Der Wahlkampf zur Europawahl wurde vom Thema Migration bestimmt. Die Parteien hatten sich darauf eingestellt, dass die Unzufriedenheit über die Flüchtlingskrise den Ausschlag geben könnte. In Frankreich und Italien ist der Plan der einwanderungsfeindlichen Parteien aufgegangen, sie konnten die Europawahl für sich entscheiden. In Deutschland blieb der Erfolg der AfD jedoch aus und auch europaweit kam es nicht zum erwarteten Durchbruch für rechtsextreme Parteien. Haben die Medien die Bedeutung der Flüchtlingskrise im Wahlkampf überbewertet?

Wie wird denn generell über Migration berichtet? In den Jahren 2015 und 2016 wurden Vorwürfe der „Lügenpresse“ laut. Zu einseitig positiv soll berichtet worden sein. Eine Studie der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz hat die Faktentreue der Medien in diesem Zeitraum jetzt ausgewertet. Demnach war die Darstellung der Migration korrekt aber nicht immer ausgewogen. Seit der Silvesternacht in Köln soll die Berichterstattung laut der Studie immer negativer geworden sein. Haben die Medien also ein negatives Bild der Migration zu verantworten?

Die Denkfabrik Friends of Europe hat sich im Rahmen ihres Aktionsprogramms auf einer Veranstaltung mit dem Thema auseinandergesetzt. Es ging um gefälschte Nachrichten, Desinformationen und Medienberichte über Migration im Zusammenhang mit den Wahlen zum Europäischen Parlament. Wir stellten den Teilnehmern unsere Leserfragen.

Wir haben zum Beispiel einen Kommentar von Emrah erhalten, der glaubt, dass die Medien eine negative Sicht auf den Islam in Europa fördern. Als Folge glauben immer mehr Europäer, dass jeder muslimische Flüchtling ein potenzieller Terrorist ist. Hat er recht?

Wir fragten bei Tom Law nach, er ist stellvertretender Direktor des Ethical Journalism Network. Stellen Medien Flüchtlinge zu negativ dar?

Ich denke, das gilt leider für viele Medienunternehmen in Europa. Das liegt vor allem an den politischen Vorurteilen einiger Medienorganisationen, aber auch an deren Geschäftsmodell. Medien, die auf Sensationen angewiesen sind, um Zeitungen zu verkaufen oder Klicks zu bekommen, werden oft in diese Art von Berichterstattung getrieben, statt ausgewogen und fair über Migration zu berichten.

Wir müssen aber auch bei der Verallgemeinerung der Medien vorsichtig sein. Es gibt viele sehr gute Organisationen, die über Migration berichten und für ihre Berichterstattung Auszeichnungen erhalten. Ich glaube also nicht, dass es fair ist, in diesem Sinne zu verallgemeinern, obwohl ich Emrahs Anliegen absolut teile. Ich denke, es liegt an den Zielgruppen, dafür zu sorgen, dass sie den Journalismus belohnen, den sie als fair gegenüber der Migration und all ihren verschiedenen Aspekten betrachten und sich nicht an Hass, Sensationslust oder Islamophobie zu beteiligen.

Ich stimme also Emrah zu, aber ich denke, wir müssen auch die gute Berichterstattung über die Migration erwähnen und dürfen die Medien nicht als eine Einheit betrachten. Es gibt  unterschiedliche Standards zwischen verschiedenen Organisationen in verschiedenen Ländern.

Unser Leser Gustav denkt, dass die Medien nur noch an ihre Verkaufszahlen denken und sich daher auf die extremsten und schockierendsten Geschichten konzentrieren. Geht es wirklich nur noch um Klicks?

Wir fragten Inma Vazquez, sie vertritt die NGO Ärzte ohne Grenzen bei der EU und NATO. Was ist ihre Meinung zur Berichterstattung der Medien über Migration?

Mediziner ohne Grenzen hat auch viel mit öffentlicher Kommunikation zu tun. Sie war schon immer eine der Säulen unserer Organisation, wir prangern die Schrecken, die wir erleben, öffentlich an.

Die Berichterstattung über Migration hat sich jedoch stark geändert. Wenn wir über den Horror in Libyen berichten, wird das von der Presse nicht mehr aufgegriffen. Es hat unsere Kommunikationsabteilung schockiert, dass unsere Pressemitteilungen und Veröffentlichungen auf der Website nicht mehr angenommen werden. Diese Art von Geschichten werden wohl nicht mehr als „sensationell“ begriffen. Die Schrecken in Libyen sind für Journalisten anscheinend keine Neuigkeiten mehr.

Es ist jedoch heute neu, über die „Absprache“ von NGOs mit Migranten und Menschenhändlern zu sprechen. Das sind Nachrichten, immer noch, und immer noch mit der Verurteilung durch die Politiker. Also, liegt es wirklich daran, dass die Medien nur Sensationslust haben? Denn die Sache ist, dass es viele „sensationelle“ Geschichten gibt, die es in Bezug auf Nachrichten über Migration gibt.

Es ist auch etwas Neues, über vermeintliche „Absprachen“ zwischen Organisationen, Migranten und Menschenhändlern zu berichten. Das sollen Nachrichten sein und Politiker profilieren sich dann mit ihrem Urteil. Geht es also um Sensationslust? Es gibt viele aufsehenerregende Nachrichten in Bezug auf Migration. Es gibt schockierende Nachrichten über Gewalt gegen Migranten, die verfügbar sind. Diese werden von den großen Medien jedoch nicht ausgewählt.

Haben Journalisten ein verzerrtes Bild von „bösen“ Migranten geschaffen? Gibt es eine neue Sensationslust mit Blick auf Klicks und Auflagen? Haben Journalisten Vorurteile gegenüber Migranten? Was denkt ihr?

Foto: (c) Bigstock –  hadrian


5 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst Du?

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    Conny

    So ein Quatsch. Die Nationalität wird meistens verschwiegen.

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    Hans Günter

    Im Gegenteil !!! Die Medien versuchen alles klein zu reden !! Der schlechte Eindruck kommt von den Migranten selbst !! Natürlich auch von allen die hier mit Geld verdienen und auch von denen die eie Überbrüfung bei der Einreise verhindern !

  3. avatar
    Martina Böswald

    Der Artikel ist unzutreffend. Derzeit beraten die UN-Organisationen explizit darüber, wie sie mit dem Christchurch-Effekt dahin kommen, dass Migranten immer nur in einem positiven Licht und als Opfer dargestellt werden. Ganz offen erklärten die UN-Vertreter der Nationen, wie man die Narrative shapen kann und muss und wie man da auf Schulen, Arbeitnehmer und Regierungen einwirkt. Die Taten der Migranten, egal ob „nur“ Migrant oder nach dem extrem weit bestimmten UN-Flüchtlingsbegriff ein solcher – sollen bewußt ausgeblendet werden. Die IOM sammelt absichtlich selektiv Daten, was diese klar als Ziel definiert hat (Nr. 10 des GCM).
    Es ist ferner unzutreffend, daß die Studie zu dem Ergebnis gekommen sei, daß über Migration korrekt berichtet worden sei. Genau das war nicht gesagt worden, sondern die Unausgewogenheit zur Unwahrheit resumiert worden. Leidet der Verfasser an Wahrnehmungsstörungen?
    Was immer verschwiegen wird ist die Tatsache, daß die Migration seit mehr als 10 Jahren konkret organisiert und umgesetzt und schon seit mehr als 20 Jahren geplant und vorbereitet wurde und dass die IOM mittels Migration die Übernahme der europäischen Länder durch Migranten als deren Ziel ansieht und dazu völlig faktenfrei postuliert, dass Migration für beide Seiten immer ein Gewinn sei. Es werden Milliarden bewegt, man folge nur dem Geld und sieht die Übeltäter!

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    Cemil

    Ja ? Diese Journalisten sind Hetzer des deutschen Volkes …..

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