Wie können wir die europäischen Gesundheitssysteme erhalten? Laut Weltbank nehmen die Gesundheitsausgaben europaweit kontinuierlich zu. Im Jahr 2000 waren es noch acht Prozent des Bruttoinlandprodukts, 2015 waren es schon zehn. Wie lange kann ein solcher Trend andauern?

Die Anforderungen an unser Gesundheitssystem wachsen durch die alternde Bevölkerung. Wie können wir bei steigenden Kosten die Qualität erhalten? Experten sehen vor allem in der Prävention noch viel Luft nach oben. Aber „gesund bleiben“ kann das Grundproblem nicht lösen. Wo soll also das Geld für die steigenden Kosten herkommen? In anderen Bereichen öffentliche Ausgaben kürzen, die Staatsverschuldung erhöhen, die Wirtschaftsleistung steigern oder auch Steuern erhöhen. Letztendlich wird es wahrscheinlich einen Mix aus diesen Maßnahmen geben.

Was denken unsere Leser darüber? Wir erhielten einen Kommentar von Leser Edward. Er denkt, dass die Europäer höhere Steuern akzeptieren würden, wenn sie eine bessere Gesundheitsversorgung bedeuten würden. Hat er recht?

Wir fragten bei der Expertin Fiona Godfrey nach. Sie ist die Generalsekretärin der European Public Health Alliance, einer Vereinigung von gemeinnützigen Organisationen, die im Bereich der öffentlichen Gesundheitsversorgung tätig sind. Stimmt sie Edward zu?

Als Europäerin wäre ich froh, wenn multinationale Konzerne höhere Steuern zahlen würden, die für eine bessere Gesundheitsversorgung verwendet werden könnten. Wenn man sich die die Besteuerungstrends der letzten zehn oder fünfzehn Jahre ansieht, ist das durchschnittliche Niveau der Unternehmensbesteuerung in der EU gesunken. Es liegt jetzt bei etwas über 20%, während das durchschnittliche Niveau der persönlichen Besteuerung für einen in der EU lebenden Bürger entweder stabil oder gestiegen ist und der Durchschnitt bei fast 40% liegt.

Ich denke, dass es eine Notwendigkeit für höhere Steuern gibt. Ich glaube aber nicht, dass Einzelpersonen höhere Steuern zahlen müssten, sie zahlen bereits genug. Viele Unternehmen zahlen keine Steuern, obwohl sie einen Gewinn erzielen. Andere zahlen nicht ihren gerechten Anteil an den Folgen ihres Gewinns. McDonald’s produziert zum Beispiel nicht immer die gesündesten Lebensmittel, ihre Produkte können zu einer Vielzahl von Krankheiten bei Kindern und Erwachsenen beitragen, sie beteiligen sich dann aber nicht an den Folgekosten.

Um eine andere Perspektive zu erhalten, schickten Edwards Kommentar auch an Pedro Pita Barros, Professor für Gesundheitsökonomie an der Universität Nova de Lisboa in Portugal. Stimmt er zu, dass wir bereit wären, mehr Steuern für eine bessere Gesundheitsversorgung zu zahlen?

Nein, nicht wirklich auf einer breiten Basis. Ich glaube, dass Edward recht hat, wenn es um staatliche Interventionen im Gesundheitswesen geht, das wissen die meisten sehr zu schätzen.

Der Punkt ist: Wenn die Wirtschaft in einem angemessenen Tempo wächst (wie es in der Vergangenheit der Fall war), können wir sowieso mehr Steuereinnahmen für das Gesundheitswesen nutzen. Es stimmt sicher, dass die Menschen zusätzliche Einnahmen für das Gesundheitswesen ausgeben wollen.

Die Erhöhung aktueller Steuersätze ist aber wahrscheinlich eher schwierig, da sie in einigen Ländern bereits recht hoch sind und eine weitere Erhöhung daher auf Widerstand stoßen könnte. Ich möchte die Bemerkung so verstehen, dass die Menschen mehr Wert auf die Gesundheitsausgaben der Regierungen legen möchten, als dass wir wollen, dass höhere Steuern für den Gesundheitssektor erhoben werden. Die Bereitschaft der Europäer, mehr staatliche Gelder in die Gesundheitsversorgung zu stecken ist sicher höher, als bei anderen Bereichen.

Würdest du mehr Steuern für eine bessere Gesundheitsversorgung zahlen? Stimmt ihr Edward zu oder seht ihr das kritisch? Wie ließe sich bei der Gesundheitsversorgung noch Geld sparen, ohne auf Qualität zu verzichten? Schickt uns eure Ideen und wir teilen sie mit politischen Entscheidungsträgern und Experten.

Foto:(cc) Flickr – Phil ChambersPortraits: (c) Pedro Pita Barros



36 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst du?

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    Daniel Fechner

    Es ist eine ähnliche Situation wie bei ser CO2-Steuer.
    Treffen würde es vor allem die „Armen“.
    Aber muss dies ja nicht sein, bspw. durch eine Erhöhung der Deckelung der Beiträge, könnten die Einnahmen steigen, ohne, dass die ärmeren Schichten der Bevölkerung savon getroffen werden.
    Auf der anderen Seite kann man über das System sprechen, derzeit gilt:
    Die Gesunden zahlen für die Kranken.
    Dies bedeutet im allgemeinen: Die Jungen für die Alten.
    Dies war eine ganze Weile die beste Idee, immerhin wurde das System aus dem Nichts aufgebaut, aber suech die Alterung der Bevölkerung stehen wir vor Problemen, die bei diesem System vorherrschen.
    Es sollte darüber diskutiert werden, ob das bestehende System umgestellt wird, ähnlich der privaten Gesundheitsvorsorge, jeder zahlt ein und die Versicherung legt ein Polster zurück, mit dem die Kosten beglichen werden, die im fortschreitende Alter anstehen könnten.

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    Raphael

    Wir haben die zweithöchsten Angaben in allen OECD Ländern und ihr besitzt die Dreistigkeit noch mehr zu fordern!
    Genau das ist das Problem mit der EU.

    Das vorhandene muss verschlankt, im Verwaltungsakt gekürzt werden!
    Alle gesetzlichen und privaten zusammenlegen und wirklich alle einzahlen lassen.
    Mit dieser Variante ließe sich der Standard der medizinischen Versorgung rasant steigern!

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    Ulrich

    Einverstanden, wenn auch alle Einkommensarten gleich besteuert werden. Und über eine adäquate Anhebung der Erbschaftssteuer (leistungsloses Einkommen) darf auch nachgedacht werden.

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    Raphael

    Nicht mehr Steuern erheben, sondern weniger!

    Den Staat verschlanken und so Kosten minimieren!
    Diese Bedienermentalität des Staates ist genau das Problem warum Fachkräfte aus Deutschland auswandern!

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    Frank

    Überhaupt eine solche Frage zu stellen finde ich eine Frechheit sondergleichen. Wir zahlen eh schon mit die höchsten Abgaben in der EU. Spart mal lieber am Wasserkopf Berlin, und weiterhin Brüssel und Luxemburg. 400 Abgeordnete in Berlin reichen. Und diese weggelobten in Brüssel sind auch zu viele…Spart ne Menge Geld das für Schulen, Krankenhäuser, Kitas etc. dann vorhanden wäre. Und nein ich bin nicht bereit noch mehr zu zahlen! Es reicht!

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    Kerstin

    Nein wir zahlen schon genug und die Leistung ist mies

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    Ingo

    wenn ich mir die „Glaspaläste“ der Krankenkassen ansehe NEIN! Und höhere Steuern versumpfen eh blos in der Bürokratie. Denn dann braucht Frau Nahles noch eine Rente und unsere Beiträge sind weg!

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    Günay

    Ich bekomme jetzt schon zu wenig Leistung für die Summe ! Haben die Kassen nicht seit Jahren Überschüsse gebunkert ? Hallo !

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    Christian

    Die Anforderungen steigen explizit in Deutschland durch viel zu hohe Preise für Medikamente, die man der Pharmalobby seitens der Politik zuerkennt, durch die exorbitant gestiegenen Verwaltungskosten der Krankenkasse und dadurch das sich ganze Teile der Bevölkerung, die Reichen und Besserverdienenden, Beamte, Politiker etc nicht am allgemeinen Gesundheitssystem beteiligen, sondern zu Gunsten der Aktionäre ihren privaten Egotrip fahren können…. in anderen Ländern müssen die mit einzahlen, wer es sich leisten kann, darf ja gerne privat aufstocken, das wäre dann der “Markt“ für die Privaten….

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    Alfred

    Die Sollen die Fingen von den Sozialversicherungen lassen und die Versicherungsfremden Leistungen zurückholen ,dann ist dort auch genug Kapital vorhanden. CDU Gröhe wollte doch kürzlich wieder einen großen Schluck aus dieser Pulle nehmen.Da wird das Geld der Beitragszahler zweckentfremdet ,was die maßgeblichen Herren nicht interessiert.

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    Rolf

    Wo liegt bei dieser Sorge gegenwärtig eigentlich das Hauptproblem?
    Das Problem liegt daran, das es hier ältere Menschen gibt, die ihr Leben lang in die Kassen eingezahlt haben.
    Geburtenjahgänge zurückgehen, und Jene die in Scharen ins Land kommen nicht eingezahlt haben. Aber alle Leistungen entgegen nehmen.
    Nicht die alten weil sie alt werden, sind Schuld. Sondern die Politiker, welche diesbezüglich auch abgesichert sind!

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    Melia

    Warum immer deutsch Bürger und Bürgerinnen muß viel steuern perzalen noch mal? Soll nichts zur viel Flüchtlinge nach Deutschland davon Deutschland kann sparen!

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    Walter

    Ha ha ich lache mich Krank über so viel Scheise Deutschland das ist ein Armutszeugnis

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    Margriet

    Es müssen alle in die Sozialsysteme einzahlen! Schluss mit der Befreiung der Beamten und Reichen von den Vorsorgeaufwendungen! Dann ist genug Geld für alle da! Es müssen dann nicht noch mehr Steuern oder Abgaben erhoben werden! Die Arbeitenden und Rentner können nicht noch mehr bezahlen, zumal das Renten niveau weiter sinkt!

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    Ulrich

    Nein lieber die Nichtbeitragszahler als Privatpatienten selbst zahlen lassen , dann würden keine 5 Milliarden ins Ausland überwiesen !

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    Christian

    Holt es bei denen die plötzlich Milliarden haben und ausgeben für Leute die nie eingezahlt haben.

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    Matthias

    Vielleicht sollte man weniger Milliarden für Leute ausgeben, die noch nie Steuern gezahlt haben und sicher auch nie werden.. 😒 Also die „Fachkräfte“

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    Angelika

    Es sollen erstmal die Zahlen, die noch gar nix gezahlt haben 😡

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    Wolfgang

    Wieso Steuern? Wir zahlen Krankenversicherung und das mehr als genug!

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    Volker

    Nein, denn das Gesundheitssystem hat sich zum Selbstbedienungsladen von Spekulanten entwickelt. Die Privatisierung der z.B. Krankenhäuser ist eine Riesensauerei. Soziale Einrichtungen gehören in die Hand des Staates und sind nicht auf Gewinn ausgerichtet sondern auf dienen dem Bürger.

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    Helga

    Die Gesundheitskosten wachsen wegen Zuwanderung ,die meisten von den 2,5 Millionen gehen nicht arbeiten und dann noch Familiennachzug .
    Ihr solltet das nicht auf die Alten schieben ,nur weil ihr euch nicht traut ,das Kind beim Namen zu nennen.
    Das ist unfair ,aber typisch

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      Christian

      Geil… man soll nicht gegen die “Alten“ hetzen,.aber gegen Flüchtlinge mit falschen Darstellungen hetzen ist OK?

      Hier wurden schon mehrfach sie Grpnde in den Kommis benannt….

      Lesen bildet….

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    Ina

    Nein, würde das von uns gezahlte Geld nicht zweckentfremdet, wäre reichlich Geld für Gesundheit und Alter vorhanden. Unsere Pseudo-Regierung füttert aber lieber die halbe Welt durch

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    Bettina

    Nein , denn wenn das Geld für Flüchtlinge und eine medizinische Rundumversorgung vom Feinsten reicht dann ist genügend Geld da , Geld welches in unangemessener Weise für Dinge ausgegeben wird was nicht Notwendig ist!

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      Christian

      Ach … schon wieder die Flüchtlinge … ah nein Oh

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      Bettina

      ja schon wieder und es wird sich auch nicht ändern. Wenn ich sehe was die für Leistungen von KK beziehen ohne jemals dafür eingezahlt zu haben und die welche selbst von ihrer mickrigen Rente einzahlen müssen. Flüchtlinge zahlen in Apotheken keinen Cent auf Rezepte dazu , wir selbst wenn man von der Zuzahlung befreit ist müssen noch bei Diversen Medikamenten zuzahlen oder minderwertige Medikamente mit höheren Nebenwirkungen nehmen. Und das weiß ich aus Erfahrung da ich es selber erlebt habe . Selbst Erkälungsmittel bekommen sie ohne zahlen zu müssen und wir müssen sogar bei Kindern zahlen.

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      Wolfgang

      aber da liegt doch das Problem, alle Leistungen ohne Zuzahlungen werden übernommen. Das Wort im Sozialamt heißt Doktorschein nicht nur äußerst notwendige Behandlung, eben kostenlose rundumversorgung. Warum werden denn Flüchtlinge über die AOK oder das Sozialamt versichert, aber für eine Haftpflichtversicherung gehe n Schäden am deutschen Eigentum reicht das Geld nicht. Der Bürger bleibt eben auf dem Schaden sitzen.

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    Bernhard

    das die Kassen noch reicher werden

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      Wolfgang

      aber eben mit Steuergelder durch Umschlichtung.

  25. avatar
    Gisela

    Na, woher schon,,, wir zahlen doch definitiv genug Steuern,,, etc. 🤢🙄

  26. avatar
    Eveline

    Schon die Frage ist unglaublich.

  27. avatar
    Beate

    Jetzt zahlen Krankenkassenbeiträge ist das schon mal jemandem von euch aufgefallen. Und nein es liegt nicht an der alternden Gesellschaft.

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