Luisa Neubauer wünscht sich eine grüne Zukunft.

Europas Jugend ist politisch wie nie, davon profitieren aber nicht die großen Volksparteien. Vielmehr verschaffen sich Jugendliche über andere Wege Gehör; sie gehen auf die Straße, engagieren sich online und wählen kleinere Parteien. In Deutschland wurden die Grünen die stärkste Partei der unter 30-Jährigen. Laut der TUI-Jugendstudie sind Umweltschutz und Klimawandel für junge Deutsche ein sehr wichtiges Thema, was die Erfolge der Grünen miterklärt. Ist dieser Trend, aber auch europaweit zu verfolgen? Will Europas Jugend eine grüne Zukunft?

Wie sieht es in unseren großen Nachbarländern aus?

Auch in Frankreich erhielten die Grünen von den 25- bis 34-Jährigen 28 Prozent die meisten Stimmen. Es wählten aber auch 20 Prozent der Jüngeren die rechtspopulistische Partei von Marine Le Pen. In Polen spielen grüne Parteien wiederum kaum eine Rolle. Die nationalkonservative Regierungspartei PiS konnte mit 20 Prozent die meisten Stimmen der 18- 29-Jährigen für sich verbuchen und auch insgesamt die Europawahl gewinnen. Für diese Partei haben Vegetarier, Fahrradfahrer und erneuerbare Energien nichts mit „traditionellen polnischen Werten“ gemein und gehören abgewehrt. Polens Jugend sehnt sich nach konservativen Gewissheiten und wählt auch entsprechend. Die Jugend ist sich also noch nicht einig, wohin Europas Reise gehen wird.

Wir haben ein paar Fakten für Euch in einer Infografik zusammengefasst.

Was denken unsere Leser?

Daniel fragt: „Nach der Europawahl werden in Zukunft wohl die Themen Klimawandel und Migration mehr Beachtung finden, ich bin gespannt, welche Auswirkungen dies auf europäischer Ebene haben wird.“ Für eine Antwort auf seine Frage haben wir Experten und Politiker kontaktiert.

Über die französische Jugend sprachen wir mit Delphine O. Sie ist gemeinsam mit Präsident Macron in die französische Nationalversammlung gezogen. Wie antwortet sie auf Daniels Frage?

Ich glaube, das Europäische Parlament hat mit den letzten Wahlen ein klares Mandat dafür erhalten, den Klimawandel zu bekämpfen. Das sehen wir auch an der neuen Kommissionspräsidentin; Frau van der Leyen hat das Klimathema stark betont. Daher denke ich, dass dieses Thema beim Parlament und der Kommission ganz oben auf der Agenda steht. Das Thema Migration war – so wie zu erwarten – ebenfalls sehr wichtig bei den Europawahlen.

Es ist in Frankreich, aber auch in anderen Ländern, gut zu sehen, dass die Jugend gespalten ist. Es gibt diesen progressiven, liberalen Trend in der Politik oder aber das andere Extrem – auch Jüngere wählen die rechtsextreme Partei Rassemblement National. Die junge Generation will also oft den Wandel, wenn auch mit sehr unterschiedlichen politischen Inhalten. Sie wollen eine neue Politik und nicht mehr die althergebrachten Ideen. Auch wenn die extreme Rechte nicht wirklich Neues ausprobieren will, ihre Politik ist weder gut für Menschen noch den Planeten. Aber die Extreme scheinen für die Jugend attraktiv zu sein, links oder rechts.

Was sagt Journalist und Youtuber „MrWissen2Go” Mirko Drotschmann über die deutsche Jugend? Hat Leser Daniel ihre Ziele richtig erkannt?

Zur polnischen Jugend sprachen wir mit Gabriele Woidelko. Sie leitet den Bereich Geschichte und Politik bei der Körber-Stiftung und arbeitet als Expertin für Osteuropa oft mit polnischen Jugendlichen zusammen. Wie antwortet sie Daniel?

Nach der Europawahl hat sich gezeigt, dass Migration und Umwelt sehr relevante Themen für die Jugend sind. Mit Blick auf polnische junge Leute spielt das Thema Klima aber im europäischen Vergleich kaum eine Rolle. Laut aktueller Studien interessieren sich die jungen Polen viel mehr für Gesundheits- und Sozialpolitik. Migration, Wirtschaft und Gesundheit sind die wichtigsten Themen für polnische junge Leute. Das hat sicher viel mit der nationalen Diskussion zu tun. Deshalb glaube ich, dass es trotz der allgemeinen Trends, die wir für junge Menschen in Europa sehen, sehr wichtig ist, sich auch die nationalen Unterschiede anzuschauen. Da ist Polen – was das Umweltthema angeht – eine ganz klare Ausnahme.

Unser Leser Willi sieht das dauerhafte Engagement der Jugend eher skeptisch, er sagt: „Ich kenne leider keinen Jugendlichen, der auch privat alles umsetzt für das er jetzt auf die Straße geht. Die Frage ist, denken die in 10 Jahren immer noch so?“

Was sagt Frau Woidelko zu diesem Vorwurf?

Diese Diskussion wird ja sehr breit geführt. Man hält den jungen Menschen, die gerade zum Beispiel bei den Fridays for Future auf die Straße gehen, immer wieder vor, dass sie nicht selbst alles umsetzen. Ich finde diese moralischen Ansprüche sind Schein-argumente. Fakt ist, dass es eine große grenzüberschreitende Bewegung gibt, die sich ein anderes, nachhaltigeres, umweltfreundlicheres Europa wünscht. Von diesem Thema können wir nicht wieder weg in der gesellschaftlichen Debatte. Fridays for Future hat uns Erwachsenen in der Gesellschaft und der Politik einen wichtigen Impuls gegeben, über Nachhaltigkeit, über Umweltschutz anders nachzudenken und auch Verantwortung zu übernehmen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir dieses Thema auch noch in zehn Jahren diskutieren werden. Und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass viele dieser jungen Menschen zumindest Teile ihrer Überzeugung mit in ihre Zukunft nehmen werden. Es passiert ja viel mehr, als dass sie nur auf die Straße gehen, es werden politische Forderungen gestellt. Diese sind an vielen Stellen berechtigt und werden gehört, es findet ein Umdenken auf politischer Ebene statt. Dieses Umdenken wird sich nicht in fünf Jahren erledigt haben, denn die Herausforderungen bleiben. Die jungen Leute von heute legen den Finger in eine Wunde, die sich nicht schließen wird. Wir verbrauchen mehr Ressourcen als wir haben, damit müssen wir uns auseinandersetzen.

Wie sieht das MrWissen2Go?

Will Europas Jugend eine andere Zukunft? Was denkt ihr? Lassen sich manche Ziele europaweit finden oder sind sich die Jugendlichen so uneinig wie manche Politiker? Was hat für euch Priorität? Diskutiert miteinander und unseren Experten!

Foto: wikimedia (cc) Andol; Portraits: Delphine O (c) Benjamin Bocasse, Woidelko (c) Claudia Höhne

Diese redaktionell unabhängige Debatte ist Teil einer Kooperation mit der Körber-Stiftung im Rahmen ihres Fokusthemas „Der Wert Europas“.
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32 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst Du?

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    Petr

    Ich möchte eine Zukunft wo eine Luisa Neubauer nicht auf dem Podium steht und anderen Menschen erzählt das Fliegen schlecht ist, wobei sie genug selbst geflogen ist und lieber die beweise ihrer Tat von Instagram gelöscht hat statt dazu zu stehen.

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    Siegfried

    Die will wohl die zweite Greta werden . Gott bewahre uns davor,eine ist schon zuviel.

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    Daggi

    Wir sollten uns alle nicht zu sehr von diesem Trend treiben lassen. Rücksicht auf die Umwelt ist wichtig darf aber nicht zum „Ersatzgott“ werden, mit dem man nun alles verbieten und moralisch unterlegen darf! Damit ist nämlich unsere Freiheit in Gefahr! Man hat das Gefühl, dass alles auf dem Prüfstand steht und einige Aktivisten die Deutungshoheit für alle übernehmen. Maßnahmen werden populistisch angepackt und umgesetzt. Die Welt ist leider etwas komplizierter! Nicht Verbote sind ständig umzusetzen, sondern Innovationen Chancen zu geben!

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      Daniel Fechner

      Unüberdacht sollte man definitiv nicht handeln, aber ist nicht das krampfhafte Festhalten an alten Strukturen ebenfalls eine unüberdachte Handlung?
      Manche erneuerbare Energien werden durch die Natur ermöglicht (bspw. Wind, Sonne, Erdwärme), die fossilen Treibstoffe wurden zwar ebenfalls durch die Natur hervorgebracht, doch dauerte dies Millionen von Jahren.
      Beide Seiten argumentieren mit Apokalypsen, die einen mit dem Untergang der Menschheit, die anderen mit dem Wohlstand und damit mit dem Untergang der derzeitigen Gesellschaft.
      Meiner Meinung, irren sich beide, die Wirtschaft war immer im Wandel, alte Technologien erstarken und werden durch andere abgelöst, dies hat Auswirkungen auf die Wirtschaftskraft der Region, die sich darauf spezialisiert hat, auf der anderen Seite werden sich die Lebensbedingungen in vielen Regionen ändern, dies kann zu Wanderungsbewegungen führen oder im schlimmsten Fall dazu, dass ein Teil der Bevölkerung nicht mehr versorgt werden kann und stirbt.
      Allerdings hatte man die letzten 30 Jahre Zeit, zumindest wenn man das Abkommen 1990 als globale Anerkennung des Klimawandels festmacht, es gibt viele Ideen, die auch schon umgesetzt werden (bspw. Grüne Mauer in China, Aufforstung in Australien, Energiewende in Deutschland).
      Leider sieht es derzeit so aus, als ob die Zeit davon läuft, die Konzentration nimmt unverändert schnell zu, eine Reduktion geht nur schleppend voran, manche Absprachen könnten nicht eingehalten werden, es regt sich Widerstand in den Köpfen mancher gegen den Wandel (bspw. Trump, AfD) und es werden Fehlinformationen weiterverbreitet (Bspw. Amazonas ist für 20% der Sauerstoffproduktion verantwortlich, der Mensch ist nur für 4% der Erhöhung verantwortlich, der Diesel soll wegen dem Klima verboten werden).
      Egal wie es weitergeht, es wird Verlierer und Gewinner geben, aber ich hoffe, dass die Verlierer nicht erst geboren werden müssen.

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    Mosis

    Nun, überhaupt mal ne Zukunft wäre ganz nett

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    Maxi

    Absolut widerlich, wie die Jungen werden gegen die Alten aufgehetzt werden.

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    Bjonam

    Umweltschutz ist das wichtigste Thema der jungen Generation und die Politik ignoriert es weitestgehend und tut viel zu wenig. Hier sollte die EU einmal mutig vorangehen!

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    Martin

    Kinder gehen auf die Straße, aus Angst um ihre Zukunft. Ist das nicht offensichtlich?

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    Petr

    Ich kann es zumindest nicht mehr sehen, das „Klimaaktivisten“ durch die Welt reisen und über Klimawandel sprechen, aber selbst dazu beitragen. Zur Info, die Rechner für die Co2 Kompensation basiert auf 20 Jahre alten Bäumen, das heißt, damit mein Co2 Abdruck wegen 2 Flügen entfernt wird, braucht es 2 Bäume und ca. 20 Jahre, bis das aus der Atmosphäre raus ist, wenn ich einen Baum Setzling Pflanze.

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    Monika

    Das Klima ist okay, seid es Menschen gibt, gibt es den Klimawandel und er ist nicht von Menschen verursacht, es ist bewiesen.

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    Sabine

    Wir sollten uns ein Beispiel an den Kindern nehmen.

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    Katja

    Ich kenne viele Jugendliche und junge Menschen , die sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich für eine gute Sache einsetzen, für Umweltschutz, Tierschutz, in Hilfsorganisationen.

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    Christina

    Und die „Lösungen“ dieser jungen Leute sehen wie aus?
    CO2-Steuer? Zum Zwecke der Einsparung von CO2?
    Genial!
    Steuern sind grundsätzlich nicht zweckgebunden!
    Und vielleicht haben ja die „Wissenschaftler“, die den Jugendlichen diese Idee einflüsterten, etwas ganz anderes im Sinn mit diesem Geld?

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    Ludwig

    Die Jugend denkt schon 40 Jahre voraus.Unsere Politiker denken nur 1 Stunde im voraus denn Rest verschwenden sie ihre Zeit mit höheren Diäten und Gehälter.

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    Christina

    Was tut die Jugend, die uns belehren will?

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    Volker

    Wenn man eine kleine Gruppe als „Europas Jugend“ bezeichnet, möchte man Unwahrheiten verbreiten.

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      Farid

      Die Jugend wählt in Frankreich mit 28%, in Deutschland mit 30% die Grünen und nur weil das nicht in ihr beschränktes Weltbild passt, ist das keine „kleinen Gruppe“. Sie sind mit Verlaub vielleicht aber auch einfach zu weit weg von Europs Jugend.

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    Thomas

    Die Jugend ist immer relativ radikal. Und dann wird sie älter..

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    Hans

    Wasser predigen und Wein trinken…

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    Tobi

    Also mir geht es gut, danke.
    Und im Gegensatz zu den Labertüten bei #FridaysForFurture , die hier als „Europas Jugend“ betitelt werden, mache ich auch aktiv was fürs Klima und fliege nicht in Urlaub und esse Burger von McDonald’s bei ner Demo wie die, Besonders Neubauer

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    Alex

    nicht zu vergessen das „die Partei“ und „die linken“ auch jeweils um die 10 % haben und die setzten sich auch für dieses Thema ein. Dazukommen noch Tierschutzparteien und usw. die machen bei den jüngeren auch noch mal fast 10 % aus
    Am Ende haben wählt die Jugend um 75 % linksgrün

  20. avatar
    Ephe

    Das hat mit Perfektionismus nichts zu tun, sondern man sollte,wenn man sich für etwas einsetzt,auch dann vorbildlich verhalten.

    Handys brauchen nun mal Strom,Akkus.

    Ich kann nicht für etwas sein, aber das tun, das der Sache schadet. Wärme muss erzeugt werden und produziert Co2

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    Mandy

    Die Frage ist so naiv. Wann und wer wollte das nicht? Allerdings, was sind die Wege dahin, wie sollte die aussehen? Und andererseits wie glaubwürdig sind die kreischenden Protagonisten der sogenannten Bewegung!

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    Mandy

    Gab es jemals eine Jugend, die keine andere Zukunft wollte?
    Wie lächerlich.

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    Sawe

    Die, die Freitags die Schule schwänzen, sind nicht „die Jugend“. Das sind politisch indoktrinierte Halbstarke, die (noch) dem Gretahype hinterherhüpfen. Spätestens wenn Papi arbeitslos und das Geld knapp ist, ändert sich das.

  24. avatar
    Autobahn

    Ja, ich möchte keine Zukunft ohne Autos und Industrie

  25. avatar
    Pfad

    Es geht nicht um die Frage ob Europas Jugend
    eine andere Zukunft will, sondern ob man ihr
    überhaupt noch eine Zukunft lässt.

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