer wagt eine Prognose welche Geoaktivitäten auch in Nordeuropa wieder kehren können. . unter der Eifel ist viel Bewegung derzeit. … Erbewegung entlang des Rheinbruches … Aktivität und Hebung des Lavadeckels über dem Plumen unter Tschechien …

    Wenn wir die Alternativen haben zzgl. Wendelstein X7 dann sollten wir Risikotechnologien aussetzen …

    Zumal AKW ehrlich gerechnet mehr Kosten als Sie einbringen, und nein neuere Anlagen hinterlassen höchstens bei den Studien der Konstruktionsfirmen weniger Atommüll… Urangewinnung einbezogen hat kernkraft eine schlechtere CO2 Bilanz als fast alles andere.

    wie lange dieser Müll strahlt, und das ist keine gesicherten Lager gibt die diesen Zeitraum überstehen werden ist wohl unbestritten, oder?

    Wir bräuchten einen Mix aus Solar, windkraft, Wasserstoff auch als Speicher Technologie, bereits existierende Technologie zu Wasserstoff Weg Produktion auf algenbasis, energiesparende Technologien einzusetzen wie LEDs …. Wasserstoff oder Salz flusszellenantrieb anstatt elektromotoren, Begrünung der Städte die Temperaturen herabzusetzen somit den energiebedarf für die Kühlung zu minimieren, bedarfsorientierte stadtbeleuchtung, usw…. es gibt so vieles was man machen könnte und am Ende stimmte das bloß Risiko die Welt ein bisschen sauberer, gesünder und besser gemacht zu haben… Ohne Restrisiko….

  6. avatar
    Christian

    Ironie ON. Immer diese Öko-Terroristen, natürlich ist radioaktive Strahlung voll harmlos, ich habe einen Uran Brocken zu Hause, den lege ich mir immer drauf wenn es im Ohr verspannt es tut total gut und mir ist noch nie was passiert… Wenn ich was mit dem Magen habe lecke ich sogar dran, danach ist deutlich besser…

    Alles nur Panikmache, der LinksGrünVerkifften …

  7. avatar
    Christian

    Pro Kernkraft…. Sachlich?

    *Gröhl*

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