Bilder lügen nicht… Das haben sie doch aber schon immer getan! Die Manipulation von Bildern ist so alt wie die Fotografie selbst. Die Technik hat sich seither stets weiterentwickelt, jetzt kann theoretisch jeder seinen eigenen Fotos mit ein paar Filtern ein wenig nachhelfen. Was können dann erst politische Regime mit allen technischen Spielereien erreichen? Schon Stalin ließ politische Gegner im Nachhinein von Fotos entfernen; jetzt werden Fälschungen immer überzeugender und einfacher.

Der neueste Trend, der Sicherheitsexperten beunruhigt, ist die „Deepfake“ Technologie. Deepfakes sind digital manipulierte Videos, in denen meist bekannte Politiker falsch dargestellt werden. So können zum Beispiel Interviews mit Politikern gefälscht werden; auf den ersten Blick ist jeder überzeugt, dass hier der echte Politiker und kein künstliches, neuronales Netzwerk antwortet. Natürlich könnten solche Videos genutzt werden, um Wahlen zu manipulieren. Könnten sie auch noch Schlimmeres anrichten? Was, wenn „Präsident Trump“ Russland vor laufender Kamera den Krieg erklärte? Technisch ist das ohne Teilnahme des Präsidenten möglich und nur der gesunde Menschenverstand hilft nicht mehr wirklich weiter, um solch eine falsche Meldung zu erkennen.

Was sind Deepfakes? Wir haben für euch einige Infos zusammengesucht:

Was denken unsere Leser? Wir erhielten einen Kommentar von Paul, der alle Videos im Internet für Fälschungen von Verschwörungstheoretikern hält. Wie groß ist das Problem?

Für eine Antwort fragten wir bei Professor Hany Farid nach, der Computerwissenschaften an der Universität Berkley in Californien unterrichtet und Spezialist in Digitaler Forensik und Bildanalyse ist.

Leser Marcel traut wiederum den etablierten Medien nicht mehr. Er schwört auf Dinge, die er sehen und hören kann. Ist das eine gute Idee oder macht ihn diese Philosophie nicht eher anfällig für Deepfakes? Wie kann eine Gesellschaft ohne Grundvertrauen in bestimmte Informationen überhaupt funktionieren?

Für eine andere Perspektive auf diese Fragen, konfrontierten wir auch Fabrice Pothier. Er ist leitender Berater bei der transatlantischen Kommission für die Integrität von Wahlen. Diese parteiübergreifende Initiative will Wahlmanipulationen aus dem Ausland verhindern und findet prominente Unterstützung aus Politik, Technologie, Medien und Wirtschaft in Europa und den USA.

Was sagt er zu Marcels Vertrauen auf die eigenen Sinne?

Nun, das Problem in diesem Fall ist – wenn man nur den eigenen Augen als ultimativem Test traut – dann gibt es viele Dinge, die man nicht glauben kann. Das schließt Dinge mit ein, die auf der anderen Seite der Welt passieren. Das ist eine sehr begrenzte Möglichkeit, den Wahrheitsgehalt von Nachrichten zu testen.

Man braucht mehrere Anhaltspunkte, um entscheiden zu können, ob es sich um eine Qualitätsnachricht oder ein Meinungsbild oder ob um eine kontroversere und potenziell gefälschte Nachricht handelt. Das ist der erste Schritt, um unsere Bürger und Gesellschaften vor falschen Nachrichten zu schützen. Man muss sich darüber im Klaren sein, was vorliegt. Sollte der Nachrichtendienst nicht transparent sein, warum hier wer mit welcher Absicht etwas veröffentlicht hat, sollte man diese Informationen als Konsument und Bürger einfordern. Das wird letztendlich allen helfen. Auch sollte man immer kritisch sein, wenn man Nachrichten in seinem Mailprogramm oder in einer WhatsApp-Gruppe erhält.

Können wir Meldungen aus dem Internet vertrauen? Sind in den Soziale Medien nur noch gefälschte Videos und Inhalte zu finden oder sind sie einfach nur eine neue Plattform mit einem alten Problem? Müssen wir uns als Gesellschaft auf ein paar Eckpunkte an Informationen einigen und darauf vertrauen oder sollte jeder nur seinen eigenen Sinnen trauen? Was meint ihr?

Foto: (c) BigStock – konstantynov



9 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst du?

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    Daniel Fechner

    Nachdem die Existenz von Lügen bzw. Falschinformationen hinlänglich bekannt ist, sollte man sich wenig Sorgen machen.
    Allerdings fällt mir bei den Argumenten, die Herrn Farid nennt auf, dass es ihm größere Sorgen macht, dass jeder dazu in der Lage ist, als dass sie schon immer verwendet werden.
    Wichtiger wäre es, dass man sich überlegt für wen arbeitet diese Quelle?, was will sie erreichen?, woher stammt diese Information?, was sagen andere Quellen dazu? und was sagt die eigentliche Person zu den Anschuldigungen?
    Es gibt die Möglichkeit Informationen gegenzuchecken, andere zu fragen, was sie davon halten und nicht unbedingt auf diejenigen zu hören, die einem immer zustimmen.
    (Beispiele für Themen mit fehlerhafte oder beeinflusste Berichterstattungen: AfD, Muslime, Syrien, Assad, CDU, Proteste gegen §11 und §13 (jetzt 17), Russland, China, Amerika, Trump, Frau Petry, Iraq, Flüchtlinge, NSA-Affäre usw.) … und das schlimme dabei, viele dieser Beispiele wurden durch die öffentlich Rechtlichen verstärkt, aufgegriffen oder in die Welt gesetzt, neben anderen Quellen (RT, AfD, Fox News, China usw.)

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    Raphael

    Staatsmedien und regierungsnahe Medien sind kritsch zu beobachten.
    In Deutschland ist es, wenn man sich nicht zusätzlich im Ausland informiert, sehr schwer neutrale Berichterstattung zu finden.

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    Raphael

    Bei ZDF und ARD sieht es schlecht aus. Um SZ ,FAZ und Handelsblatt ist es noch schlimmer bestellt.

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      Petr

      Raphael – neue Züricher Zeitung ist ganz gut

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      Raphael

      Petr – ach was, sie sind ja ein ganz ein schneller

  4. avatar
    Kasra

    Ja, rubriken, arte oder nachdenkseiten zum Teil auch heise etc.. ABER Finger weg von Fake news propaganda Seiten alla Bertelsmann oder Springer auch nicht empfehlungwert sind die US aussenstellen wie : ARD ZDF oder sämtliche 3.

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    Hans

    Was AfD/NPD per Presse vom Stapel lassen glaubt eh kein Mensch.
    .
    Da vertraue ich doch lieber unsere Presse und den ÖR.

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      Petr

      Hans – als ob die öffentlichen über alles reden. Der Bundestag will eine Mauer bauen und sich damit abschotten, viele Zeitungen berichten darüber wo 150 Millionen verschwendet werden, habe aber darüber noch kein Bericht in den öffentlichen Medien gesehen, wenn sie eine Quelle zu den Öffentlich rechtlichen haben, dann revidiere ich meine Meinung. Aber gerade in Zeiten wo die Politik sagt das es noch nie so sicher in Deutschland war, sollten man sich ernsthaft fragen, wie sicher es ist, wenn der Bundestag eine Mauer um sich herum bauen will.

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    Martin

    Der Mensch hat einen Verstand, und sollte diesen beim Konsum JEDES Mediums nutzen.

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