Lohnt sich die Investition in ein Studium?

Lohnt sich der Weg an die Universität? Eine Universitätsausbildung kostet sowohl Zeit als auch Geld. In vielen Ländern bedeutet ein Studium, mit Schulden ins Berufsleben zu starten. Daher könnte man die Zeit doch auch besser auf dem Arbeitsmarkt nutzen und solide Erfahrungen sammeln, oder? Lohnt sich die Mühe finanziell?

Nie gab es mehr eingeschriebene Studenten in Deutschland als heute.

Gibt es dann ein Überangebot? Ein Studium galt früher als Garant für einen sicheren Job und ein gutes Gehalt. Haben sich die Zeiten geändert? Es stimmt, dass Uniabsolventen im Vergleich zur Ausbildung noch immer mehr verdienen. Mit den investierten Jahren steigt auch die Sicherheit, von Arbeitslosigkeit sind Hochqualifizierte weniger betroffen – der überqualifizierte Taxifahrer ist dann doch eher ein Mythos. Dennoch lohnt ein genauerer Blick. Es gibt durchaus Ausbildungen, mit denen Absolventen mehr verdienen als manch ein Hochschulabsolvent. So verdient der ausgebildete Zahnmediziner mehr als der ehemalige Kunststudent. Aber Geld ist sicher auch nicht alles im Leben. Die meisten wollen einen Job, der sie erfüllt.

Was denken unsere Leser darüber?

Wir erhielten einen Kommentar von Iva, sie uns erzählt, dass viele Jüngere denken, eine Universitätsausbildung verschwende wertvolle Zeit, die man für Arbeit und Erfahrung nutzen könne. Hat sie Recht? Ist eine Hochschulausbildung die Investition in Zeit und Geld nicht wert?

Um eine Antwort zu erhalten, sprachen wir mit Malcolm Byrne, Sprecher der irischen Hochschulbehörde.

Wenn wir jetzt nur die finanzielle Seite betrachten, lohnt sich ein Studium über die gesamte Lebenszeit immer. Man kann mit einer höheren Ausbildung zum Ende eines Arbeitslebens bis zu 70 Prozent mehr verdient haben. Dieser Vorwurf an die Universitäten, dass Absolventen keine praktische Erfahrung haben, ist eine der aktuellen Herausforderungen. Wir brauchen flexiblere Angebote, die auf Veränderungen am Arbeitsmarkt reagieren. Andererseits vermitteln Universitäten auch sogenannte Soft-Skills und bereiten sie so auf das Arbeitsleben vor: Kommunikations-, Teamwork- und kritische Analysefähigkeiten. Es sind also nicht nur finanzielle sondern auch persönliche Vorteile, die ein Studium an der Hochschule bringen. Auch wenn ein Studium nicht unbedingt für jeden etwas ist. Manche wollen lieber eine Ausbildung und Berufserfahrung. Heutzutage ist aber in jedem Job lebenslanges Lernen gefragt, wir müssen uns alle konstant weiterbilden.

Wir erhielten auch einen Kommentar von Leser Stefano, der die Uniausbildung sehr schätzt. Die jeweilige Ausbildung bestimme doch den individuellen Platz in der Gesellschaft. Aber ist das nicht etwas überholt? Es gibt schließlich Firmengründer und Multimillionäre wie Mark Zuckerberg und Bill Gates. Sie haben ihre Imperien ohne Uniabschluss aufgebaut.

Wir fragten bei Eva Sadoun nach, sie ist Mitgründerin von LITA, einer Onlineplattform für Crowdfunding sozialer und nachhaltiger Projekte. Sie ist damit selbst eine junge Gründerin. Wir haben ihr Stefanos Frage gestellt und wollten wissen, nach welchen Kriterien sie ihre Mitarbeiter auswählt.

In den USA ist das sicher ganz anders, weil Studenten dort mit einem „Schnupperstudium“ beginnen, bevor sie sich an der Universität spezialisieren. In Europa müssen wir uns alle mit 18 Jahren entscheiden, in welchem Feld wir Experten werden wollen, wenn wir mit unserem Studium beginnen. Man weiß mit 18 aber doch noch nicht, was man werden will! Trotzdem ordnen wir uns ein und daher muss ich Stefano zustimmen. In Europa bestimmt viel zu stark der Abschluss, wer man ist. Wir schauen zu wenig darauf, was jemand noch neben dem Studium macht. Oft ist auch kaum Zeit für Dinge neben dem Studium, es ist eine Vollzeitbeschäftigung. Es ist großartig, dass wir Spezialisten haben, wir brauchen aber auch noch etwas anderes. Wir müssen schauen, was jemand neben seinem Abschluss noch kann und gemacht hat, um ihm alle Möglichkeiten zu eröffnen.

Ist ein Studium die Mühe wert?

Der Gang an die Uni sichert noch immer ein besseres Einkommen und einen sichereren Job – aber nur im statistischen Durchschnitt. Ist der Glaube an die Universitätsausbildung noch immer berechtigt, oder wird die Hochschulausbildung unwichtiger in Zeiten von Start-ups? Wofür habt ihr euch entschieden? Was ist eure Meinung?

Foto: Flickr – Alex Reynolds; Portraits: Byrne (c) Twitter , Sadoun (c) Twitter

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